bedeckt München 31°

Tierheim :Zimmer statt Zwinger

Der Dachauer Tierschutzverein plant den Bau eines Multifunktionsgebäudes, das endlich den seit Jahren geltenden Vorschriften entsprechen soll. Die Finanzierung dafür muss der Verein weitgehend aus eigenen Mitteln stemmen

Von Lina Brückner, Dachau

Das Bauvorhaben "Multifunktionsgebäude" beschreibt die Vorsitzende des Dachauer Tierschutzvereins, Silvia Gruber, so: "Wir wollen aus zwei eins machen". Der Verein plant, neue Hundequarantäneräume und weitere Hundezimmer ohne "Zwingercharakter" sowie zusätzliche Katzenzimmer in einem Gebäude zu verwirklichen, um Kosten zu sparen. So soll ein von den Besuchern abgeschotteter Raum für besonders sensible Tiere entstehen, da diese sonst "die Krise bekommen, wenn ständig Leute durchlaufen". Bei dem Projekt geht es vor allem um die Einhaltung der Standards für Tierheime: "Seit 2001 entsprechen unsere Hundezwinger und Quarantäneräume nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften", so Gruber. Die größten Mängel habe das Tierheim Dachau in den Bereichen Bodenfläche und Lichteinfall. Die gesetzlich vorgeschriebene Bodenfläche für Hunde hängt von deren sogenannter Widerristhöhe ab. So hat beispielsweise ein Hund mit einer Höhe von 50 Zentimetern Anspruch auf sechs Quadratmeter Boden. Laut Auskunft des Tierschutzvereins entsprechen dieser Richtlinie derzeit nur zwei Zwinger mit jeweils knapp sechs Quadratmetern Bodenfläche annähernd. An die notwendigen zehn Quadratmeter für große Hunde ist momentan gar nicht zu denken. Die neuen Räume sind somit funktional und den Standards entsprechend geplant.

Tierheim

Der Verein plant, weitere Hundezimmer sowie zusätzliche Katzenzimmer in einem Gebäude zu verwirklichen.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Pro Jahr werden zwischen 1200 und 1400 Tiere in der Einrichtung aufgenommen. Ihre Vorgeschichte ist ganz unterschiedlich. Die Mehrheit sind Fundtiere und solche, die so wirken sollen. Dazu kommen aus Gründen wie Tod, Trennung oder Umzug abgegebene Haustiere. "Viele Besitzer wollen nicht für die hohen Tierarztkosten, die insbesondere bei Krankheit anfallen, aufkommen", nennt Silvia Gruber ein zentrales Problem. Deswegen empfiehlt der Tierschutzverein, die Anschaffung eines Haustiers unbedingt im Voraus zu durchdenken. Außerdem sei es wichtig, junge Katzen trotz der anfallenden Kosten kastrieren zu lassen, um eine überschnelle Vermehrung zu vermeiden.

Tierheim

"Tiere haben immer noch keinen großen Stellenwert in der Gesellschaft",sagt die Vorsitzende des Dachauer Tierschutzvereins, Silvia Gruber. Nur durch Spenden,Tierpatenschaften und ehrenamtliche Helfer können Großprojekte wie das dringend benötigte neue Gebäude überhaupt in Angriff genommen werden.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Für das geplante Multifunktionsgebäude stellt sich "wie immer" die Frage nach der Finanzierung, so Gruber. Da das Tierheim keine staatliche Einrichtung, sondern eine "rein private Geschichte" ist, beschränkt sich die öffentliche Förderung auf die Fundtierpauschale, die eine kommunale Pflichtaufgabe ist, und einen Zuschuss der Stadt Dachau. Somit ist das Tierheim auf Spenden angewiesen. Die einzigen Dauerspender sind derzeit jedoch Privatpersonen mit Tierpatenschaften in Höhe von monatlich fünf bis 20 Euro. Grubers Erklärung für die bislang geringe Unterstützung: "Tiere haben immer noch keinen großen Stellenwert in der Gesellschaft." Die Kosten für das geplante Gebäude werden auf 950 000 Euro geschätzt, davon können 700 000 aus Eigenmitteln des Vereins gestellt werden. Für das fehlende Geld hat der Tierschutzverein einen Antrag an die Kommunen des Landkreises gestellt und bisher vier Zusagen erhalten.

Die Frage der Finanzierung müssen sich alle Tierschutzvereine stellen. Seit Einstellung der Tierheimförderung im Jahr 1994 war der Freistaat das einzige Bundesland ohne jegliche Bezuschussung von Tierheimen. Seit 2018 stehen insgesamt zwei Millionen Euro zur Verfügung, die alle bayerischen Tierheime unter sich aufteilen müssen. "Der Beschluss kam kurz vor der Wahl", meint Gruber. Ihr Appell: "Es wäre schön, uns das Leben ein bisschen leichter zu machen. Wenn ehrenamtlich nicht so viel gemacht würde in allen Bereichen, sähe es hier nicht so gut aus."

© SZ vom 11.10.2019

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite