bedeckt München 15°

Ausdrucksstarke Motive:Affenliebe und Bärenlust

Fotoclub Vaterstetten zeigt bis Mitte Februar im Artenschutzzentrum des Tierparks Hellabrunn beeindruckende Porträts kleiner und großer Zootiere.

VaterstettenSonja ist verliebt. Es ist zwar nicht ungewöhnlich, dass sich das Fotomodell in den Fotografen verguckt, aber in diesem Fall handelt es sich wohl um echte Affenliebe . . . Wie immer man den Gesichtsausdruck der Gorilladame Sonja deuten mag: Lambert Heil, Zoopädagoge im Tierpark Hellabrunn und Fotograf, weiß schon lange um die Zuneigung der Primatin. "Immer wenn ich das Gehege besuche, dann kommt sie an die Scheibe, nimmt aufreizende Posen ein, so als wäre ich ein Gorillamann", erklärt Heil. Der finde das Ganze allerdings gar nicht komisch, berichtet Heil. Er fletsche die Zähne, strafe ihn mit Verachtung oder zeige dem "Nebenbuhler" auch noch auf andere Art unmissverständlich, wer die älteren Rechte habe an der Lady. Lambert Heil, der seit 25 Jahren Safaris in Afrika veranstaltet, ist immer wieder verblüfft, wie gut Affe und Mensch miteinander kommunizieren. "Sie weiß eben, dass ich ein Mann bin, und sie weiß auch, dass sie eine Frau ist."

Lambert Heil ist Mitglied des Foto-clubs Vaterstetten, der bis Mitte Februar im Artenschutzzentrum von Hellabrunn Tierporträts ausstellt. Die Bilder unterscheiden sich wohltuend von jenen Darstellungen, auf denen nicht das Tier im Mittelpunkt steht, sondern der Mensch mit seinem Drang, alles was kreucht und fleucht zu verniedlichen. Ein ganzes Jahr lang haben die Vaterstettener Tiere beobachtet und zu jeder Jahreszeit porträtiert. Heil hatte die Idee, eine Ausstellung daraus zu machen. Die Fotografen erhielten Jahreskarten, konnten ins Gelände, so oft sie wollten. "Durch Heils Hilfe hatten wir die Möglichkeit, an manche Tiere etwas näher heranzukommen, als ein normaler Besucher, zum Beispiel an das Giraffenkind", sagt Holger Oesterling, Leiter des Fotoclubs. "Wir haben uns auf die Tiere eingelassen, ihr Verhalten studiert, ihre täglichen Wege beobachtet", sagt Oesterling, dessen Lieblingsplatz die Vogel-Volière ist. "Wir haben aber Wert darauf gelegt, keine typischen Zoobilder zu machen, wenn möglich, haben wir Gebäude und Zäune weggelassen."

Entstanden sind intensive Studien und beeindruckende Nahaufnahmen, in denen Zuneigung und Respekt zum Ausdruck kommen. Da Tiere keine Fotomodelle sind, die auf Kommando posieren, brauchte es viel Zeit, Geduld und gute Objektive, um aussagestarke Motive zu entdecken. Ob Waldkauz, Elefant oder Alligator, ob heimischer Alpen-Steinbock oder exotischer Mandrill: Die ungekünstelten Fotos berühren den Betrachter, denn sie erzählen vom Erfindungsreichtum der Natur und vom faszinierenden Verhaltensrepertoire der Tiere. So zum Beispiel das mit "Poser" bezeichnete Porträt eines Steinadlers, dessen Augen vor Jagdfieber glühen, die Federn vor Erregung gesträubt. Bernhard Leutner hat das Foto geschossen. Auch auf optische Reize, die Gefährlichkeit signalisieren, Partner anlocken oder der Tarnung dienen sollen, haben sich die Fotografen konzentriert - auf die lange rote Schnauze und die blau gefärbten Backenfurchen des Mandrill-Männchens (Ulrich Steger), auf den Schuppenleib der Grünen Baumpython und das bunte Federkleid der Mandarin-Ente, die in einem von Spiegelungen gezeichneten Teich schwimmt (Holger Oesterling).

Die Fotografen haben auch intensiven Augenkontakt nicht gescheut. Nicole Trögers Luchs-Porträt ("Ich sehe dich") scheint den Ruf des Raubtiers als besonders weit- und klarsichtiger Jäger zu bestätigen. Im Mittelalter sagte man ihm magische Sehkraft nach. Ebenso scharf wie die Augen soll auch das Hörvermögen des Raubtiers sein. So glaubte man in der Antike, dass der Luchs Musik liebe, besonders habe er die gesungenen Verse des Vergil gemocht. Heute könnte man es ja mal mit Robbie Williams probieren.

Holger Oesterlings Begegnung mit der sanftäugigen Nyala-Antilope und das dunkle Auge eines Krokodils beflügeln wiederum die Phantasie. Wittert das scheue Wild Gefahr? Hat die große Echse den Betrachter im Visier? Oder döst sie nur? Dass der Wolf im Schnee anmutig die Vorderpfoten kreuzt, so als tanze er Ballett, macht den von vielen gefürchteten Lupus zum Sympathieträger. Die Wölfe, so berichtet Oesterling, seien nicht immer einfach zu fotografieren. Denn entweder zögen sie sich zurück und ruhten unsichtbar im Schatten der Bäume, oder sie seien andauernd in Bewegung. "Geduld sollte man also mitbringen", sagt Oesterling.

Das gilt für alle Tiere, die bei diesem Projekt Modell gestanden, gelegen oder gesessen sind. Manche in majestätischer Gelassenheit wie der mit fast 18 Jahren hochbetagte und pflegebedürftige Sibirische Tiger Nurejew, andere beim Mittagsschlaf, im Wasser paddelnd, beim Spielen und Sonnen. Lambert Heils Lieblingstier, der Wildhund, konnte auf den Fotos nicht verewigt werden. Dafür hat er einen tollen Schnappschuss im Eisbärengehege hinbekommen. "Es war ein Tag, an dem viel passiert ist", erinnert er sich. "Es war heiß, die Bären haben gespielt und sind immer wieder ins Wasser gesprungen." Als die Bärin wieder einmal abtauchte, drückte er auf den Auslöser. Auf dem Foto sieht man zwei große graue Sohlen und Zehenballen, pelzige Waden und weiße Gischt - von Liebe diesmal keine Spur, dafür aber eine Impression wie aus dem arktischen Sommer.

Die Ausstellung des Fotoclubs Vaterstetten ist bis 17. Februar zu den Öffnungszeiten des Tierparks Hellabrunn im Artenschutzzentrum zu sehen. Im April fahren Lambert Heil und der Fotoclub nach Rumänien, um Bären und Wölfe zu fotografieren.