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Verkehrs-Planungen:Schluss mit Gegenverkehr

Raser, Dreck und fehlende Parkplätze: Bei der Bürgerversammlung der Altstadt-Anwohner gibt es viele Klagen. Für ein anderes Problem zeichnet sich dafür schon eine klare Lösung ab.

Das Interesse der Dachauer reißt nicht ab: Auch bei der dritten Bürgerversammlung, zu der die Anwohner der Altstadt am Dienstag ins Ludwig-Thoma-Haus geladen waren, drängten sich etwa 100 Bürger. Zusätzliche Stühle mussten in den Erchana-Saal hereingetragen werden. Wie bei der Veranstaltung in Etzenhausen lud Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) erneut die Zuhörer ein, nicht nur ihre Anregungen vorzutragen, sondern auch ihre Meinung kundzutun zu zwei Verkehrsüberlegungen für die Altstadt. Das Votum war wieder recht eindeutig: Ein Tempo-Limit von 20 Stundenkilometern findet keine große Zustimmung. Positiv bewertet wird dagegen eine Einbahn-Regelung für Busse und Lastwägen. Viele Bürger können sich vorstellen, nicht nur große Fahrzeuge, sondern den gesamten Verkehr einspurig durch die Altstadt zu leiten.

Schon als der Oberbürgermeister die beiden Vorschläge präsentierte, war ein Meinungsbild erkennbar: Die Erwähnung von Tempo 20 löste Gelächter aus, die Bürger hielten die Idee offensichtlich für unrealistisch. Grundsätzlich finde sie Tempo 20 gut, erklärte in der Diskussion Elisabeth Peren. Allerdings hat die Altstadtbewohnerin ernste Zweifel, dass diese Maßnahme greift. Autofahrer würden sich jetzt nicht an die geltende Geschwindigkeitsbeschränkung halten. "Die fahren nicht 30, sondern 50 oder 60, die rasen." Eine strengere Vorgabe scheint Peren da wenig Erfolg versprechend. Auch Richard Lindner klagte über Raser, konkret in der Brucker Straße, "da wird nicht 30 gefahren." Darunter leide die Wohnqualität. Und Johann Pfeiffer fand: "Tempo 30 reicht".

Durchweg positiv bewerten die Bürger die Idee einer Einbahn-Regelung. "Dann sollten Schrägparkplätze angelegt werden, denn an Stellflächen mangelt es ja in der Altstadt", sagte Johann Pfeiffer. Ähnlich denken viele Bürger, die ihr Votum per Klebepunkt auf der eigens dafür aufgestellten Pinnwand abgegeben hatten. Für die Einbahnregelung, die in der Stadt 2008 bereits einmal erprobt wurde, gab es 41 Ja-Stimmen, nur fünf votierten mit Nein. Angeregt wurde auf bereit liegenden Notizzetteln, diese Regelung für den gesamten Verkehr einzuführen und im Gegenzug Parkplätze zu schaffen. Für Tempo 20 optierten auf der Pinnwand am Saalausgang 15 Bürger, 28 klebten ihren Punkt bei "Nein".

In der Diskussion beschäftigte die Bürger eine Fülle weiterer Themen: Im Wohngebiet an der Dr.-Hiller-Straße fehlen Parkplätze, monierte Johann Bader. Zudem würden dort Anhänger abgestellt, sagte ein anderer Anwohner. "Wie kann man so viel Wohnraum schaffen, ohne Anwohnerparkplätze?" Ein Thema, das Bürger seit Jahren aufregt, auch weil Klinikmitarbeiter statt im gebührenpflichtigen Parkhaus in Wohnstraßen parken. Ein Problem, "das wir künftig noch öfter haben werden", wie OB Hartmann erklärte. Das hat mit dem Baurecht zu tun. Ab einer gewissen Höhe muss bei Neubauten ein zweiter Rettungsweg installiert oder aber im Straßenraum eine Aufstellfläche für die Drehleiter der Feuerwehr frei gehalten werden. Weil Bauträger sich den Rettungsweg sparten, werde meist die Feuerwehrzufahrt notwendig. Dadurch gingen Parkplätze in den Wohnstraßen verloren. Abhilfe schaffen könnte eine andere Genehmigungspraxis im Stadtrat. Oder eine neue Stellplatzsatzung, die Oberbürgermeister Florian Hartmann vorschlagen will.

Auch die mangelnde Sauberkeit beklagen Bürger. In der Altstadt seien Bauminseln verdreckt, kritisierte Richard Lindner. "Könnten da nicht die Geschäftsinhaber mal einen Lehrling rausschicken?" Gabi Hefele stören Zigarettenkippen, die vor Geschäften in großer Zahl herumliegen. "Dachau verdreckt total." Gereinigt werden müsste auch die Parkfläche beim MD-Gebäude an der Konrad-Adenauer-Straße, forderte Wolfgang Hartmann. "Der Platz entwickelt sich zur Müllkippe." Die Bushaltestelle dort bediene Altenheim und Kindergarten, sagte Hartmann. Doch wartende Fahrgäste müssten auf der verschmutzen Mauer sitzen, "dort fehlt ein Buswartehäuschen". Auch ein Postbriefkasten gehe im Wohngebiet südlich des Waldfriedhofs ab. Die morgendliche Sperrung des Karlsbergs werde permanent ignoriert, beklagt ein Anwohner. Und Johann Pfeiffer wünschte sich, dass die Stadt ein Windrad baut, an dem sich die Dachauer finanziell beteiligen können. Mit einer Kolonie von Saatkrähen, die sich in der Grünfläche an der Schleißheimer Straße angesiedelt haben, ärgert sich Valerie Rauch herum. "Zwölf Nester, ein unglaublicher Krach."

© SZ vom 19.03.2015
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