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SZ-Adventskalender:Wieder vereint

"Tausendmal Danke für die große Hilfe." Die junge Togolesin Afi T. erzieht allein ihre Tochter, absolvierte eine Pflegeausbildung und spricht fließend Deutsch. Dank der Hilfe des Adventskalenders beginnt für sie nun ein ganz neues Kapitel.

Mit einem strahlenden Lächeln blicken drei warm eingepackte Menschen vor verschneiter Landschaft in die Kamera. Dieses erste Foto ihrer wiedervereinten kleinen Familie hat Afi T. (Namen geändert), die junge Frau und Mutter, in ihrem Wohnzimmer aufgehängt. Zur Erinnerung an den Silvestertag, als sie zusammen mit der kleinen Tochter endlich auch ihren Sohn Kokou in die Arme schließen konnte. Den Jungen hatte die 29-Jährige im westafrikanischen Togo zurücklassen müssen, als sie vor vier Jahren nach Deutschland kam. Mit Unterstützung des SZ-Adventskalenders konnte sie den Buben jetzt nachholen. Für die junge Frau, die als Musterbeispiel für gelungene Integration gelten kann, die alleine ihre Tochter groß zieht, dennoch eine Berufsausbildung absolviert hat und fließend Deutsch spricht, geht damit ein Herzenswunsch in Erfüllung. "Uns geht es jetzt wirklich gut", betont sie und fügt hinzu: "Tausendmal Danke für die große Hilfe."

Mit fröhlicher Stimme erzählt Afi T. von dem Tag, als sie mit warmer Winterkleidung bepackt ihren Sohn vom Flughafen abholte. "In Afrika braucht man ja allenfalls einmal einen Pullover. Anorak, Mütze, Winterstiefel - das gibt es dort nicht." Also hat die Mutter alles besorgt und den Buben nach seiner Ankunft sofort warm eingepackt. Dann haben ihre beiden Kinder gleich im Schnee gespielt, die bisher nie gesehenen Eiskristalle waren für den Jungen spannend. Wie so vieles in dem noch fremden Land, doch Kokou hat sich schon gut eingelebt. Seit Januar geht er zur Schule, "dort wurde er ganz herzlich aufgenommen". Die Mutter ist bemüht, dass der Sohn es ihr gleichtut und möglichst rasch Deutsch lernt. Abends ermuntert sie ihn zur Lektüre deutschsprachiger Kinderbücher.

Kontinuierlich gehe es voran. "Ich merke, er ist motiviert." Zum Fußballtraining im Sportverein hat sie den Buben angemeldet, damit er Anschluss findet. Ihre Sorgen, dass sich die Geschwister nicht verstehen könnten, waren unbegründet. "Klar gibt es mal Streit, aber sie kommen meist gut miteinander aus."

Die junge Frau ist froh, welche Entwicklung ihr Leben jetzt nimmt. Denn nicht immer lief bisher alles nach Plan, der Start in der neuen Heimat war holprig. Als sie vor vier Jahren ihrem Mann folgte, der wie sie aus Togo stammt und damals schon länger in Bayern lebte, hoffte sie auf eine sichere Zukunft, wollte bald den kleinen Sohn nachholen. Doch hier in Deutschland erwies sich der Ehemann als ein ganz anderer Mensch als der, den sie kennengelernt hatte. Als sie ihn verließ, war sie erneut schwanger. Doch Afi, die in Togo nach dem Abitur als Lehrerin tätig war, wollte sich unbedingt eine berufliche Zukunft aufbauen. Auf eigenen Beinen stehen, selbst für sich sorgen, diese Werte hat ihr die eigene Mutter mit auf den Weg gegeben. Also baute sie ihre Deutschkenntnisse aus, absolvierte erfolgreich eine Pflegeausbildung. Erneut tat sich eine Hürde auf. Weil sie als junge Mutter keinen Schichtdienst leisten kann, fand sie bisher trotz Pflegenotstands keinen Job. Dann kam auch noch die Nachricht, dass die Verwandten in Togo ihren Sohn nicht länger versorgen konnten. Da brauchte Afi dringend Hilfe. Denn die enormen Kosten für Dokumente, genetische Gutachten und Reise konnte sie alleine so kurzfristig nicht stemmen. Umso dankbarer ist sie, dass die SZ-Leser sie unterstützt haben. "Diese Menschen sollen wissen, dass wir wirklich froh und sehr dankbar sind", betont sie.

Jetzt, wo die kleine Familie wieder vereint ist, will die junge Frau ihre berufliche Zukunft mit neuem Elan vorantreiben. Einen Job als Betreuerin hat sie in einem Pflegeheim angenommen, in diesem Arbeitsfeld ist kein Schichtdienst notwendig. Für diesen Einstieg in die Arbeitswelt nimmt sie auch einen stressigen Tagesablauf in Kauf. Aus ihrer Ausbildungszeit kennt sie schon den straffen Zeitplan: "Fünf Uhr aufstehen, um sieben losgehen, die Tochter zum Kindergarten bringen, weiter zur S-Bahn, abends eilig zurück, wieder die Kinder abholen, danach kochen und den Haushalt erledigen." Gleichzeitig macht sie mit Unterstützung des Jobcenters den Führerschein, um bald in die ambulante Pflege wechseln zu können. Schichtdienst wäre da nicht nötig. Jetzt, wo die kleine Familie endlich wieder vereint ist, "lässt sich alles schaffen", sagt die junge Mutter, die mit ihrem unerschütterlichen Optimismus und persönlichem Engagement schon viel erreicht hat.

© SZ vom 16.03.2015
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