Ebersberg Faszination Luther

Der bildende Künstler Harald Birck mit einer seiner Luther-Skulpturen, die er in der Galerie des Ebersberger Rathauses zeigt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Künstler Harald Birck zeigt nicht nur den Reformer, sondern auch eine zerbrechliche Persönlichkeit

Von Sandra Langmann, Ebersberg

Wer war der Mensch Martin Luther? Wir kennen ihn als Reformer, Gelehrten und Bibelübersetzer. Dank Lucas Cranach, einem der bedeutendsten deutschen Maler zur Zeit Luthers, hat sich das Bild des Wittenbergers tief in unser kulturelles Gedächtnis eingeprägt, und man meint zu wissen, wie der junge Augustinermönch mit Tonsur und Kutte ausgesehen hat. "Gut, dass es Künstler wie Harald Birck gibt, die unserer Vorstellungskraft auf die Sprünge helfen", so Andreas Pitz, Kurator und Verfasser des Ausstellungskatalogs "Bilder von Luther".

Unter dem selben Namen eröffnete pünktlich zu Luthers 533. Geburtstag die Ausstellung am Donnerstagabend in der Galerie des Ebersberger Rathauses. Die Wanderausstellung mache neben Dortmund, Mainz und vielen weiteren Städten in Ebersberg Halt, werde jedoch in keinem weiteren Ort Bayerns präsentiert, sagte Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU). Die Ausstellung bildet auch den Auftakt für das Reformationsjubiläum 2017 im Evangelisch-Lutherischen Dekanat "500 Jahre Reformation". Zudem verriet der Bürgermeister ein spannendes Detail: Das Rathaus der Kreisstadt wurde 1529, also zur Zeit Luthers, erbaut. Hätte Luther also damals im Ebersberger Kloster gewohnt, hätte er womöglich seine Thesen an hiesige Türen genagelt - doch bitte nicht an jene des Rathauses, scherzte Brilmayer. Doch vor diesem historischen Zusammenhang passe die Ausstellung perfekt in die Galerie in Ebersberg.

Auch Künstler Harald Birck ist der Ansicht, dass sich seine Figuren in den Räumlichkeiten wohlfühlen, da sie mit der historischen Architektur korrespondieren. 30 Skulpturen, 50 Bilder, sechs große Atelierfotos und zwölf Texttafeln zeigen Martin Luther als realen, ganz normalen Menschen. In Bronze, gebranntem Ton und auf Papier wird neben dem offenen und geselligen auch der alte Luther dargestellt. Eine Person mit zerfurchtem Gesicht und in gekrümmter Haltung. Luther der Zweifler, der Zerbrechliche, der Leidende. Die Figur des "Alten Luthers" hat es Birck besonders angetan, denn trotz seiner Zerbrechlichkeit ist er stark und kraftvoll - schöpferisch bis in den Tod.

Birck spricht mit Blick auf die Persönlichkeit des facettenreichen Charakters durchaus von einer Faszination, die ihn gepackt habe. Ihren Anfang nahm diese 2010, als der Berliner den Auftrag bekam, für das Lutherhotel in Wittenberg eine Statue aus Bronze anzufertigen. Von der Inspiration ergriffen, entwarf er zahlreiche Skizzen. Brick arbeitete dabei auch mit Menschen, die ihm Modell standen und in Luther-Figuren mit unterschiedlicher Persönlichkeit verwandelt wurden.

Andreas Pitz arbeitet schon lange mit dem Künstler zusammen. Als er dessen Skizzen sah, kam ihm die Idee, den Mensch Luther durch eine Ausstellung ins Hier und Jetzt zu holen. Dieser habe sich die Frage gestellt, welche Dinge nicht funktionierten - und damit viel bewegt. Auch heutzutage laufe einiges schief, und so seien die Gedanken Luthers weiterhin aktuell, so Pitz.

Von 11. November bis 6. Januar können die "Bilder von Luther" von Harald Birck in der Galerie des Rathaus Ebersberg betrachtet werden. Die Galerie hat Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr, Freitag von 8 bis 12 Uhr oder nach Vereinbarung unter a.berberich@ebersberg.de geöffnet.