Displaced-Persons-Lager Föhrenwald:Vom Abriss bedroht

Greif gründete 2007 mit vier Bekannten den Arbeitskreis Föhrenwald. Am Eingang zur Siedlung haben sie eine Informationstafel aufgestellt, immer wieder organisieren sie Veranstaltungen über die Geschichte des Ortes, die meist sehr gut besucht sind. Nun soll bald ein historischer Pfad durch Waldram führen, den eine von Greifs Schülerinnen in ihrer Facharbeit entwickelt hat.

2009 hat der Arbeitskreis Föhrenwald ein Treffen für ehemalige Bewohner des DP-Lagers auf die Beine gestellt. Aus der ganzen Welt sind sie angereist, um noch einmal ihre Wohnungen zu betreten und den heutigen Bewohnern von ihrer Geschichte zu erzählen. Auch Beno Salamander kam. "Die Leute von damals wiederzusehen - das ist ein Gefühl zwischen Klassen- und Veteranentreffen", sagt er und lacht. In der Ausstellung im Jüdischen Museum sind Video-Ausschnitte von dem Besuch in Waldram zu sehen. Die ehemaligen DPs scherzen, unterhalten sich mit den Waldramern, manchmal wirken beide Seiten auch ein wenig verunsichert.

Beno Salamander, Eva Greif und die Kuratorinnen des jüdischen Museum haben Versatzteile zusammengetragen - die ganz unterschiedlich sind und gemeinsam endlich die Geschichte eines Ortes greifbar machen. Beno Salamander sitzt in seiner Praxis am Odeonsplatz, Mittagspause, den weißen Arztkittel hat er nicht abgelegt. "Wir Kinder mussten damals unsere Identität finden", sagt er. "Wir wussten, wir müssen uns im Leben bewähren. Auf Erbe oder gar Heimat konnten wir nicht bauen."

Reden über die Geschichte des Ortes

Föhrenwald ist der Ort, an dem Salamander trotz der belastenden Umstände eine recht unbeschwerte Kindheit erlebte. Zu einer Heimat ist ihm die Siedlung nicht geworden. Deswegen findet er zwar gut, dass das Jüdische Museum sich des Themas annimmt - da "man so wenig weiß über die damalige Zeit". Doch er sagt auch: "Ich fühle mich nicht als Heimatvertriebener aus Föhrenwald. Wie die Waldramer es in Erinnerung halten, ist ihre Sache."

Eva Greif und ihre Freundin Sissy Mayrhofer aus dem Arbeitskreis bleiben auf dem Kolpingplatz stehen, dem Hauptplatz, den Beno Salamander in seinen Erinnerungen genau beschrieben hat. Die Fensterläden des langen Gebäudes des ehemaligen Badehauses sind zugezogen, die Bausubstanz bröckelt ein wenig. Doch es steht. Noch.

Es gibt konkrete Pläne, es abzureißen und stattdessen einen Neubaukomplex zu errichten. Greif hofft, dass es nicht so weit kommt. Der Platz sei identifikationsstiftend für die Siedlung und geschichtsträchtig. Ein Teil der Seele Waldrams würde verloren gehen. Der Arbeitskreis Föhrenwald will das Gebäude stattdessen in ein Dokumentationszentrum umwandeln, am liebsten mit einem Café darin, in dem sich die Bewohner treffen und austauschen können - auch über die Geschichte ihrer Siedlung. Greif hat viel Unterstützung aus der Bevölkerung und von Politikern bekommen. Für diese Woche ist nun ein Treffen wegen des Neubaus geplant mit dem Bürgermeister. Es geht um die Zukunft Waldrams - und damit auch um die Vergangenheit.

© Süddeutsche.de
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