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Ebersberg:Fahrlehrer dringend gesucht

Fahrschule

Die Fahrschulen im Landkreis suchen händeringend nach jüngeren Fahrlehrern. Ein Anbieter hat bereits eine seiner Filialen schließen müssen.

(Foto: Günther Reger)

Teure Ausbildung, wenig familienfreundliche Arbeitszeiten - die Folge: Fahrschulen finden keinen Nachwuchs mehr, der Berufsstand überaltert

Den Fahrschulen gehen die Fahrlehrer aus, die Betriebe im Landkreis bilden da keine Ausnahme. Einer Erhebung vom Januar 2015 zufolge ist der durchschnittliche bayerische Fahrlehrer 51,7 Jahre alt. Fünf Jahre zuvor lag das Durchschnittsalter immerhin noch bei 51,19 Jahren - wenn auch der Unterschied marginal ist, bestätigen die Zahlen doch den Trend. Tatsächlich liegt der Altersdurchschnitt vermutlich noch höher, denn seit 2012 werden über 74-jährige Fahrlehrer statistisch nicht mehr erfasst. 2011 fielen in diese Kategorie bayernweit immerhin noch 340 Fahrlehrer.

In der Markt Schwabener Fahrschule M1 sind von 22 Fahrlehrern nur zwei jünger als 30 Jahre. Bei der Fahrschule Ernst & Mertens mit vier Filialen in Markt Schwaben, Poing, Riem und Anzing sind immerhin zwei von insgesamt sechs Fahrlehrern in jüngerem Alter. Und trotzdem: Es ist klar, dass sich etwas ändern muss. Ansonsten werden wohl viele Fahrschulen schließen müssen.

Dass sich immer weniger Menschen für den Fahrlehrerberuf entscheiden, liegt für Andreas Frede von der Fahrschule M1 vor allem an den hohen Ausbildungskosten: Zunächst benötigt man alle gültigen Führerscheinklassen, also auch die Erlaubnis, einen Lkw und ein Motorrad fahren zu dürfen. "Allein da sind wir schon bei um die 5000 Euro", sagt Frede. Erst dann darf man die sechsmonatige Ausbildung an einer Fahrlehrerschule absolvieren. Hier kommen noch einmal Kosten von 5000 bis 6000 Euro auf den Auszubildenden zu. Staatliche Zuschüsse gibt es nicht. Nebenher dazu zu verdienen, hält Frede aus zeitlichen Gründen für ausgeschlossen, denn der Unterricht findet ganztags statt. Nach der theoretischen Ausbildung folgen fünf bis sechs Monate Praktikumszeit in einer Fahrschule, in der man oft nur knapp über dem Mindestlohn verdient. "Genau das ist das Problem: Für die Ausbildung muss man erst einmal sehr viel Geld in die Hand nehmen", pflichtet Mertens seinem Kollegen bei.

Mertens sieht das große Übel vor allem bei den geforderten zusätzlichen Fahrerlaubnissen. Einer seiner Fahrlehrer habe seit bestandener Prüfung vor fast 20 Jahren nie wieder das Führerhaus eines Lastwagens betreten, ein anderer habe sich nie mehr auf ein Motorrad gesetzt - wo bleibt da der Sinn? "Die Basissachen sollte man auf alle Fälle wissen", sagt Mertens. Die Notwendigkeit, ein Motorrad und einen Lkw auch fahren zu dürfen, sieht er allerdings nicht.

Anders beurteilt das Andreas Frede aus Markt Schwaben. Ohne entsprechende Ausbildung könne der Fahrlehrer keine technischen Nachfragen zu Motorrädern oder Lastkraftwagen beantworten. Ob ein solches Fachwissen von einem Pkw-Fahrlehrer unbedingt gefordert werden muss, bleibt wohl strittig. Frede sieht den Lösungsansatz bei den Fahrlehrerschulen. "Das sollte man umstrukturieren, blockweise theoretischen Unterricht und Fahrlehrerpraxis. Damit man auch während der Ausbildung schon Geld verdienen kann."

Zu den hohen Ausbildungskosten, die potenzielle Bewerber abhalten, kommt ein weiterer Aspekt: Der Beruf ist nicht unbedingt familienfreundlich. Jeder Fahrschüler muss mindestens drei Nachtfahrten absolvieren. Im Sommer kann es da schnell 21 Uhr und später werden. Auch die übrigen Fahrstunden fallen oft in die Nachmittags- und Abendzeit. "Wer kann denn schon vormittags fahren außer in den Ferien oder wenn man sich extra frei dafür nimmt?", sagt Frede. Jeder seiner Fahrlehrer betreut um die 20 Schüler. Viele gemeinsame Abendessen mit der Familie bleiben da nicht. "Das ist einfach nicht schön, wenn man nicht zu Hause ist und dafür auch noch so viele Kosten auf sich nehmen musste", kritisiert er.

Als mögliche Lösung für das Problem fordert Jörg-Michael Satz, Präsident der Moving International Road Safety Association, Änderungen im Fahrlehrergesetz, unter anderem den Wegfall der zusätzlichen Führerscheine als Berufsvoraussetzung. Auf dem Verkehrsgerichtstag Ende Januar diskutierte die Branche die Forderung. Die ersatzlose Streichung der Fahrerlaubnisse für Motorrad und Lkw stoße laut Satz nicht auf breite Zustimmung. Er hofft, dass es überhaupt "noch zu einer Reform kommt und nicht zu einem Rückschritt". Es bleibt die Frage: "Wie soll das alles dann funktionieren?, fragt Mertens. Vor kurzem hat er eine seiner Filialen schließen müssen. Er hat keinen neuen Fahrlehrer gefunden.