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Digitalisierung im Landkreis Ebersberg:Klick auf Klick, Stein auf Stein

Im Landkreis Ebersberg sind Bauanträge von März an auch digital möglich - mit einer Ausnahme

Im Landkreis wird bekanntlich viel gebaut, dementsprechend viele Bauanträge werden gestellt. Im vergangenen Jahr, so aktuelle Zahlen des Landesamtes für Statistik, waren es alleine für Wohngebäude 829 im Landkreis Ebersberg. Die meisten davon werden im Landratsamt bearbeitet, das als Untere Bauaufsichtsbehörde für die Genehmigung dieser Anträge zuständig ist. Künftig könnten einige davon auch digital eingehen, wie das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr nun mitteilt, wird der Landkreis einer von fünf im Freistaat, der von März an diese Möglichkeit anbietet.

Getestet wurde dies laut Ministerium bereits erfolgreich, seit Dezember läuft im Landkreis Traunstein ein entsprechender Pilotversuch. Wie sich Bauministerin Kerstin Schreyer zitieren lässt, habe man so "den Digitalen Bauantrag unter realen Bedingungen auf seine Praxistauglichkeit prüfen und Kinderkrankheiten beseitigen" können. Dass nun neben Traunstein auch die Kreise Ebersberg, Hof, Kronach und Neustadt an der Waldnaab das neue Angebot einführen nennt die Ministerin "einen ganz wichtigen Schritt hin zu mehr Bürgerfreundlichkeit beim Bauen". Sie sei zuversichtlich, dass sich neben den fünf nun beteiligten Bauaufsichtsbehörden bald weitere anschließen werden.

Der digitale Bauantrag für Bayern wurde in den vergangenen zwei Jahren in einer Zusammenarbeit der Ministerien für Wohnen, Bau und Verkehr und für Digitales sowie 15 Unteren Bauaufsichtsbehörden konzipiert und entwickelt. Die technische Umsetzung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleistungszentrum des Freistaats Bayern. Durch den Einsatz digitaler Formulare, sogenannter "Online-Assistenten", sollen Bauanträge vollständiger und die Bearbeitungszeiten reduziert werden. Je nach Angabe können weitere Eingabefelder und ganze Seiten ein- und ausgeblendet werden, es wird ausdrücklich auf einzureichende Bauvorlagen hingewiesen. Zudem können 3D-Modelle der Planer direkt eingestellt werden. Nach dem gleichen Muster, also mit digitalen Formularen, können neben Bauanträgen von März an auch weitere Anträge an die Unteren Bauaufsichtsbehörden geschickt werden. Dazu zählen etwa Abgrabungsanträge, Vorbescheidsanträge, Baubeginnsanzeigen und Beseitigungsanzeigen.

Voraussichtlich noch etwas länger wird die Einführung der digitalen Bauanträge ausgerechnet in der Landkreisgemeinde mit den meisten Neubauten dauern: In Vaterstetten, wo laut Bauamtsleiterin Brigitte Littke etwa 230 Anträge pro Jahr bearbeitet werden, gibt es die digitale Variante wohl erst im zweiten Halbjahr. Grund ist, dass Vaterstetten seine eigene Bauaufsichtsbehörde ist und somit auch über die Anträge befindet. Für deren Bearbeitung man eine andere Software nutze, als etwa das Landratsamt Ebersberg, sagt Littke. Denn eine bayernweit einheitliche Bauamts-Software gebe es bislang nicht, auch dies könnte mit der Digitalisierung der Bauanträge auf den Weg gebracht werden.

In Vaterstetten seien bereits die Aufträge für eine neue Software vergeben, die das bisherige System mit den neuen Online-Assistenten der digitalen Bauanträge verknüpfen soll. Wenn diese einmal läuft, könnte es nicht nur für die Antragsteller einfacher werden, so Littke. Denn die digitalen Formulare sollen der Bauverwaltung bereits einen Teil der Arbeit abnehmen: prüfen, ob ein Bauantrag vollständig ist, also ob etwa alle nötigen Pläne angefügt wurden. Bislang tun dies die Mitarbeiter in den Bauaufsichtsbehörden und schicken den Antrag notfalls zur Verbesserung zurück. Dies soll mit dem neuen System nicht mehr nötig sein, denn der digitale Bauantrag lässt sich nur abschicken, wenn er vollständig ist. Nur inhaltlich geprüft werden, müssen die Anträge nach wie vor die Fachleute der Bauverwaltungen.

© SZ vom 09.02.2021 / wkb
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