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Dokumentarfilm:Schatzkammern des gedruckten Wortes

"The Booksellers" ist eine sinnliche Hommage an die Druckkunst und eine Reise zu New Yorker Büchernerds.

Von Anke Sterneborg

Hände, die über einen geprägten Ledereinband streichen, die sanft über bedrucktes Pergament oder an goldgefärbten Seitenrändern entlanggleiten. Menschen, die von antiquarischen Büchern schwärmen, die davon erzählen, wie sie zu Hütern der Buchkultur wurden. Gigantische Messehallen mit sterilen Verkaufskabinen und erlesenen Bänden unter Glas, vor allem aber enge, vom Boden bis zur Decke gefüllte Bücherkammern: The Booksellers ist eine sinnliche Hommage an die Druckkunst und eine Reise zu New Yorker Nerds und Bücherwürmern, die ihr Leben als Sammler, Verkäufer und Schatzmeister dem Buch verschrieben haben, von denen jeder auf etwas anderes spezialisiert ist: "Interessante Sammlungen entstehen, wenn Menschen etwas sehen, das andere nicht sehen." Das können Erstausgaben moderner Autoren sein, aber auch Fanzines über Hip-Hop, oder Geschichten von Frauen, die nicht nur unter den Autoren in der Minderzahl sind, sondern auch unter den Antiquaren, die bis heute immer noch dem Klischeebild des alten, weißen Mannes in gediegenem Tweed entspricht.

368 Buchläden gab es in den Fünfzigerjahren in New York, heute sind es noch 79. Dass man ein seltenes Buch nicht mehr in Antiquariaten aufspüren muss, weil es oft nur einen Mausklick entfernt ist, vereinfacht das Sammeln, nimmt ihm aber auch den Zauber. Mit Ausschnitten aus Filmen und Serien, die von der besonderen Liebe zum Buch angetrieben werden, mit Streifzügen durch die Schatzkammern des gedruckten Wortes, mit vielen Erzählungen der Hüter des Gedruckten kompiliert D.W. Young eine jazzig getupfte Bestandsaufnahme, in der man sich wohlig verlieren kann, wie in diesen Wunderkammern des Buches.

The Booksellers, Regie: D.W. Young

© SZ vom 28.10.2020
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