bedeckt München 17°
vgwortpixel

Crowdfunding in Ebersberg:Wenn Handballerinnen zum Karaoke kommen

Felix Mäsel freut sich über den Erfolg der Aktion.

(Foto: Christian Endt)

Felix Mäsel und seine Teams von Forst United wollen auf kreative Weise Geld für ihr Training sammeln und Defizite durch die Corona-Krise ausgleichen

Heute schon eine Fahrt mit dem Derby-Partybus gekauft? Oder ein Forst-United-Marmeladenglas? Dass die Sportvereine im Landkreis im Moment aufgrund von Corona nicht gerade im Geld schwimmen, ist bekannt. Um dennoch ein bisschen finanzielle Unterstützung für die Handballerinnen des TSV Ebersberg zu erhalten, hat sich der Leiter der Frauensparte Felix Mäsel etwas einfallen lassen. Mit der Hilfe seines gesamten Teams startete der 30-Jährige eine Crowdfunding-Kampagne, die innerhalb von 25 Tagen 5000 Euro einbringen soll. Wie das? Durch besondere Prämien, beispielsweise für Handballerinnen-Babysitting oder hartes Einzeltraining bei einem Athletikcoach, die für unterschiedliche Preise beginnend bei zehn Euro unter www.toyota-crowd.de/forstunited erworben werden können.

SZ: Wer hatte denn die Ideen zu den verschiedenen Prämien?

Felix Mäsel: Da kam von allen ein bisschen was. Vom ganzen Team, den Spielerinnen und Trainern. Ein Jugendtrainer hat zum Beispiel vorgeschlagen, ein speziell für den Fan gefilmtes Klavierstück als Prämie zu nutzen, weil seine Tochter das Instrument spielt. Wir haben eine ganze Menge an Vorschlägen gesammelt und dann die, welche man am besten umsetzen kann, herausgepickt.

Wie lange hat die Umsetzung bis zur fertigen Kampagne gedauert?

Die Idee alleine reicht natürlich nicht. Es wurden Verträge abgeschlossen, die Zahlungsabwicklung muss gewährleistet sein - der Hauptverein ist hier als Vertreter eingesprungen -, aber auch die ganze grafische Bearbeitung ist wichtig. Die Website einzurichten, das Werbevideo mit den Spielerinnen zu drehen - das hat dann schon knapp zwei Wochen gedauert.

Für was wird das gesammelte Geld genutzt?

Gerade die Spiele der Bayernliga werden sehr gut besucht, dementsprechend fehlen uns die Einnahmen aus dem Ticketing, Catering und Hallenverkauf. Das Crowdfunding soll das Defizit von drei großen ausfallenden Heimspieltagen, unter anderem von den Jugendmannschaften ausgleichen, weil wir auch nach der Krise gerne auf dem bisherigen Niveau weitertrainieren und spielen wollen. Das Geld wird neben dem Erwachsenen- auch im Jugendbereich genutzt, im Trainingslager, für Übungsleiter-Vergütungen und Materialanschaffungen.

Warum gibt es das Crowdfunding nur für die weiblichen Mannschaften? Geht es denn Jungs finanziell besser oder waren die Mädels hier einfach schneller?

Gute Frage! Es ist so, dass wir in Ebersberg beim TSV ein unabhängiges System haben, also eine weibliche und eine männliche Sparte. Diese Unterscheidung ist sehr wichtig, da wir so unabhängig voneinander agieren können. Nach außen hin tritt Forst United zwar gemeinsam auf, aber intern wurden Konten und Management getrennt, um Benachteiligungen oder Neiddebatten bezüglich Geld zu minimieren. Das ist auch der Grund, warum die Aktion nur von der weiblichen Sparte ausgeht: Wir als Team haben das einfach intern so beschlossen. Und die Männer haben sicher auch nicht so hohe Kosten zu decken, die spielen anders als die Damen nicht auf Landesebene, sondern nur im Bezirk Oberbayern.

Was hat es mit der Prämie über einen Karaoke-Abend mit den Forst Ladies auf sich? Gibt es etwa versteckte Singtalente unter Ihren Spielerinnen?

Ja, auf jeden Fall. Wir haben sehr viele Angebote, die auf etwas abzielen, das wir auch können beziehungsweise von dem wir denken, dass wir es können (lacht). Die Verbindung zu Karaoke ist letztes Jahr im Zuge eines internationalen Turniers in Prag entstanden. Das war zwar ein Jugendturnier, aber für den Support sind einfach viele von der Damenmannschaft mitgefahren. Abends ist die Gruppe noch in eine Karaokebar gegangen, und das Singen hat allen so viel Spaß gemacht, dass wir jetzt auch eine professionelle Anlage gekauft haben. Und ich singe tatsächlich auch mit.

Das Support Forst Projekt läuft seit dem Morgen des 11. Mai. Bereits jetzt sind 80 Prozent der Wunschsumme erreicht - hätte man sich da nicht direkt ein höheres Ziel setzen können?

Der Start war wirklich phänomenal! Das hätten wir so nicht erwartet. Klar, der erste Tag ist der leichteste, das muss man dazu sagen. Einfach weil zu Beginn alle auf das Projekt aufmerksam werden. Dass wir aber schon nach so kurzer Zeit unserem Ziel so nahe gekommen sind, spricht auch für unsere Fanbase, was uns sehr freut. Sicher haben wir auch darüber nachgedacht, uns ein höheres Ziel zu setzen. Folgende Gefahr besteht allerdings: Wenn die Zielsumme nicht erreicht wird, bekommt der Verein auch nichts raus. Dann gehen nämlich die ganzen Beträge nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip wieder an die Unterstützer zurück. Außerdem wollen wir auch, dass es kleine Spenden sind - nicht, dass sich hier jeder in hohe Kosten stürzt! Stattdessen soll ein Fan sagen können: "Ja, die zehn Euro tun mir jetzt nicht weh." Und was an Spenden über den 5000 Euro liegt, dürfen wir auch behalten, das ist ja das Schöne.

© SZ vom 14.05.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite