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Ebersberg:Provisorium wird Provisorium

Die Schüler sollten aus dem Gebäude heraus, weil "es zieht und stinkt und auch ein bisschen giftig ist", erinnert Kreisrätin Waltraud Gruber.

(Foto: Christian Endt)

Die Holzbaracke an der Realschule wird inzwischen nicht mehr als Klassenzimmer genutzt. Gebraucht wird das Gebäude aber weiterhin: Noch heuer sollen Büros des Landratsamtes einziehen

Zurück in die Schule heißt es bald für bis zu 32 Mitarbeiter des Landratsamtes. Denn weil in der Behörde der Platz knapp wird, soll der derzeit leer stehende Holzpavillon an der Realschule zu einem provisorischen Bürogebäude umgebaut werden. Noch heuer könnten die ersten drei Klassenzimmer zu insgesamt neun Doppel-Büros werden, im kommenden Jahr steht dann der Umbau der übrigen drei Klassenräume an. Landrat Robert Niedergesäß (CSU) versucht gar nicht, den anstehenden Umzug in die ehemaligen Klassenzimmer schönzureden: "Das ist nicht das Optimum und auch nur für den Übergang." Auch Herbert Jungwirth, Leiter der Liegenschaftsabteilung im Landratsamt, bekennt ganz offen: "Es hat Mängel." Und betonte ebenfalls, dass es sich nur um ein Provisorium handeln könne. Maximal fünf Jahre lang soll das Landratsamt die Schulbaracke nutzen, bis dahin müsse eine andere Lösung für das Platzproblem gefunden werden.

Obwohl das Landratsamt in den vergangenen Jahren saniert und erweitert wurde - erst im vorigen Herbst war die feierliche Einweihung -, ist es schon wieder zu eng. Besonders weil im Bereich Asyl zusätzliche Mitarbeiter nötig wurden. Eine Entwicklung, die man bei der Planung des Umbaus nicht habe absehen können, so der Landrat: "Die Welt hat sich weitergedreht, man kann es nicht ignorieren, dass wir jedes Jahr eine Verdoppelung der Asylbewerberzahlen hatten." Daher stoße man im Landratsamt an die Kapazitätsgrenzen.

"Ich glaube, dass man Räume braucht, aber nicht diese", sagte die stellvertretende Landrätin Waltraud Gruber (Grüne). Sie könne sich noch gut erinnern, "dass wir gesagt haben, die Schüler sollen da raus, weil es zieht und stinkt und auch ein bisschen giftig ist, und jetzt ist es für Büros geeignet." Sie habe "ein ganz schlechtes Gefühl", wenn man in diese für Schüler ungeeigneten Räume nun Landratsamtmitarbeiter einquartiere. Leider gebe es keine Alternative, sagte Jungwirth: "Wir haben andere geeignete Räume einfach nicht gefunden." Oder zumindest keine bezahlbaren. "Wir haben uns schon Sachen angeschaut", erklärte der Landrat, etwa die leer stehenden Räume der Kreissparkasse. Aber dort seien sowohl die Mieten als auch die Umbaukosten sehr teuer, außerdem wolle die Bank lediglich für zwei Jahre vermieten.

Ganz billig wird die Umrüstung des Pavillons indes auch nicht werden. Rund 90 000 Euro wird der Ausbau der drei Klassenzimmer im Erdgeschoss kosten, insgesamt wird man für die Bauarbeiten etwa 175 000 Euro ausgeben müssen. Hinzu kommen noch die Kosten für den Internetanschluss. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Kreis mietet eine Leitung von der Telekom, was einmalig 50 000 Euro und 20 000 Euro pro Jahr kostet. Oder man erweitert für 75 000 Euro das Landratsamtnetzwerk, was zum einen den Vorteil habe, dass man erstens keine laufenden Kosten hat und zweitens die Leitung auch der Schule zur Verfügung stellen könnte, sagte Andreas Stephan, Leiter der Abteilung Zentrales.

"Das ist alles keine gute Lösung", merkte Bernhard Wieser (CSU) an. Er werde zwar "notgedrungen zustimmen", forderte aber auch: "Wir müssen unbedingt die Aufstockung des Nordtraktes im Landratsamt ins Laufen bringen." Dort wäre theoretisch eine Erweiterung des Gebäudes möglich; dass man diese bald in Angriff nehmen müsse, blieb aber eine Einzelmeinung. Man solle erst einmal abwarten, wie sich die Situation im Bereich Asyl entwickelt, riet Roland Frick (CSU). "Ich glaube nicht, dass wir in den nächsten Jahren über eine Landratsamt-Erweiterung reden müssen", pflichtete sein Parteifreund Josef Schwäbl bei. "Die Aufstockung ist derzeit nicht vermittelbar", fand auch Elisabeth Platzer (SPD), schließlich habe man gerade erst "für sehr viel Geld ein Gebäude hingestellt". Auch Niedergesäß erklärte, er sei "nicht wirklich scharf darauf, schon wieder mit dem Bauen anzufangen, ich will eigentlich erst einmal keine Baustelle mehr sehen".

Gegen die Stimme Grubers wurde der Umbau des Pavillons beschlossen. Welche Abteilungen des Landratsamtes umziehen werden, steht noch nicht fest. Große Widerstände dagegen gibt es laut Karin Stanuch, Personalratsvorsitzende im Landratsamt, allerdings nicht: "Wir begrüßen die Lösung, es ist zwar nicht ideal, aber besser als nichts."