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Ebersberg:Der schöne Aufnahmeschein

Landratsamt kann Alter der Flüchtlinge nicht selbst ermitteln

Auch nach Berichten über minderjährige Flüchtlinge in Erwachsenenunterkünften wird es im Landkreis keine generellen Altersbestimmungen der Bewohner geben. Dies sei angesichts der knapp 1500 Asylbewerber, die derzeit in den Unterkünften im Landkreis leben, einfach nicht zu machen, sagt Landratsamtssprecher Norbert Neugebauer. Ohnehin sei die Zahl derer, die fälschlich in einer Unterkunft für Erwachsene einquartiert wurden, obwohl sie noch keine 18 Jahre alt sind, überschaubar. In diesem Jahr habe es gerade einmal fünf, im vergangenen Jahr sogar nur zwei solche Fälle gegeben.

Einer davon ist ein 16-Jähriger, der bis vorige Woche noch in der Markt Schwabener Turnhalle untergebracht war. Nach Angaben des örtlichen Helferkreises lebte der junge Mann dort drei Monate als angeblich 18-Jähriger, bis sein richtiges Alter festgestellt wurde und er in eine WG für jugendliche Flüchtlinge umziehen konnte. Derartige Fälle seien zwar selten, sagt Neugebauer, kämen aber immer wieder vor. Verantwortlich für fehlerhafte Altersangaben sei aber nicht das Landratsamt, sondern die Erstaufnahmeeinrichtung. Dort werde das Alter der Flüchtlinge festgestellt - oder, wenn jemand keinen Pass dabei hat, werde dies wenigstens versucht. Das so ermittelte Alter wird dann in den Aufnahmeschein, das sogenannte "White Paper" eingetragen, und nach diesem Eintrag richte sich dann das später zuständige Landratsamt, so Neugebauer. Gründe für falsche Altersangaben im Aufnahmeschein könnten Verständigungsschwierigkeiten sein, vermutet Neugebauer, so scheint es auch in dem Fall in Markt Schwaben gewesen zu sein. Andere erhofften sich vielleicht Vorteile, wenn sie als Erwachsene registriert werden - was nicht der Fall ist. Denn wer unter 18 Jahre alt ist, erhält meist eher eine Duldung und muss auch nicht in einer Massenunterkunft übernachten.

Sämtliche bisher bekannten Fälle von falschen Altersangaben hätten die Betroffenen selbst, oder wie in Markt Schwaben mit Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer aufgeklärt. Anders sei dies auch nicht möglich, so Neugebauer: "Wir würden es nicht schaffen, alle zu befragen."