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Ballett, Stepptanz und Hip-Hop aus Ebersberg:232 Füße in Bewegung

Dancing Feet Ballet Grafing

Viel Leidenschaft, Körperbeherrschung und schauspielerisches Talent zeigen die Eleven der Ebersberger Tanzschule "Dancing Feet".

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Große und kleine "Dancing Feet" des gleichnamigen Tanzstudios wirbeln durch die Stadthalle Grafing

Schnell nochmal das Kostüm richten - sitzt der Dutt fest, ist der Lippenstift auch nicht verschmiert? In der bis zum letzten Platz ausverkauften Stadthalle Grafing geht es zu wie in einem Bienenstock. Gefühlt halb Ebersberg hat sich unter dem Motto "Musik überall" hier eingefunden. Selbst die Bühne wurde aus der Kreisstadt importiert - zumindest in Teilen, wie "Dancing Feet"-Chefin Alexandra Fleischer-Rushing verrät: Weil der Holzboden der Stadthalle ein wenig splittert, musste der Tanzboden ihres Studios mitgenommen und aufgeklebt werden. Zumindest befinden sie sich nun auf vertrautem Terrain, die neun Stepperinnen, 34 Hip-Hopperinnen, 71 Ballerinas und ein (noch sehr junger, aber äußerst engagierter) Eleve. Der blonde Steppke in Marienkäferhose wird nicht erst beim Fast-Zusammenstoß mit einer seiner Mittänzerinnen die Herzen des Publikums im Sturm erobern - wie überhaupt die gesamte "Primary"-Gruppe, die an diesem Tag ihren ersten großen Auftritt hat.

Dabei ist den Ballettzwergen die Begeisterung ebenso anzusehen wie ihren älteren Kolleginnen, die teilweise schon seit zehn Jahren und länger dabei sind. Was mit Sicherheit auch mit der von allen heiß geliebten Tanzlehrerin Alexandra Fleischer-Rushing zusammenhängt, der es immer wieder gelingt, für alle passende Tänze und Choreografien zu finden und geduldig einzustudieren.

Einfach bezaubernd, wie graziös die Zirkuspferdchen im roten Geschirr über am Boden liegende Clowns hüpfen, die eben noch tanzend jongliert und eine menschliche Pyramide gebaut haben. Dass sie sich dabei nicht ins Gehege kommen, ist bei dieser Nummer ebenso erstaunlich wie beim Auftritt der "Noten" und "Instrumente", die ihre Sprünge und Drehungen mit großer Präzision zeigen. Selbiges gilt auch für die Sechsergruppe in lindgrünen Gewändern, die sich bei der "Sommerpolka" treffsicher Luftballons zuwirft. Die "Fahrstuhltruppe" wiederum wiegt sich erst zu lässiger Liftmusik hin und her, bevor es mit klassischen Schritten und Sprüngen weitergeht. Wer jemals versucht hat, sich völlig aufrecht zur Seite kippen zu lassen, kann ermessen, welche Körperspannung man dafür aufbringen muss. Wie viel Freude die Mädchen bei diesem Tanztheater haben, lässt sich an ihren schauspielerischen Leistungen erkennen.

Solche zeigen auch die bezopften Hip-Hopperinnen, während sie wie Flummis in die Höhe springen oder Arme und Beine in rasendem Tempo in alle Richtungen schnellen lassen. Die perfekt synchronen Bewegungen und Hüftschwünge sehen zwar oft lässig-zufällig aus, aber es ist klar, dass viel harte Arbeit dahintersteckt. Trainiert werden sie schon seit vielen Jahren von Anna Barthelmes, die selbst zusammen mit Talea Habeder in einer Performance glänzt, die das perfekte Zusammenspiel der beiden zeigt.

Doch nicht nur die Sparten Ballett und Hip-Hop gehören zum festen Repertoire. Besondere Erwähnung gebührt auch den Stepp-Damen. Martina Merker, die dieses Hobby schon seit 30 Jahren betreibt, liebt dabei vor allem das Üben der fertigen Tänze vor den Shows. Was sie weniger schätzt, sind die Schauspieleinlagen - wobei man das nicht denken würde, gibt sie in der Restaurant-Szene doch einen sehr überzeugenden Kavalier. Die dort von entzückenden Bedienungen in weinroten Röcken servierten Köstlichkeiten wie Salat, Kuchen und Brotscheiben wurden übrigens alle von Alexandra Fleischer-Rushing selbst gehäkelt. Wie sie überhaupt für fast alle Kostüme persönlich sorgt - ihr Fundus ist mittlerweile so groß, dass er "wohl nicht mehr in einen Raum passen würde".

Beim großen Finale gibt es noch einen Höhepunkt: Nicole Rushing, Tochter von Alexandra Fleischer-Rushing und professionelle Musicaldarstellerin, deren nächstes Engagement in einem japanischen Disney-Park sein wird, singt zum Gitarrenspiel von Anne Reif den "Cup Song" - begleitet von allen Beteiligten. Die Gesichter strahlen voller Stolz, jede Anstrengung ist nun vollends vergessen. Selbst der Kampf mit widerspenstigen Zöpfen und Haarknoten.

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