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Aus Altersgründen:Ebersberg statt Berlin

Der Emmeringer Benedikt Mayer zieht sich aus Grünen-Bundesvorstand zurück

Er war fast 50, als ihn die bayerischen Grünen zum Schatzmeister wählten. Als solcher sanierte Benedikt Mayer aus Emmering die Finanzen des Verbands und empfahl sich so für höhere Aufgaben. Prompt wurde er im Herbst 2011 Kassier des Grünen-Bundesverbands. Seither pendelte Mayer zwischen dem Landkreis und Berlin. Obwohl stets wiedergewählt mit exzellenten Ergebnissen, ist diese politische Karriere am Freitagabend zu Ende gegangen: Beim Grünen-Bundesparteitag in Leipzig ist Mayer nicht wieder angetreten.

"Natürlich ist es ein bisschen schade, ausgerechnet dann aufzuhören, wenn es für die Partei richtig gut läuft", sagte der gelernte Steuerfachmann am Samstag zur SZ Ebersberg. "Aber ich bin nicht davon überzeugt, dass es gut ist, wenn Männer über 65 Jahren noch Politik machen." Am Sonntag feierte der Vater dreier Kinder ebendiesen Geburtstag. "Deshalb war es jetzt an der Zeit, das Amt in jüngere Hände zu geben." Der Austritt aus dem Bundesvorstand - eine Ebene, die Mayer im Landkreis zuletzt bestenfalls mit Angelika Niebler als stellvertretende CSU-Pateivorsitzende teilte - bedeute aber ausdrücklich keinen Rückzug aus der Politik. "Ich bin ja nach wie vor Ebersberger Kreisrat. Man wird mich wahrscheinlich im Landkreis jetzt häufiger sehen als in den vergangenen Jahren." Das gilt auch parteipolitisch: Für den Grünen-Landesverband werde er künftig Schulungen im Finanzbereich übernehmen.

Bei den Kreis-Grünen nimmt man die Rückkehr in den Süden freilich dankbar zur Kenntnis, denn Mayer, dem ein gewisses Talent zum Kabarettistischen nachgesagt wird, gehört neben Waltraud Gruber zu den profiliertesten grünen Kreispolitikern. Er gilt als scharfzüngig, aber stets fair. Wenn er sich mit einem Thema nicht auskennt, gibt er auch keine schlauen Sprüche dazu ab. Als Mayer im Jahr 2010 in Aßling als rot-grüner Bürgermeisterkandidat antrat, wurde er sogar vom damaligen Münchner Oberbürgermeister Christian Ude unterstützt. Das hatte auch einen familiären Grund: Ude war Mayers Vater eng verbunden, dem Umweltaktivisten und Autor Carl Amery - ein Anagramm seines bürgerlichen Namens Christian Anton Mayer. Dem Sohn, der 1953 in den USA zur Welt kam und wegen seiner amerikanischen Mutter in Giesing zweisprachig aufwuchs, wurde die Politik quasi in die Wiege gelegt: Amery war nicht nur viele Jahre Präsident des deutschen Pen-Zentrums, sondern nach seinem Austritt aus der SPD auch Gründungsmitglied der Grünen.

© SZ vom 12.11.2018 / thri
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