Wohnungsbau Wo der Bau boomt

Im Landkreis sind im vergangenen Jahr fast so viele Wohnungen und Häuser entstanden wie nirgendwo sonst in Oberbayern. Die Gründe dafür sind vielfältig. Experten gehen davon aus, dass die Bautätigkeit im Dachauer Land auch in den kommenden Jahren hoch bleibt

Von Marie Groppenbächer, Dachau

Im Landkreis Dachau boomt der Bau. Allein im vergangenen Jahr wurden 1092 neue Häuser oder Wohnungen fertiggestellt. Pro 1000 Einwohner sind das 7,2 neu erbaute Behausungen. Damit landet der Landkreis im Vergleich mit den anderen Regionen Oberbayerns auf dem zweiten Platz. Nur im Landkreis Erding wurde mehr geklotzt. Durchschnittlich entstanden in Bayern lediglich 4,2 Wohnungen je 1000 Einwohner.

Dass der Landkreis immer gefragter wird, weiß auch Peter Fink, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Dachau: "Von 2011 bis 2016 hat die Bevölkerungszahl um acht Prozent zugelegt. Die hohe Attraktivität des gesamten Ballungsgebietes München wirkt sich auf die Region Dachau aus." Grund dafür ist vor allem auch die günstige Lage, sagt Wolfgang Reichelt, Pressesprecher des Landratsamts. "Die Infrastruktur ist ausgezeichnet. Die Autobahnen A8 Richtung Augsburg und Stuttgart und die A9 Richtung Nürnberg sind schnell zu erreichen." Mit der S-Bahn gelangt man in zwanzig Minuten an den Münchner Hauptbahnhof oder wenig später zum Marienplatz und zum Flughafen. Das mache den Landkreis zu einer sehr lebenswerten Region. Man könne das ländlichere Leben genießen und gleichzeitig die Stadt in wenigen Minuten erreichen, so Reichelt. Für ihn ist Dachau die "beste Gegend". Doch daran allein kann es nicht liegen, auch Fürstenfeldbruck ist in weniger als dreißig Minuten vom Münchner Hauptbahnhof aus zu erreichen und liegt ebenfalls direkt an der Autobahn A8.

Im Landkreis wird gebaut: am Ortsrand von Wiedenzhausen.

(Foto: Toni Heigl)

Im Jahresdurchschnitt landet der Landkreis Dachau mit 2,8 fertiggestellten Wohnungen je 1000 Einwohner lediglich auf dem vorletzten Platz. Warum 2017 so viele Wohnungen fertig wurden, ist schwer zu sagen. Zwar liege Dachau im langfristigen Vergleich mit den umliegenden Landkreisen eher im Mittelfeld, sagt Christian Breu, Geschäftsführer des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum München (PV). Doch die Spitze in 2017 sei beachtlich. Er vermutet, dass besonders große Bauvorhaben oder Wohnungsnachmeldungen aus vergangenen Jahren dazu geführt haben.

Dachau am Udlinger Hang.

(Foto: Toni Heigl)

Großbauprojekte gab es im Landkreis in den letzten Jahren tatsächlich. In Weichs wurden 2016 70 Parzellen am Aufhausener Feld verkauft. Diese werden seit dem mit Einfamilienhäusern, Doppelhäusern, aber auch Wohnblöcken bebaut. Inzwischen sind einige der Unterkünfte bezogen. In Mark Indersdorf laufen seit 2015 Wohnbauprojekte. Auch die Landkreiswohnbaugesellschaft WLD, in der sich 16 Gemeinden im Landkreis zum Bau sozialer Wohnungen zusammengeschlossen haben, baute in der Nähe des Bahnhofs Mark Indersdorf 24 Sozialwohnungen. Besonders in Karlsfeld ist der Wohnungsbau nicht zu übersehen. Etwa 500 neue Wohneinheiten entstanden mit der neuen Mitte und dem Großbauprojekt westlich der Bahnstrecke, in der Nähe der Fachoberschule Karlsfeld. Viele der Wohneinheiten wurden im vergangenen Jahr bezugsfertig. Um möglichst viel Wohnraum zur Verfügung zu stellen, wurde in Karlsfeld nachverdichtet. Auf diese Weise können auch die Mieten eingedämmt werden.

Karlsfeld auf dem ehemaligen Bayernwerkgelände.

(Foto: Toni Heigl)

Die Vielzahl der fertigen Bauprojekte ist eine Erklärung der verhältnismäßig hohen Anzahl fertiggestellter Wohnungen im Landkreis. Doch ein einmaliger Ausreißer war das nicht. Auch in den kommenden Jahren wird im Dachauer Landkreis viel gebaut werden. Im Jahr 2017 wurden 5,7 Baugenehmigungen auf je 1000 Einwohner ausgesprochen. Vergleicht man diese Zahl mit ganz Bayern, übersteigt der Landkreis erneut den Durchschnitt. Im Freistaat liegt sie für 2017 bei 5,1 Baugenehmigungen je 1000 Einwohner.

Christiane Goßner, Vorsitzende des Vereins Haus & Grund Dachau, unterstützt Eigentümer beim Wohnungsbau.

(Foto: Toni Heigl)

Dominik Müller, Pressesprecher der LBS, geht davon aus, dass der Großteil der Bauvorhaben im Landkreis in den nächsten Jahren fertiggestellt wird. Das würde bedeuten, dass Dachau auch künftig über dem Durchschnitt liegen wird. Darüber freut sich Peter Fink, der Sorge hatte, dass eine Flächen-Obergrenze, wie von Teilen der Bevölkerung gefordert, derlei Projekte auf Eis legen könnte: "Eine solche künstliche Verknappung hätte die Baulandkosten und somit auch die Kauf- und Mietpreise noch weiter erhöht". Doch damit ist nicht zu rechnen. Christine Goßner, Vorsitzende von Haus und Grund Dachau erlebt im Moment, dass viele Privateigentümer alte Häuser, die auf großen Grundstücken stehen, abreißen und durch Mehrparteienhäuser ersetzen. Die WLD verfolgt ebenfalls weitere Großbauprojekte im Landkreis. In Vierkirchen, Mark-Indersdorf, Röhrmoos und Karlsfeld werden Sozialwohnungen gebaut. Ziel ist es, bis 2030 700 neue Wohnungen für Geringverdiener zur Verfügung zu stellen. Damit reagiert die Wohnbaugesellschaft gezielt auf die Wohnungsnot und Landflucht aus der unbezahlbaren Stadt.