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Deutsches Theater München:Altes Haus ganz jung

Catering, Tanzfläche, Toiletten: Das frisch sanierte Deutsche Theater zeigt nicht nur Musicals, sondern veranstaltet auch zahlreiche Faschingsbälle. Doch wie gut funktioniert Münchens größtes Ballhaus nach der Renovierung wirklich? Ein Rundgang.

Von Otto Fritscher und Franz Kotteder

8 Bilder

Deutsches Theater in München nach Sanierung wiedereröffnet, 2014

Quelle: Robert Haas

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Kinderkrankheiten nach der Sanierung? Da können die beiden Geschäftsführer nur lachen. Das Deutsche Theater funktioniert bislang auch in der Ballsaison. Ein Rundgang durch das renovierte Ballhaus.

Natürlich wäre es schon eine Überraschung, wenn Carmen Bayer und Werner Steer sich jetzt in ihr Theaterzelt neben der Fröttmaninger Fußballarena zurückträumen würden. Die beiden Geschäftsführer des Deutschen Theaters sind ja nach fünf qualvoll langen Jahren nun endlich wieder ins Stammhaus an der Schwanthalerstraße zurückgekommen und stecken gerade mitten in der ersten Ballsaison im neuen, rundum sanierten Haus. "Das hier ist eine ganz andere Liga", freut sich Steer, "überhaupt kein Vergleich mit Fröttmaning!"

Na also. Das Deutsche Theater ist wieder zu Hause angekommen, auch was den Fasching angeht. Praktisch alle Bälle sind ausverkauft, sagt Carmen Bayer und Werner Steer ergänzt: "Man hat richtig gemerkt, dass sich die Leute freuen, wieder hier in der Stadt zu sein." Seit zwei Wochen läuft die Ballsaison wieder an der Schwanthalerstraße, am vergangenen Freitag hatte das Deutsche Theater sogar eine Eigenveranstaltung, den "Oide Wiesn Bürgerball", den das Haus gemeinsam mit dem Festring e.V. veranstaltet, der sonst unter anderem auch den Trachtenumzug zur Wiesn organisiert. Der Saal ist voll mit Münchnern, die sich brav an das Motto: "Von der Lederhose bis zur Bürgertracht" gehalten haben. Auch CSU-Oberbürgermeisterkandidat Josef Schmid, schließlich ist er Mitglied des Trachtenvereins "Alpenrösl Allach". Und dann wollte er das Feld seinem Gegenkandidaten Dieter Reiter von der SPD wohl nicht kampflos überlassen. Dabei ist Reiter in seiner Funktion als Wirtschaftsreferent und offizieller Wiesn-Chef auch Schirmherr des Abends. Auch er unterhält sich prächtig, scheint aber in der Welt der Tracht nicht ganz so verankert zu sein wie Schmid.

Horst Seehofer erhält Karl-Valentin-Orden, 2014

Quelle: Stephan Rumpf

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Hat das neue, alte Haus noch Kinderkrankheiten? Da müssen Bayer und Steer lange nachdenken. "Manche tun sich ein bisserl hart mit den Türklinken", sagt Steer dann. Die sind nämlich ungewohnt niedrig angebracht, das ist der Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer geschuldet, ebenso wie niedrige Waschbecken und Handtrockner. Aber sonst? Manche langjährige Ballbesucher vermissen den früheren Weißwurstkeller. Den gibt es nicht mehr, dort ist jetzt die aufwendige Technikzentrale des Hauses mit Lüftungsanlage untergebracht.

Bevor das Haus in Betrieb genommen wurde, gab es drei Testläufe mit jeweils rund 250 Gästen im Publikum. Nur einmal ging dabei etwas schief. Da spielte Georg Kleesattel, der Pressesprecher des Hauses, mit seiner Feierabendband auf der Bühne, als plötzlich der Eiserne Vorhang nach unten fuhr und den Sänger Kleesattel vom Rest seiner Combo separierte. Dergleichen ist seither nicht mehr passiert, die Technik hat sich gewissermaßen eingespielt.

Auch das hochmoderne Garderobensystem funktioniert reibungslos. Wenn man sein Kleidungsstück bei den Garderobieren abgibt, erhält man nämlich einen Zettel mit einem Barcode. Holt man seine Utensilien wieder ab, wird der gescannt, und Mantel oder Tasche wird vollautomatisch angeliefert. Ein Ausfall wäre bei 12500 Faschingsgästen zwar fatal, aber die Anlage funktioniert bislang reibungslos. Auch wenn ein Gast seinen Zettel mit dem Barcode verloren hat, weiß man sich zu helfen: "Dann nehmen wir den Gast halt mit in die Kleiderkammer", sagt Steer, "da ist es zwar sehr eng, aber sie ist begehbar."

Im Bild: Horst Seehofer erhält den Karl-Valentin-Orden der Faschingsgesellschaft Narrhalla im Deutschen Theater in München.

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Quelle: Alessandra Schellnegger

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Ambiente

Ich sehe Rot - so könnte man das Ambiente des Ballsaals beschreiben. Keine schlechte Farbe für rauschende Ballnächte, eigentlich. Wenn da nicht die vielen weißen Elemente einen harten, effekthaschenden Kontrast setzen würden. Das beginnt bei der Barriere, die die Tanzfläche umspannt - sie wirkt wie die Bande im Eishockey-Stadion. Wie Strafbänke sehen auch die Tische aus, die hinter dem Orchester platziert sind, "Bühnenterrasse" genannt. Highlight im Saal: die Lichtbänder an der Saaldecke. Nur abraten kann man von den seitwärts angeordneten Balkonbars im ersten Stock. Keinerlei Sicht auf das Geschehen im Saal, dazu Stimmung wie in einer Kantine: zu helles Licht, lieblos aneinandergereihte Tische, da besorgt man sich besser gleich eine Laufkarte. Großartig dagegen der wiedereröffnete Silbersaal: Hier gibt es noch den riesigen Kronleuchter, goldene Verzierungen, ein bisschen K&K-Herrlichkeit.Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt das Foyer. Es könnte auch das eines Kinos sein: Auf großen Flachbildschirmen an den Säulen läuft Werbung. Dazu weißer Boden, weiße Säulen, kontrastierende rote Ledersitze. Die Bar, im alten Theater noch in der Mitte des Foyers, ist nach hinten gewandert. Das schafft mehr Platz. Alles in allem: Die Renovierung hat sich gelohnt.

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Quelle: Alessandra Schellnegger

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Tanzfläche

Über das Parkett lässt sich eigentlich nur so viel sagen: Es ist viel zu klein, und das immer. Natürlich hat man bei der Konzeption des Theater wirtschaftlich gedacht, also möglichst viele Tische für möglichst viele Gäste untergebracht. Gut 1000 sollen es am Samstag beim "Ball der Nationen" gewesen sein. Wenn dann noch viele Tanzfreudige unter den Gästen sind, wird es auf dem Parkett schnell so eng wie in der S-Bahn am Freitagnachmittag. Nur, dass die S-Bahn sich in eine Richtung bewegt, während auf der Tanzfläche das große Durcheinander herrscht. Das liegt aber nicht am Parkett, das sich, wenn man das so sagen will, gut anfühlt. Es ist nicht bretthart, es ist nicht rutschig, aber die Sohlen kleben auch nicht fest. Gut tanzbar. Viele Ballbesucher haben sich aber schon die Tanzfläche aus dem Theaterzelt in Fröttmaning zurückgewünscht, die mit ihren Ausmaßen die größte Fläche weit und breit war. Tempi passati, die eiförmige Fläche im Deutschen Theater hat dafür den Vorteil, dass sie von allen Seiten gut einsehbar ist, sogar von den meisten Plätzen auf den Balkonen und vom Rang. Bei Turnieren oder Showeinlagen ist das ein Vorteil. Wer wirklich schwofen will, muss sowieso bis nach Mitternacht warten, wenn die ersten Gäste müde nach Hause schlurfen.

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Quelle: SZ

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Catering und Service

Diese Bedienung meint es wirklich gut mit ihren Gästen: "Nein, die Weißwürste dürfen sie nicht bestellen", sagt sie, als nach einigen Tanzrunden gegen Mitternacht der Appetit sich wieder meldet. "Nehmen Sie lieber die Gulaschsuppe." Gestern seien die Weißwürste - "labbrig, oben weiß und unten braun" - reihenweise wieder zurückgegeben worden. Und das, obwohl der Weißwurst-Imbiss um Mitternacht im "alten" Deutschen Theater eigentlich fester Bestandteil jeder Ballnacht war. Ganz so schlimm schmecken die Würste dann doch nicht, wenn man sie mit reichlich Senf garniert. Für das Catering und den Service ist die Stiftl-Gastronomie zuständig, und insgesamt macht sie einen ordentlichen Job. Es sind ausreichend Servicekräfte vorhanden, sowohl an der Bar im Foyer als auch im Saal und auf den Balkonen.

Die Speisekarte besteht vor allem aus aufgehübschter Crossover-Küche, etwa bayerischen Tapas (Obatzda, Kartoffelkäse und Saibling). Mehr Energie für einen Tanzabend bieten das Wok-Gemüse (14,20 Euro) und die Hühnerbrüstchen (14,50). Das Essen kam nach fünf Minuten an den Tisch. Der allerdings mit zwei Tellern schon übervoll ist. Das Viertel Merlot für 7,50, Cappuccino für 3,50 - das sind angemessene Preise. Wie sagt man in München? Passt schon.

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Quelle: Alessandra Schellnegger

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Garderobe

Das System ist einfach, aber effektiv. Es funktioniert wie in einer Reinigung, wo die Klamotten dicht an dicht auf Bügeln an einer Art Kette hängen, die sich mechanisch bewegen lässt. So haben die Garderobenfrauen immer schnellen und passgenauen Zugriff, sollte man oder frau während des Balls mal die Schuhe wechseln wollen. Als Beleg gibt es kleine Zettelchen, die aussehen wie Kassenbons und einen Strichcode enthalten. Zusätzlich sind die abgegebenen Stücke (Kleidung, Tasche, Schirm) extra aufgeführt. <FG><FG>Fünf dieser vollmechanischen Garderoben sind es, was im Normalfall völlig ausreicht. Wenn es mal rappelvoll sein sollte, wird eine zusätzliche Garderobe in Räumen gegenüber dem Theatereingang aufgemacht. Dort werden die Mäntel händisch auf Kleiderständer gehängt. Das geht auch schnell, aber es sind ein paar wenige Schritte durch die kalte Nachtluft erforderlich, um ins Theaterfoyer zu gelangen. Oder man nimmt die Treppe und gelangt direkt in den Silbersaal. Das Abholen geht schnell: Die Garderobiere hält den Bon über einen Scanner wie an der Supermarktkasse, und das rotierende System läuft an. "Hat bisher immer funktioniert", sagt die Garderobenfrau. Guter Service: Bei fünf abgegebenen Gegenständen wurden nur zwei (vier Euro) berechnet.

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Quelle: Alessandra Schellnegger

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Orientierung

Wo geht's zur Bar? Wo ist die Toilette? Wie finde ich den Ausgang? Fragen, die während eines Ballbesuchs unweigerlich auftauchen. Aber was im Deutschen Theater erstaunlicherweise fehlt, ist eine eindeutige Wegweisung für den ortsunkundige Ballbesucher. Dass man aus gestalterischen Gründen keine grünleuchtenden Ausgangschilder wie im Kino aufhängen wollte, ist verständlich. Aber: Warum finden sich nur so wenige Hinweise an den Wänden und Türen? Und diese sind viel zu klein. Die Beschriftung besteht aus schwarzen Buchstaben auf weißem Untergrund - sollte also eigentlich gut ablesbar sein, aber man muss schon nahe ran. Wer hat schon seine Lesebrille auf einem Ball dabei? Detail am Rande: Auch das auf Bildschirmen abzulesende Getränkeangebot der Foyer-Bar ist nicht gerade augenschonend mit den eng aneinander gepappten Buchstaben.

Wer das Deutsche Theater noch in Erinnerung hat, wie es vor der großen Renovierung war, der findet sich allerdings auf Anhieb zurecht. Leider bleibt der Weg in das Gewölbe, den legendären Weißwurstkeller versperrt. Dort hat sich die Technik eingehaust, auch als Stühlelager soll der Raum dienen. Schade. Was zudem noch fehlt: Der Ballfotograf, der die Gäste gleich auf der Treppe nach dem Foyer abfängt und ablichtet.

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Quelle: Alessandra Schellnegger

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Toiletten

Toiletten erfüllen in Theatern ja nicht nur die eine Funktion, vor allem für die Damen. Sie dienen auch als Rückzugsort, um die schnell mal die eigene Attraktivität zu überprüfen: zwischendurch mal den Lippenstift nachziehen, die Nase pudern - oder einfach schauen, ob alles noch sitzt, das ist vielen wichtig. Nur wird es den Damen in diesen engen Kabuffs nicht leicht gemacht. Schon das Händewaschen ist nicht ganz einfach. Die Waschbecken sind in einer Höhe angebracht, die vielleicht in einem Kindergarten angemessen wäre. So wie übrigens auch die Türklinken, zu der man sich regelrecht hinunterbuckeln muss. Wer glaubt, dass ein Sensor den Wasserstrahl aktiviert, täuscht sich. Aber ein Wasserhahn ist auf den ersten Blick nicht zu sehen, er versteckt sich unter dem weit hervorstehenden Spiegel, und zwar so gut, dass man schon eine tiefe Verbeugung hinlegen muss, um den Griff zu erspähen. Als Notbehelf sind auf den Spiegeln schon kleine Zettelchen aufgeklebt worden, um auf die Papierhandtuchspender hinzuweisen. Auch die Beleuchtung kann man als sparsam bezeichnen. Fazit also: Aufbrezeln kann man sich in diesen Toiletten wirklich nicht gut. Das schönste sind die rot gekachelten Wände. Da weiß man gleich, dass man im Deutschen Theater ist.

© SZ vom 10.2.2014/wib

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