bedeckt München
vgwortpixel

Angeregte Diskussion im Klosterbauhof:Ideensammlung fürs Wahlprogramm

Die Ebersberger nutzen die Chance, ihre Wünsche an Uli Proske, der für die SPD ins Rathaus will, heranzutragen.

(Foto: Christian Endt)

Die SPD und Bürgermeisterkandidat Uli Proske laden die Ebersberger ein, ihre Anliegen und Wünsche vorzutragen

Am Ende beschrieb Uli Proske in einem Satz, was das Schöne und auch das Schwierige an der Kommunalpolitik ist: "Alles hängt immer mit allem zusammen." Das wurde auch klar bei der Diskussion im Bürgersaal "Unterm First", zu dem der Ebersberger SPD-Bürgermeisterkandidat am Mittwochabend gemeinsam mit dem Orts- und dem Kreisverband geladen hatte. Ob es nun um die Entwicklung des Gewerbegebiets ging, den Wohnungsbau, die Schulen, die Sportstätten - kaum ein Thema ließ sich betrachten, ohne das andere mitzudiskutieren. Doch besonders oft thematisierten die etwa 70 Bürgerinnen und Bürger, wie Ebersberg auch für Fußgänger und Radler attraktiver werden könnte. Auch ein funktionierendes Bussystem steht ganz oben auf der Wunschliste der Ebersberger, jedenfalls derjenigen, die die Chance nutzten, ihre Anliegen an Uli Proske heranzutragen.

Denn darum ging es vor allem; Albert Hingerl, SPD-Fraktionschef im Kreistag und Poinger Bürgermeister, beschrieb das Konzept der "Red mit"-Veranstaltungen, die auch in anderen Orten im Landkreis stattfinden: "Der Grundgedanke ist, dass wir aufhören zu reden", sagte er - mit "wir" waren in diesem Fall die Politiker gemeint. Denn die Bürgerinnen und Bürger sollten durchaus reden, Vorschläge und Kritik sollen dann in das Wahlprogramm einfließen. So ganz beschränkten sich Uli Proske und seine Mitgastgeberin, die stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Doris Rauscher, aber dann doch nicht darauf, nur das Mikrofon herumzureichen und ansonsten zu schweigen - das wäre wohl auch nicht im Sinne derjenigen gewesen, die sicher auch herausfinden wollten, wie der Bürgermeisterkandidat bei bestimmten Themen tickt.

Die Sorgen und Nöte derjenigen, die sich trauen, in Ebersberg Rad zu fahren, konnte Proske jedenfalls gut nachvollziehen, auch wenn er elektrisch unterstützt unterwegs sei, wie er bekannte. Zu enge Straßen, zu viel Schwerverkehr, zu schwierige Verkehrsführung, das alles sprachen die Besucher im Bürgersaal an. "Davon kann ich auch ein Lied singen", sagte Proske. Oft bleibe nichts anderes, als auf den Gehweg auszuweichen, auch wenn das verboten sei.

Nicht nur Radler, auch Fußgänger haben's schwer in der Kreisstadt, umso mehr, wenn man vielleicht älter ist und eine Gehbehinderung hat: Das sprachen mehrere Besucher an. "Eine Katastrophe" sei es, wenn man auf der Ignaz-Perner-Straße Richtung Reischlhof unterwegs sei, merkte etwa einer an, "entweder man wird genötigt oder man wird gedrängt". Auch das vielerorts verlegte Kopfsteinpflaster könne für Senioren eine Herausforderung werden, merkte ein anderer an.

Doch auch ganz grundsätzliche Überlegungen wurden angestellt: Wo soll es hingehen mit dem Verkehr in Ebersberg? Oder überhaupt mit Ebersberg? Diese Frage stellte ein Diskussionsteilnehmer in den Raum, der auf das neue Wohngebiet Friedenseiche VIII hinwies. Ebersberg wachse immer weiter nach Westen, der echte Stadtkern rücke relativ zur Bebauung weiter an den Rand. Und die Entfernungen würden immer größer, gerade ältere Bewohner seien dann nicht mehr in der Lage, zu Fuß ins Zentrum zu laufen, einen Bus gebe es aber nicht. Auch andere Besucher hakten hier ein, viele wünschten sich einen Bus, der die Wohngebiete anfährt oder mit dem man auch mehrmals am Tag zum Waldsportpark käme.

Doch es gibt nicht nur keinen Stadtbus, auch bei der S-Bahn hakt es, wie jeder Ebersberger weiß und wie es eine Neubürgerin am Mittwochabend wieder einmal prägnant beschrieb: "Wer auf das Auto verzichtet, muss es fast jeden zweiten Tag bereuen."

Proske und Rauscher räumten ein, dass hier etwas passieren muss. Man müsse ein Konzept zum Busverkehr in Ebersberg beauftragen, sagte Proske, und nicht mit der Prämisse an das Thema herangehen, dass so etwas ohnehin nicht finanzierbar sei. Möglicherweise, sagte Rauscher, könne man hier ein ganz neues Förderprogramm in Anspruch nehmen.

Breiteren Raum nahm auch die Frage ein, was mit dem alten Gebäude der Kreissparkasse passieren soll, das der Kreis als Dependance für das Landratsamt gekauft hat, bei dem die möglichen Sanierungs- oder Umbaukosten nun um das Vielfache die ursprünglichen Kostenschätzungen übersteigen. Als "Desaster" oder "Kabarett" beschrieben die Besucher die Entwicklungen, Proske, der sich inzwischen auch als Kreisrat mit dem Thema befasst, nannte die Situation "ein Riesen-Riesen-Dilemma". Er selbst habe sich noch keine Meinung gebildet, wie der Kreis weiter mit dem Gebäude umgehen sollte, räumte er ein. Auch noch viele andere Themen wurden angerissen - von der Kreisklinik bis zur Windkraft. Zu letzterer sagte Proske, man müsse prüfen, wo es genug Wind für eine sinnvolle Nutzung gebe. Auch die Photovoltaik müsse man ausbauen - und hier werde man auf Dauer wohl nicht darum herum kommen, auch auf Dächern denkmalgeschützer Gebäude wie dem Klosterbauhof Anlagen zu bauen.