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Stadtentwicklung Dachau:Vom Bahnhof zum Treffpunkt

Busbahnhof

Zu eng: Der Busplatz soll zu einem Zentralen Omnibusbahnhof mit 26 Stellplätzen für Stadt- und Regionalbusse ausgebaut werden.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Dachauer sind gefragt, sich in die Entwicklung ihrer Stadt einzubringen. Ein 3,7 Hektar großes Areal wird überplant.

Im Vergleich zu anderen Bürgerbeteiligungen war der Zuspruch beim Thema Neukonzeption des westlichen Bahnhofsareals gering. Die Dachauer wollten die ersten warmen Abende des Jahres wohl lieber im Biergarten verbringen statt im Ludwig-Thoma-Haus. Im Erchana-Saal blieb so mancher Stuhl leer. Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) nahm es locker. "Das ist kein Zeichen, dass die Dachauer der Bahnhof als zentraler Ort in der Stadt nicht interessiert." Die Bürger nutzten nur andere Wege der Teilhabe: An der Umfrage zum Projekt, die im Internet unter www.treff.dachaubahnhof.de freigeschaltet ist, hatten sich bis Ende vergangener Woche bereits 600 Bürger beteiligt.

Einige Dachauer wollten aber mehr als vorgegebene Kriterien ankreuzen und meldeten sich zu Wort. Grundlegende Kritik an den Kernzielen des Projekts gab es nicht. Auch die Teilnehmer der Bürgerinfo wollen den Bahnhof attraktiver gestalten, Verkehrsströme entzerren und vor allem den Busbahnhof erweitern und zukunftsfähig machen. Aber sie plädieren für eine Entwicklung mit Augenmaß, eine gute Vernetzung der Verkehrsströme und Rücksicht auf Grünzonen.

"Da entstehen womöglich zu große, viereckige Glaskästen", fürchtet der Dachauer Heinz Riedlbeck. "Riesige Betonklötze" passten nicht ins Umfeld, "wir haben eine wunderbaren Bahnhof, die neuen Gebäude müssen sich einfügen." Tatsächlich möchte die Bahn als Eigentümerin der maßgeblichen Grundstücke entlang der Frühlingstraße dort aus wirtschaftlichen Gründen nicht nur einen Busbahnhof, sondern auch attraktive Geschäftsgebäude sehen. Die Frage, was mit dem alten Bahnhofsgebäudes passieren soll, haben die Stadt und auch die Bahn bisher bewusst offen gelassen. Die Bürger dürfen hier eine Richtung vorgeben: abreißen oder Sanieren? "Wir sollten das alte Gebäude als Kulturgut erhalten", wünscht sich eine Anwohnerin. Zweifel hegt die Bürgerin am Sinn weiterer Läden am Bahnhof. Ein weiterer Anlieger der Frühlingstraße blies ins gleiche Horn. "Geschäfte bis hinunter zur Schleißheimer Straße braucht es nicht." Die Sorge der Bürger: Aus wirtschaftlichen Gründen könnte an der östlichen Frühlingsstraße über dem künftigen Busbahnhof ein mehrstöckiger Shopping- und Bürokomplex entstehen. "Diese Bedenken sind nachvollziehbar", sagte Bauamtsleiter Michael Simon. Gerade die Abwägung, wie viel Bebauung ins Umfeld passt, solle der geplante städtebauliche Wettbewerb treffen. "Eine amerikanische Shopping-Mall wird das nicht." Allerdings halte er Einkaufsmöglichkeiten am Bahnhof für sinnvoll, um die Attraktivität der Innenstadt zu steigern. Den Erhalt des Bahnhofsgebäudes kann die Stadt dagegen nicht sichern. Der Bau ist nicht denkmalgeschützt. Sollte die Bahn als Eigentümer auf Abbruch drängen, "können wir das nicht verhindern".

Verkehrsströme besser regulieren

Wichtig ist den Bürgern auch, dass die Verkehrsströme rund um den Bahnhof besser reguliert werden. "Die Querverbindung der beiden Bahnhofsseiten ist ungelöst, da fehlt eine zweite Unterführung", monierte ein Bürger. Sichere Radwege zum Bahnhof forderte Michael Kraus vom Dachauer Ortsverband des Fahrradclubs ADFC. Das komplexe technische Konzept des Busbahnhofs sollte nicht einem städtebaulichen Wettbewerb überlassen werden, riet eine Verkehrsplanerin im Publikum. "26 Busstellplätze unterzubringen, das ist sehr ambitioniert." Tatsächlich wird eine Voruntersuchung erstellen, die den Planern im Wettbewerb als Grundlage dient, erklärte Simon.

Immer wieder wurde in der Debatte klar, welch wichtige, wenn nicht gar entscheidende Rolle die Bahn als Grundeigentümerin spielt. Doch der Konzern hatte keinen Vertreter zur Veranstaltung entsandt. "Warum ist niemand aufgetaucht? Alle Spieler sollten doch dabei sein", monierte ein Bürger. Die Bahn habe sich intern nicht verständigen können, wer nach Dachau kommen soll, erklärte der OB. Ein Zeichen, wie schwierig die Verhandlungen mit dem Konzern sind, der mit mehreren Tochtergesellschaften am Vorhaben "Bahnhof Dachau Westseite" beteiligt ist. Doch die Stadt verfolgt ihren Zeitplan: Bürgerbeteiligung, Festlegung der Planungskriterien, Start des städtebaulichen Wettbewerbs zum Jahresende. Alle Termine und Informationen über das Projekt können ebenfalls auf der eigens eingerichteten Webseite nachgelesen werden. Vier Studien zum Thema, erstellt von Studenten der Landschaftsarchitektur der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, präsentiert die Stadt in einer Ausstellung bis 2. Juni in der Sparkasse (Sparkassenplatz 1), vom 19. Juni bis 2. Juli im Bürgertreff-Ost (Ernst-Reuter-Platz 1 A) und von 3. bis 14. Juli im Rathaus (Konrad-Adenauer-Straße 2-4). Mitreden können Bürger auch wieder am 7. Juli bei einem Info-Tag am Bahnhof.