Adventskalender für gute Werke Mit Tannen unerfahren

Bildhauer Christian Heß braucht für den Baumzauber Strom

Von Carolin Fries

Mit Tannenschmuck kennt sich Christian Heß nicht sonderlich gut aus. Bei ihm daheim im Wohnzimmer steht an Heiligabend stets eine Fichte. Eine selbst geschlagene aus dem eigenen Wald, wie er betont. Ein schöner Baum sei das immer, denn in der Filzen wüchsen die Bäume recht langsam heran und hätten deshalb - anders als gewöhnliche Fichten - eine überraschende Astdichte und auch "schöne dicke Nadeln". So eine Fichte also wird der Holzbildhauer aus Ullerting am Simssee sich kurz vor Weihnachten ins Haus holen, weil Weihnachten findet der 40-Jährige "immer toll".

Das Weihnachtszimmer bleibt im Hause Heß schließlich bis zur Bescherung geschlossen, den Baum schmückt das Christkind. Dieses kann aus einem großen Fundus schöpfen. Glaskugeln, rote Kugeln, einzelne Zinnfiguren, geschnitzte Engel aus dem Erzgebirge und echte Kerzen, bienenwachsfarben. "Das war bei mir daheim schon so", sagt Christian Heß, der inzwischen selbst eine Familie hat. Zwei Töchter, vier Jahre und drei Monate alt.

So klar umrissen seine Vorstellung vom Weihnachtsfest in den eigenen vier Wänden ist, so vielfältig sind seine Ideen zu dem SZ-Auktionsbaum, den er am Donnerstag, 19. Dezember, im Alten Kino gestalten wird. Als Benefizaktion für den "Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung e. V." können die Leser insgesamt fünf Künstlerbäume ersteigern, darunter die Arbeit von Heß. Der Transport nach Hause ist gesichert.

Aktuell arbeitet der gebürtige Nürnberger, der in München an der Akademie der Bildenden Künste studiert hat, an einem Projekt für eine Kindertagesstätte in München. "Ich mache einen Regenbogen-Regenwurm aus Beton", erzählt Hess. Aus 200 Einzelteilen wird der Betonwurm bestehen, der sich in das Haus und die Treppe hinauf schlängelt. Gut möglich also, dass in seinem Baum kleinste Betonwürmchen herumkrabbeln. "Da fällt mir etwas ein", sagt er plötzlich unvermittelt, und erkundigt sich, ob es denn auf der Bühne im Alten Kino Strom gibt. Glühwürmchen? Man darf gespannt sein . . .

Ebersberg ist für Heß übrigens kein fremdes Pflaster. In der Alten Brennerei hat er schon mehrfach ausgestellt und an beiden Skulpturenpfaden in der Kreisstadt mitgewirkt. Für den aktuellen Pfad, der vom Forsthaus Hubertus aus etwa zwei Kilometer mitten hinein in den Ebersberger Forst führt, hat er in aufwendiger Gusstechnik produzierte, Laubblattprofile bergende bunte Ringe geschaffen, ein Spielzeug der Waldkobolde. Dem Ebersberger Kunstverein, wo er bereits zum Kunstpreisträger ernannt wurde, fühlt er sich ebenfalls verbunden.

SZ-Baumzauber, Donnerstag, 19. Dezember, 19 Uhr (Einlass 18.30 Uhr), Altes Kino Ebersberg. Der Eintritt ist frei.