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Manuel Kuthan:Der ritterliche Weg

Manual Kuthan - Tassilo Vorschlag

Den Drang zur Kreativität ungehindert ausleben, ist Manuel Kuthans Lebensinhalt. Dieses Ziel verfolgt er auf mehreren künstlerischen Ebenen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Manuel Kuthan aus Piusheim ist als Zitherspieler, Bildhauer und Puppenspieler unterwegs. Er lebt für seine Kunst und ist für sie nun für den SZ-Kulturpreis Tassilo nominiert.

Von Sarah Kreuter, Baiern

Auf der Suche nach seinem Atelier irgendwo hinter Glonn, am Rande von Piusheim, helfen die Nachbarn. "Ach, der Künstler!", sagen die Anwohner mit einem feinen Lächeln und weisen den Weg zum dem Ort, an dem Manuel Kuthan - selbsternannter "multidisziplinärer Ausdrucksfetischist" - seinen Drang zur Kreativität ungehindert ausleben kann. Kuthan ist künstlerisch in zwei verschiedenen Genres beheimatet: bei Inszenierungen im Bereich Musik und Theater sowie in Illustration und Skulptur. Für sein langjähriges und vielseitiges Kunstschaffen ist er nun für den Tassilo-Preis der Süddeutschen Zeitung nominiert.

Kuthan kommt ursprünglich aus München, hat neben den bayerischen auch österreichische und böhmische Wurzeln. Er ist studierter Sozialpädagoge und hat außerdem eine Ausbildung zum Holzbildhauer absolviert. Kunst ist für ihn alles, "ich brauch sie", sagt er. Der 38-Jährige beschreibt sich selbst als "Universal-Künstler", er ist Zitherspieler, Bildhauer, Theater- und Puppenspieler.

Entscheidung, für die Kunst zu leben

Kuthans Auftreten verrät seinen Drang zur Individualität. Mit Hut und Piercing, Koteletten und langen Haaren fällt er auf, was durchaus gewollt ist. Der offene Hemdkragen gibt den Blick auf ein großes Tattoo auf der Brust frei, zwei Grillen und ein Schmetterling. Kuthan ist Nonkonformist, er beschreibt sich selbst als kritischen und komplizierten Menschen. Seine große Liebe ist die Kunst, und die Kunst bestimmt sein Leben. "Man kann das nicht steuern, dass man mal Künstler ist und mal nicht", erklärt er. Einmal in seinem Leben hat er versucht, sich der Kunst zu entziehen. Er musste sich entscheiden, zwischen ihr und seiner Familie, Frau und Kindern. "Die Situation hat mich kaputt gemacht", gesteht er leise, "und ich habe andere kaputt gemacht". Letztendlich hat er sich für die Kunst entschieden, mehr möchte er dazu nicht sagen.

Momentan ist Kuthan an verschiedenen Projekten im Bereich Klangkunst, Bildkunst, Schauspiel und Sozialarbeit beteiligt. Sein Terminplan ist vollgepackt mit Auftritten, Aufträgen, Aufgaben; seine Kollegen wissen: Manu ist immer unterwegs. Als Musikus tritt er regelmäßig in der Schrottgalerie Friedel in Glonn oder dem Wirtshaus an der Wiesmühle auf, entweder mit der Kerschbam Zithermusi, einer traditionell orientierten Volksmusikgruppe, oder mit seiner Band, den Herzklappendatschlern. Kuthans Skulpturen sind über den gesamten Landkreis und darüber hinaus zu finden, so hat er beispielsweise eine Großskulptur, den "Guten Hirten", für Schloss Zinneberg angefertigt. Zur Zeit sind einige seiner Werke im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München ausgestellt. Auch im Bereich Theater will Kuthan voll durchstarten. Von Herbst an wird er am Tegernseer Volkstheater mit dem Theaterstück "Der Musikant von Tegernsee" Premiere feiern. Zusätzlich arbeitet er als Betreuer im Schichtdienst für das Berufsbildungswerk in Kirchseeon. Dort möchte er mit den Flüchtlingen verschiedene künstlerische Projekte auf die Beine stellen.

Die Seele berühren, ohne zu provozieren

Seine Kunst, so sein Wunsch, soll ein Spiegel seiner Persönlichkeit sein. Er habe sich für den "ritterlichen Weg" der Kunst entschieden, bemerkt Kuthan. Ritterlich heißt: Er will die Seele "berühren, aber kein Provokateur sein; zum wahren Ich einer Person vordringen, echte Emotionen erzeugen, etwa jene magischen Momente in seinem Leben, die entstehen, wenn er um zwei Uhr früh in einem Wirtshaus die Zither spielt und alle heulen. Oder wenn sie lachen, das ist eigentlich egal. Wichtig ist ihm nur, dass er mit seiner Kunst einen Raum schafft, in dem es keine Worte mehr gibt, nur Gefühl. In diesen Momenten ist Manuel Kuthan glücklich.

Erfolg, so sagt er, könne man nicht in Zahlen, Auszeichnungen oder an der Höhe des Einkommens messen. Über einen Tassilo-Preis der SZ würde er sich trotzdem freuen. Schließlich muss ein Künstler auch irgendwie leben - selbst wenn er versucht, gegen den Strom der Zeit zu schwimmen.

© SZ vom 07.05.2016/moje
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