bedeckt München 26°

Volkshochschulen im Landkreis Dachau:100 Jahre Bildung für alle

Die Volkshochschulen im Landkreis feiern ihr großes Jubiläum. Die Einrichtungen, die jährlich von knapp 29 000 Menschen genutzt werden, vermitteln nicht nur Fachwissen. Sie wirken auch erfolgreich für Demokratie und eine offene, tolerante Gesellschaft

Pilates, Italienisch für Anfänger, Kräuterführung an der Amper, Excel-Programmierung, Business-Englisch oder Podiumsdiskussion zur Organtransplantation: Die Volkshochschulen im Landkreis bieten Jahr für Jahr eine breite Vielfalt an Veranstaltungen, die sich an der Lebenswelt, den Bedürfnissen und Wünschen der Bürger orientieren. Ein Angebot, das ankommt: 28 445 Teilnehmer besuchen jährlich im Landkreis 2440 Kurse, Vorträge oder Seminare. Dabei ist die Idee eines Bildungsangebots für breite Bevölkerungsschichten schon alt; bereits 1919 wurde der Anspruch auf Weiterbildung in staatlicher Verantwortung in der Weimarer Verfassung erstmals gesetzlich festgeschrieben.

Dieses offizielle Gründungsdatum der Volkshochschule in Deutschland jährt sich zum 100. Mal, ein Jubiläum das bundesweit unter dem Motto "zusammenleben - zusammenhalten" mit einer Langen Nacht der Volkshochschulen am Freitag, 20. September, gefeiert wird. Auch im Landkreis machen alle mit, bieten eine bunte Auswahl an Veranstaltungen, umrahmt von Musik und Gelegenheit zum Austausch, wie Anita Engelbrecht von der Volkshochschule Dachau betont. "Wir wollen damit ein Zeichen für Offenheit, Vielfalt und Zusammenhalt setzen", sagt sie.

Exakt hundert Jahre sind es noch nicht, aber auch im Landkreis hat die kommunale Erwachsenenbildung eine lange Tradition. So wird die als Volksbildungsgemeinschaft 1920 gegründete Volkshochschule Dachau ihren runden Geburtstag bereits im kommenden Jahr feiern. Die Einrichtung nahm nach dem Verbot der Erwachsenenbildung im Nationalsozialismus in den 1970er Jahren neuen Aufschwung. In dieser Periode entstanden die in der Volkshochschule Dachauer Land zusammengeschlossenen Einrichtungen der kleineren Gemeinden. Gegründet wurden als eigenständig organisierte Vereine auch die Volkshochschulen Markt Indersdorf und Karlsfeld. Alle haben ihr Angebot über die Jahre stets an der Entwicklung der Berufs- und Lebenswelt orientiert, sich den wechselnden Bedürfnissen und gesellschaftlichen Herausforderungen angepasst.

In Karlsfeld, sagt die Leiterin Daniela Niedermeier, "boomen seit Jahren Gesundheitskurse", während die in den Anfangsjahren stark gefragte berufliche Bildung inzwischen weniger Interesse finde. Auch in Markt Indersdorf. Die Bildungseinrichtung ist aus dem örtlichen Kulturkreis hervorgegangen, der Schwerpunkt liegt auf kulturellen Veranstaltungen. "Es sind die Gesundheitskurse, die anziehen", sagt aber Geschäftsführerin Andrea Liebl.

In Dachau dagegen machen Sprachkurse mehr als die Hälfte des Angebots aus. "Der Trend geht zu Kleingruppen, die Teilnehmer möchten intensiver lernen", erklärt Engelbrecht. In den ländlichen Gemeinden sind Konversationskurse beliebt, erklärt Geschäftsführerin Ksenija Pointner. Und für alle Angebote gilt, dass über den jeweils fachlichen Inhalt hinaus immer der soziale Aspekt des Miteinanders zähle, dass jeder Kurs auch Anlass biete zu Begegnung und Austausch. So eröffne, da sind sich die Verantwortlichen einig, etwa bei den Sprachkursen die Digitalisierung viele Optionen, doch werde der persönliche Kontakt im Kurs stets wichtig bleiben.

Neben den klassischen Kursen - Sprachen, Gesundheit, berufliche und gesellschaftliche Bildung - übernehmen die Volkshochschulen darüber hinausgehende Aufgaben, einfach weil diese gesellschaftlich wichtig sind. Das reicht von der Kooperation mit Schulen bis zum Repair-Café. Die gesellschaftspolitische Bildung kommt nicht zu kurz, selbst wenn einzelne Veranstaltungen zu Themen wie Rechtspopulismus oder Organspende kein Selbstläufer sind. "Aber Demokratie, Offenheit und Toleranz leben wir in jedem einzelnen Kursangebot, allein durch die Vielfalt der Teilnehmer, die Zugänglichkeit für jedermann, egal ob Analphabet oder Hochschulprofessor", sagt Anita Engelbrecht.

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr stehen die Volkshochschulen nun vor einem großen Problem. Bei allen Bildungswerken sollen Kurse künftig nicht mehr umfassend von der Umsatzsteuer befreit sein. Ein entsprechender Gesetzentwurf, der EU-Recht umsetzt, wird im Bundestag gerade diskutiert. Nur berufliche Schulungen wären künftig noch befreit, für alle anderen müssten die Volkshochschulen 19 Prozent aufschlagen. Der Hintergrund: Im Wettbewerb sollen private Sprachschulen oder Fitness-Studios nicht benachteiligt werden.

Für die Volkshochschulen, die ein niedrigschwelliges, kostengünstiges Angebot für alle gesellschaftlichen Schichten bereitstellen, wird das nicht ohne Auswirkung bleiben. "Erwachsenenbildung wird teuer werden." Noch aber ist das Gesetz nicht beschlossen, die vier Leiterinnen der Organisationen im Landkreis bleiben optimistisch und lassen sich die Vorfreude auf das Jubiläum nicht verderben.

Informationen zum Festprogramm unter www.vhs-dachau.de, www.vhs-dachau-land.de und www.vhs-indersdorf.de

  • Themen in diesem Artikel: