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Die Pandemie im Landkreis:"Sonst könnten wir ja gar nicht arbeiten"

Firmen im Kreis Ebersberg haben bereits Untersuchungskits für ihre Mitarbeiter geordert. Von nächster Woche an sind die Coronatests Pflicht. Eindrücke aus einer Druckerei, einer Kunstschmiede und einem Blumenhandel

Von Esther Lärmer, Ebersberg

Das Wattestäbchen in beiden Nasenlöchern bewegen, dann je nach Hersteller drei bis vier Tropfen einer Flüssigkeit dazugeben und das Stäbchen in den Behälter stellen. Anschließend die Lösung mit dem Nasensekret vorsichtig auf den Teststreifen träufeln, 15 Minuten warten - und fertig ist der Coronaschnelltest. Seit Montag wird in den Schulen bei der Bekämpfung der Pandemie auf diese Tests gesetzt, und auch die Unternehmen müssen spätestens von kommender Woche an die Möglichkeit bieten, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich selbst abstreichen. In vielen Firmen im Landkreis Ebersberg hat man sich dafür schon Konzepte überlegt.

Sonja Ziegltrum-Teubner erzählt, dass ihr Unternehmen bis jetzt allerdings noch keine Schnelltests erhalten habe. Sie führt die Blumenzentrale in Parsdorf und ist Sprecherin des IHK-Gremiums Ebersberg. Bisher habe man Personen zum Testen geschickt, wenn es notwendig war, zum Beispiel, weil diese im Ausland Urlaub gemacht hatten. Auch die Mitarbeiter, welche für das Ausliefern der Blumen zuständig sind, werden routinemäßig zweimal pro Woche getestet. Ebenso jene, die außerhalb von Deutschland unterwegs sind, beispielsweise in Österreich. "Sonst könnten wir ja gar nicht arbeiten", sagt Ziegltrum-Teubner. Problematisch wird es nur, wenn die Testergebnisse nicht vor Arbeitsbeginn da sind, weil dann die Fahrer solange nicht ins Auto steigen können, um die Kunden zu beliefern. Denn bis jetzt favorisiert das Unternehmen die PCR-Tests, da diese eine längere Gültigkeit haben.

Auch gab es schon Gespräche im Unternehmen, da nicht alle Mitarbeiter sich freiwillig testen lassen wollen. "Bisher ist die Bereitschaft bei den Mitarbeitern nicht so groß", gibt die Unternehmerin zu bedenken. In Zukunft möchte sie auch das Testzentrum in Parsdorf nutzen. Das Hygienekonzept werde konsequent umgesetzt, die Mitarbeiter tragen Masken und arbeiteten auch nur einzeln im Büro. Sollte es doch mal zu einem positiven Fall kommen, werde die Personalabteilung informiert und die Kontaktpersonen würden in Quarantäne geschickt, diese müssten sich dann ebenfalls testen lassen. Dieses Prozedere gilt auch bei den anderen befragten Firmen. Inzwischen hat sich eine Mitarbeiterin der Blumenzentrale für einen Online-Kurs angemeldet, damit sie von kommender Woche an ihre Kollegen und Kolleginnen abstreichen darf.

Bei der Kunstschmiede Bergmeister in Ebersberg ist bereits ein Schnelltest pro Mitarbeiter angekommen, wie Elisabeth Larasser erzählt. Die Mitarbeiter sollen diesen Test am Sonntagabend oder Montagmorgen zu Hause machen, um auszuschließen, dass sie sich übers Wochenende infiziert haben. "Die wären dann noch gar nicht arbeiten gewesen", erklärt Larasser ihr Vorgehen.

Ähnlich halten es auch andere Unternehmen, sagt Kreishandwerksmeister Johann Schwaiger: "Die Tests werden nicht zwischen Tür und Angel gemacht." Wie im Fall eines positiven Ergebnisses vorgegangen wird, dazu gibt es Vorschläge im Hygienekonzept der Handwerkskammer München und Oberbayern. Dieses können die Betriebe entweder übernehmen oder ihr eigenes entwickeln. "Daran hält sich auch jeder", sagt Johann Schwaiger. Die Abstände der Tests werden in den Firmen individuell beschlossen. Entweder ein- bis zweimal pro Woche oder noch häufiger, zum Beispiel bei Kundenkontakt.

Ein Produzent elektronischer Geräte aus dem Landkreis Ebersberg hat bereits Schnelltests bekommen, und zwar fünf für die aktuell vier anwesenden Mitarbeiter, der Rest befindet sich im Home-Office. Die Tests werden direkt im Foyer durchgeführt. Erst dann dürfen die Mitarbeiter in ihre Büros oder in die Fertigung, erklärt ein Firmensprecher. Die Angestellten werden getestet, wenn sie während der Arbeitszeit Erkältungssymptome entwickeln oder von einem Kontakt mit einem Erkrankten erfahren. Wer schon vor Arbeitsbeginn anruft und sich krank meldet, wird zum Testen geschickt und braucht eine negative Testbescheinigung. Bis jetzt sei alles auf freiwilliger Basis, es gebe "keine routinemäßige Testung", jedoch würde man das natürlich einführen, wenn dies gesetzlich vorgeschrieben wird.

Bei einer Druckerei aus dem Landkreis Ebersberg sind die Schnelltests im Betrieb noch nicht angekommen, deswegen werden die Mitarbeiter einmal in der Woche routinemäßig in der Apotheke abgestrichen, so ein Sprecher der Firma. Jedoch gibt es keine festen Tage, da die Mitarbeiter aktuell alle unterschiedlich arbeiten. Auch wird auf das Hygienekonzept gebaut: Masken tragen und einzeln im Büro arbeiten.

Josef Winkler, Geschäftsführer des Maschinenrings Ebersberg, ist gerade dabei, die Testungen für seine Mitarbeiter zu organisieren, diese sollen im Verlauf der nächsten Woche dann auch zur Verfügung stehen. Er möchte jedem Angestellten jeweils drei Selbsttests zur Verfügung stellen, die diese dann zu Hause durchführen. "Damit die gar nicht erst den Weg in die Firma antreten müssen", führt er aus. Dies sei ein sicherer Weg. Er habe sich schon selbst getestet und damit eine gute Erfahrung gemacht. "Unsere ganze Belegschaft steht da dahinter", erklärt er. Mitarbeiter könnten sich entweder freiwillig testen lassen oder wenn sie sich krank fühlen. Ansonsten werde auf Lüften und Abstand gesetzt. Auch bei einem größeren Termin mit Kunden sollen die Schnelltests zur Sicherheit zum Einsatz kommen - auch wenn dann natürlich weiter auf Hygienemaßnahmen und Abstand geachtet werde, so Winkler.

Auch im Landratsamt ist man vorbereitet auf die Pflicht, Mitarbeiter-Tests anzubieten, wie Brigitte Keller, die Leiterin des Corona-Krisenstabs berichtet. An diesem Donnerstag sollen an jede Mitarbeiterin und an jeden Mitarbeiter neun Stück ausgegeben werden. Ob die Beschäftigten die Tests zuhause oder im Büro machen, bleibt ihnen selbst überlassen.

© SZ vom 15.04.2021
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