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Das ist nicht schön:Wer darf was?

Das Koenigmuseum hat eine Leitungsstelle ausgeschrieben

Kolumne von Sabine Reithmaier

Die Nachricht an sich ist nicht überraschend: Das Koenigmuseum in Landshut sucht einen neuen Leiter. Logisch, schließlich hat die bisherige Museumschefin Stefanje Weinmayr nach dreijährigen, an Vorwürfen und Gerichtsverfahren reichen Auseinandersetzungen Ende Juli das Haus verlassen. Aber es ist doch überraschend, der vor einigen Tagen in dieser Zeitung erschienenen Stellenanzeige zu entnehmen, dass der oder die Neue nicht nur das "Sachgebiet Koenigmuseum" managen soll, sondern ihm zugleich auch der bislang noch besetzte Posten der stellvertretenden Leitung der Städtischen Museen insgesamt angeboten wird. Die Anzeige offeriert sogar noch weitere Aufstiegsmöglichkeiten: Irgendwann, vermutlich wenn der bisherige Gesamtchef Franz Niehoff in Ruhestand geht, könne der oder die Neue sogar die Gesamtleitung der Städtischen Museen übernehmen.

Das ist doch was. Kann natürlich sein, dass sich Stefanje Weinmayr schwarz ärgert, wenn sie die Ausschreibung liest. Die ähnelt fatal ihrer aus dem Jahr 2010 stammenden und bis 2018 auch akzeptierten Tätigkeitsbeschreibung, deren Gültigkeit ihr im März 2020 die Berufungskammer des Landesarbeitsgerichts München auch bestätigt hatte. Damals verlangte das Gericht von der Stadt, Weinmayr weitgehend gemäß ihres früheren Arbeitsvertrags zu beschäftigen und ihr Kompetenzen zurückzugeben. Das klappte nicht. Aber es ist doch erfreulich, dass dem künftigen Chef laut Stellenanzeige die Übernahme von "wissenschaftlichen Aufgaben im Zuge der Inventarisierung und Betreuung des Sammlungsbestandes der Koenigstiftung" wieder zugestanden wird oder er die Konzeption, Planung und Realisierung eines eigenständigen Ausstellungsprogramms der Klassischen Moderne und der zeitgenössischen Kunst, auch in Kooperation mit anderen Museen, übernehmen darf.

Was aufhorchen lässt, ist die erwünschte Neukonzeption des Koenigmuseums, natürlich unter Berücksichtigung eines besucher- und budgetorientierten Gesamtkonzepts. Bisschen schwierig zu interpretieren, was das heißen soll. Vielleicht hat die Stadtspitze erkannt, dass das Koenigmuseum mit Niehoff als Ausstellungsmacher seinen Ruf ruiniert und setzt daher auf einen Neuanfang. Vielleicht aber soll das Haus auch endgültig in der wenig üppigen Museumslandschaft des Orts aufgehen und nicht einmal als Sachgebiet erhalten bleiben. Das wäre nicht schön.

© SZ vom 31.10.2020

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