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Aktion in Ebersberg:Im Zeichen der Farbe Orange

Orange illuminierter Aussichtsturm.

Wie 2019 soll auch dieses Jahr der Aussichtsturm wieder im orangefarbenen Licht erscheinen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Am Internationalen Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen sollen in der Kreisstadt Ebersberg drei Gebäude leuchten

Von Luisa Terkowsky, Ebersberg

In der Farbe Orange, als Symbol der Gewaltfreiheit, sollen am 25. November 2020, dem Internationalen Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen, auch in der Kreisstadt Ebersberg Gebäude erleuchten. Im Rahmen der weltweiten Aktion "Orange the World" ist am Mittwoch von 16.30 Uhr an das Ebersberger Rathaus, die Kirche und der Aussichtsturm geplant, verkündet Angela Rupp, die den Frauennotruf Ebersberg geschäftsführend leitet, in einem Gespräch. Natürlich hoffe man darauf, für die Idee weiterer öffentlicher Gebäude zu gewinnen sowie auf "gutes Wetter ohne Nebel", sagen auch Birgit Dimotsios vom Frauennotruf Ebersberg, damit die Gebäude nah und fern gut zu sehen sind. Die Farbe Orange steht hierbei als Kennfarbe der Bewegung zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen und für eine gewaltfreie Zukunft.

Während der Corona-Krise ist ein deutlicher Anstieg der Beratungsgespräche des Frauennotrufs zu beobachten gewesen. Nach einem Absinken zur ersten Lockdown-Phase im April sei im Sommer und vor allem derzeit die Nachfrage steigend, meint Dimotsios. Ebenfalls die Krisenwohnung, die der Frauennotruf übergangsweise anbietet, sei dauerbelegt gewesen. Deswegen habe der Frauennotruf dieses Jahr auch mehr finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten und war neben Stellenaufstockungen fähig dazu, seine Möglichkeiten auszubauen, erzählt Rupp. Bereits in den vergangenen Jahren kam es generell zu mehr Anfragen, die Pandemie schaffe nun neue Herausforderungen für viele Frauen.

Darunter fällt das Homeschooling der Kinder, welches Milena Wolff, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, als Beispiel nennt. Dazu lasse sich in vielen Familien eine Rückkehr zur traditionellen Rollenverteilung erkennen. Meistens verkürzt die Mutter ihre Arbeitszeit, um auf die Kinder aufzupassen. All diese Komplikationen führen zu neuen Spannungen, welche sich nun im Verlaufe des Jahres zugespitzt haben und nicht selten eskaliert sind. Im Moment, so Rupp, ergibt sich durch die vermehrte Nachfrage, dass teils zwei Termine parallel im gleichen Beratungsraum stattfinden müssen.

Es sind also ernste Zeiten beim Thema Gewalt gegen Frauen. "Betroffene gibt es quer durch alle Altersschichten", sagt Dimotsios. Darüber hinaus gibt es die unterschiedlichsten Formen. Gewalt kann in psychischer sowie physischer Form auftreten, im realen Leben oder digital, im eigenen Haus sowie auf der Straße. Diese Liste lasse sich lange weiterführen. "Vor allem die digitale Gewalt nimmt zu", sagt Rupp. Unter den Überbegriff fallen beispielsweise Hassreden sowie Diffamierung im Netz. "Im Internet ist es schwer, der Gewaltausübenden habhaft zu werden", erklärt die Geschäftsführerin des Frauennotrufs. Viele gehen dabei straffrei aus.

"Gewalt ist in jedem Fall ein System aus Macht und Kontrolle", erklärt Dimotsios. Eine weitere häufige Form der Gewalt sei im häuslichen Rahmen innerhalb einer Beziehung. Auch Kinder seien oft involviert. Hierbei lässt sich beobachten, dass die Gewaltdynamik auch nach einer Trennung nicht verschwindet, sondern über die Kinder weiter ausgetragen wird, so Rupp. Das Gewaltsystem bleibe zudem in vielen Fällen nicht in diesem geschlossenen Kreis, sondern kann noch über Generationen weiter ausgetragen werden.

Aus diesen Gründen möchte der Ebersberger Frauennotruf nun vor allem mit der Prävention im Kindergarten beginnen. "Hier gilt es, die Kinder zu stabilisieren und einen Gegenpol zur Gewalt zu bilden", sagt Rupp. "Oft haben Kinder in so einer Situation ihren ganz eigenen Sprechbedarf", meint Dimotsios. Um die Kinder zu schützen, wird darauf von den Eltern allerdings oft nicht eingegangen. Dennoch sei es sehr wichtig, den Kindern zu vermitteln, dass die im Elternhaus herrschende Gewalt nichts mit ihnen zu tun hat.

Neben dem Fokus auf die Kinder möchte der Frauennotruf des Landkreises nun auch bei der Quelle der Gewalt, dem Täter, ansetzen. Für diese sogenannte Täterarbeit ist in Ebersberg bereits ein Modell vorgestellt worden. Bis das Projekt beginnt, dauert es allerdings noch etwas.

Ein großes Thema im Landkreis Ebersberg ist weiterhin das Frauenhaus. Derzeit teilt sich der Landkreis Ebersberg ein Frauenhaus mit Erding, wodurch allerdings ein Platzmangel an Frauenhausplätzen herrsche. Rupp sagt, sie vermisse deswegen den Rechtsanspruch auf einen Frauenhausplatz. Von März 2022 an soll Ebersberg nun ein landkreiseigenes Frauenhaus bekommen, wobei man laut Angaben von der Gleichstellungsbeauftragten Milena Wolff noch auf Immobiliensuche sei.

© SZ vom 23.11.2020
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