Das ist schön:Es werde Licht

Die evangelischen Kirchen zeigen Kunst

Von Sabine Reithmaier

"Ich weiß nie, arbeite ich gerade oder nicht?" Die Glühbirnen, scheinbar achtlos über eine von Arbeitsspuren gezeichnete Leiter gehängt, morsen blinkend diesen Satz, der ganz ausgezeichnet in unsere Homeoffice-Zeiten passt. Die Münchner Künstlerin Stefanie Unruh hat diese Installation, in der sie mit feiner Ironie die verschwimmenden Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit thematisiert, schon 2018 geschaffen, genauso wie "ich kenne kein weekend". Derzeit morsen und blinken die beiden Werke gerade in der Münchner Lukaskirche, die sich an der Kunstaktion "Hoffnung, Leben, Licht" der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche beteiligt (bis 28.2., 9 bis 17 Uhr).

Manchmal gehen Dinge in der Kirche ganz schnell. Behauptet jedenfalls das Sonntagsblatt, die evangelische Wochenzeitung für Bayern. Bezüglich der Kunstaktion ist man geneigt, dem Autor Markus Springer recht zu geben. Die kirchlichen Kunstbeauftragten haben die Idee für ihre ungewöhnliche Lichtmessaktion erst Mitte Dezember entwickelt. Wenn die Museen zu sind, Gottesdienste aber erlaubt, liege es doch nahe, Kunstgottesdienste anzubieten, wird Helmut Braun, Leiter des landeskirchlichen Kunstreferats, zitiert. 17 bayerische Kirchen sehen das nicht anders und zeigen im Monat Februar zeitgenössische Kunst, die um Licht, Leben und Hoffnung kreist, stellen die Werke in "Kunstgottesdiensten" vor.

Gestartet wurde die Aktion an Lichtmess, also am 2. Februar, genau 40 Tage nach der Geburt Jesu. Viele Arbeiten werden bis Aschermittwoch präsentiert, so die Werke des Augsburger Malers und Bildhauers Christofer Kochs in der Unterhachinger Heilandskirche oder Hubertus Hess' titelloses Diptychon in der Würzburger St. Johannis-Kirche. Andere bleiben länger, wie "sky moment" der Münchner Textilkünstlerin Sonja Weber in der Bayreuther Stadtkirche oder die organischen Holzskulpturen Thomas Breitenfelds in der Karolinenkirche.

Die Künstlerinnen und Künstler müssen sich übrigens nicht mit Gotteslohn begnügen. Ihr Aufwand wird aus dem landeskirchlichen Kunstfonds finanziert - als Dank und Zeichen der Solidarität und der Wertschätzung. Eine Aktion, die mitten im Lockdown ein Zeichen setzt - das ist schön.

© SZ vom 06.02.2021
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