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Ebersberg:Absturz

Sturm Niklas zwingt "Ikarus" auf den Waldboden

Zuweilen scheint es so, als habe die Natur Sinn für Ironie: Als am letzten Märztag Orkan Niklas über Bayern hinwegfegt, stürzen im Ebersberger Forst nicht nur viele Tausend Bäume um; auch die Kunst am Skulpturenpfad im Forst leidet unter dem Unwetter. Am meisten trifft es die Plastik "Ikarus" des verstorbenen Moosacher Künstlers Otto Dressler.

An alles hatte der sagenhafte Daedalus bei der Konstruktion seines Fluggeräts damals gedacht, hatte Federn sorgsam mit Wachs zusammengefügt, hatte seinen Sohn davor gewarnt, der Sonne zu nahe zu kommen. Doch so etwas wie Niklas hatte der mythologische Held aus Griechenland wohl nicht auf dem Schirm. Und so kommt es erneut zum Absturz. Zwischen zwei Stämmen an dicken Drahtseilen aufgehängt und perfekt gesichert, kann Dresslers Ikarus der Urgewalt nicht mehr trotzen. Einen der Bäume hat eine Bö umgeworfen, nun steht nur noch ein in viele Teile zerborstener Stumpf da. Eine Flügelspitze des Fluggeräts aus Metall mit der Puppe, die gefangen in ihrem metallenen Käfig die Sünden Größenwahn und Verblendung versinnbildlicht, hat sich in den Waldboden gebohrt. Das Terrain ist abgesperrt, denn lange Zeit noch sind Passanten hier in Gefahr, windbrüchiges Holz auf den Kopf zu bekommen. Das Kunstwerk selbst bleibt immerhin unversehrt. Der Ikarus ist nicht das einzige Opfer. Auch das zwischen Buchen gespannte Bild "Der Taucher" von Ingrid Wieser-Kil hängt in den Seilen. Und von Peter Pohls "Käferpanzern" sind zum Teil nur noch Scherben übrig.