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Ebersberg:Der Wolf muss weg

Ursula Hahnenberg Krimiautorin am Aussichtsturm.

Der Wald um den Ebersberger Aussichtsturm ist einer der "Tatorte" von Krimiautorin Ursula Hahnenberg. Im neuen Buch geht es um einen Wolf.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Ursula Hahnenberg legt ihren zweiten Krimi vor. Ihre Geschichte spielt im Ebersberger Forst.

Von Rita Baedeker, Ebersberg

Es wird ein bisschen viel Kaffee getrunken in dem neuen Kriminalroman der Forstwissenschaftlerin Ursula Hahnenberg; und der unvermeidliche Reporter der Lokalzeitung erfüllt alle Klischees, die diesem Beruf anhaften, aufs Unerfreulichste: Aufdringlich, gefühl- und skrupellos, wenn es um die "Story" geht. Ansonsten ist der neu erschienene Krimi der Forstinningerin spannend erzählt und gut geschrieben. Die Handlung kriegt immer wieder einen überraschenden und raffinierten Dreh; und am Ende ist klar: Der Mörder ist nie derjenige, den man über lange Strecken des Buches dafür hält.

Wie auch im jüngsten Buch, "Teufelstritt", spielt die Geschichte im Ebersberger Forst, die Autorin hält sich an geografische Gegebenheiten, der Aussichtsturm kommt wieder vor, auch die Staatsstraße, Ebersberg bleibt Ebersberg. Den kleinen Ort Grafenried hat Hahnenberg allerdings erfunden, ebenso die Protagonisten. Bereits auf den ersten Seiten merkt der Leser, dass Hahnenberg etwas versteht von der forstlichen Arbeit und vom Wald.

Auch dieses Mal heißt die Försterin Julia Sommer und lebt mit Sohn Florian und ihrer Großmutter Martha im Forsthaus ihrer verstorbenen Eltern. Ab und an hat sie Stress mit dem Ex, Florians Vater, doch viel gibt der Nebenschauplatz nicht her, außer dass die Vergangenheit eben doch niemals ganz vergangen ist. Was auch für Oma Martha gilt, aber davon später.

Der Albtraum, in den die junge Frau gerät, beginnt in einer nebligen Nacht, in welcher sie zu einem Wildunfall in den Forst gerufen wird. Als sie dort ankommt, trifft sie auf einen Autofahrer, der steif und fest behauptet, das Reh, das da vor seiner Stoßstange liegt, sei schon mausetot gewesen. Bei näherer Untersuchung stellt sich heraus, dass das Tier tatsächlich nicht angefahren, sondern gerissen wurde. Zugleich wabert ein Gerücht durch den Landkreis, ein Wolf sei im Forst gesichtet worden. Hat er das Reh getötet? Als kurz darauf die 16-jährige Leonie vom Joggen nicht nach Hause zurückkehrt und wenig später tot mit etlichen Bissspuren aufgefunden wird, schlagen die Wogen der Empörung in Grafenried hohe Wellen. Schnell ist man sich einig: Der Wolf war's, der Wolf muss weg.

Dorfbewohner, Landratsamt, Wolfsexperten

Zwischen aufgebrachten und trauernden Dorfbewohnern, Landratsamt und eigens herbeigerufenen Wolfsexperten entspinnt sich ein heftiger Streit um das weitere Vorgehen. Auch Julia Sommer trifft eines Tages auf das Raubtier. "Ein Windhauch strich durch die Blätter der Bäume, und plötzlich stand er vor ihnen. Der Wolf. Sie konnte den Blick nicht von dem Tier abwenden. Es sah sie direkt an, und es kam ihr so vor, als blickte es tief in ihr Inneres. Der Wolf hielt den Kopf leicht gesenkt und stand ganz still, nur seine Schnauze bewegte sich kaum merkbar, er schnupperte. War er neugierig? Julia war sich sicher: Dieses Tier mit dem glänzenden graubraunen Fell und den wachen braunen Augen konnte niemandem etwas zuleide tun. Nur wie sollte sie das beweisen. . . ?

Der Leser ahnt schon, dass ihm die Autorin mit der Wolfepisode ein hübsches Ablenkungsmanöver serviert. Denn in dem Roman gibt es noch eine andere Geschichte, die kurzen Kapitel sind jeweils kursiv gedruckt, und sie handeln von dramatischen Ereignissen in Oma Marthas Jugend, von denen auch Julia Sommer bisher nichts ahnt. Was damals geschah, holt Martha nun ein, und es kommt zu einem schrecklichen Verdacht.

Eine charmante Eigenart der Autorin ist es, die Handlung ihrer Romane chronologisch zu gliedern, in diesem Fall von Donnerstag, 5. Mai, 2016, Christi Himmelfahrt, bis Mittwoch, 18. Mai. Vermerkt sind jeweils diverse Messdaten: die Zeiten von Sonnenauf- und untergang, die niedrigste und höchste Temperatur, Zustand des Erdbodens, Niederschlagsmenge, Sonnenscheindauer, Waldbrandgefahrenstufe und Namenstage. Dies alles zu wissen, ist für die Handlung zwar unerheblich, doch bilden diese Daten kleine Atem- und Lesepausen. Und sie erleichtern das Auffinden, sollte man eine Passage ein zweites Mal lesen wollen.

Fazit: "Wolfstanz" ist ein lesenswerter Krimi, spannend, aber ohne die in diesem Genre oft übliche Brutalität der Bilder und Beschreibungen.

Der Kriminalroman "Wolfstanz", 361 Seiten, ist erschienen im Mai 2017 beim Wilhelm Goldmann Verlag München, das Buch ist auch als E-Book erhältlich. ISBN: 978-3-442-48594-9

© SZ vom 17.05.2017/koei

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