"Tolle Idee" Mittagsbetreuung aus der Box

Für den Bau eines neuen Horts an der Allacher Straße bis zum Schuljahresbeginn hätte die Zeit nicht mehr gereicht. Doch nun hat die Gemeinde Karlsfeld eine andere Lösung gefunden. Und sie spart damit sogar auch noch Geld

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Die Eltern von Karlsfelder Grundschülern können beruhigt in die Sommerferien fahren. Klappt alles wie geplant, wird ihr Nachwuchs spätestens in der zweiten Schulwoche im September in die Mittagsbetreuung beziehungsweise in den Hort gehen können. Der Bauausschuss hat am Mittwoch den Weg dafür frei gemacht.

Zunächst sah es danach aus, als wäre es unmöglich, das Provisorium an der Allacher Straße auch nur annähernd zeitnah fertig zu kriegen. Planung und Vergabe des Auftrags für eine neue Containeranlage stellte sich schnell als aufwendig heraus, schon weil die Ausschreibung europaweit hätte laufen müssen. Vor Frühjahr 2019 wäre laut Robert Strasser von der Bauverwaltung nicht mit einer Fertigstellung zu rechnen gewesen. Zudem hatten alle vier in Frage kommenden Bieter schon im Vorfeld signalisiert, dass sie in diesem Jahr nicht mehr fertig werden könnten. Für die Eltern, die ihre Kinder nach der Schule in der Mittagsbetreuung beziehungsweise im Hort unterbringen wollten, wäre dies eine Katastrophe gewesen. Die meisten hätten dann wohl zu Hause bleiben müssen, um die Kleinen selbst zu betreuen. Doch der Gemeinderat hat sich nun für eine schnellere Alternative entschieden, die noch dazu kostengünstig ist: Die Container an der Sesamstraße, in der momentan die Wichtelburg untergebracht ist, sollen neu hergerichtet und umgesetzt werden.

Im Juni werden die Kindergarten- und Krippengruppen ins neue Kinderhaus am Lärchenweg ziehen. Damit werden die Container frei. Die Gemeinde will diese dann kaufen. Darüber habe man schon mit dem Vermieter diskutiert, erklärte Strasser in der Sitzung. Zuvor sollen die provisorischen Räume aber saniert werden, insbesondere in energetischer Hinsicht. So will die Gemeinde Dämmmaterial in Form eines leicht geneigten Satteldachs auf den Containern anbringen lassen. Die Fassade soll mit Holz verkleidet werden. Außerdem plant die Bauverwaltung Fenster und Wandteile auszutauschen. Auch ein neuer Boden soll verlegt werden. Und damit die Energiekosten niedriger werden, soll auch eine wirtschaftlichere Heizanlage installiert werden. Man hofft einen guten Preis für das Gesamtpaket aushandeln zu können. "Eine tolle Idee", lobte Vizebürgermeister Stefan Handl (CSU). "Es wird aber auch sehr sportlich." Denn mit den Umbaumaßnahmen kann erst begonnen werden, wenn die Container leer sind.

Strasser und Bauamtsleiter Günter Endres zeigten sich aber zuversichtlich. "Lassen Sie uns die Fundamente gießen", sagte Günter Meikis (SPD) voller Tatendrang. Mit den Vorbereitungen für das Provisorium soll sofort begonnen werden. Zufahrt zum Grundstück an der Allacher Straße und die Hausanschlüsse werden als erstes hergerichtet. Mit den übrigen Außenarbeiten muss man warten bis die Container platziert sind. Im Oktober soll alles fertig sein, so das Bauamt. Bezugsfertig sind die Räume aber schon früher.

Positiver Nebeneffekt dieser schnellen Lösung ist die Kostenersparnis. Strasser schätzt, dass die Gemeinde etwa 400 000 Euro einsparen wird, wenn sie auf neue Container verzichtet. Angesichts der klammen Kasse der Gemeinde zauberte diese Aussicht eine gewisse Erleichterung in die Gesichter der Karlsfelder Gemeinderäte. Schon Ende Januar hatten sie eine Entscheidung zugunsten der Finanzen gefällt: Damals entschied sich das Gremium, nicht die große Lösung zu realisieren, sondern lediglich ein eingeschossiges Provisorium zu errichten, das Mittagsbetreuung und Hort während des Baus der Verbandsgrundschule über die Runden helfen wird. Knapp zwei Millionen Euro wird die Gemeinde laut Bürgermeister Stefan Kolbe nun in die Hand nehmen müssen. Aber "wir wollen den Familien helfen", sagte er entschlossen. Auch die Tempo-30-Zone will er nun so schnell wie möglich einrichten lassen.