Sportflächenentwicklung Dachaus Sportvereinen geht der Platz aus

Fußball liegt auf Platz 2 der am meisten ausgeübten Sportarten in Dachau. Etwa 1600 Vereinsmitglieder spielen regelmäßig. Hier ein Spiel der Bayernliga Süd, der TSV 1865 Dachau tritt gegen den SV Türkgücü-Ataspor an.

(Foto: Toni Heigl)

Laut einer Studie benötigen die Dachauer Sportvereine mehr Fläche, die Teilnehmerzahl nimmt zu. Neben den Kosten in Millionenhöhe gibt es aber noch Problem.

Von Viktoria Großmann, Dachau

Die Große Kreisstadt braucht mehr Sportflächen, sowohl drinnen als auch draußen. Die Hallen sind bis an den Rand belegt, Kapazitäten gibt es kaum noch. Die Stadt Dachau hat sich eine umfassende Studie geleistet, die aufzeigt, welchen Bedarf die Vereine haben und wie die Zukunft des Sports in Dachau aussehen sollte. Zurück geht das auf einen Antrag der SPD, die sich ein solches Grundsatzwerk von einem entsprechenden Büro gewünscht hatte. Die Gruppe Planwerk aus Berlin erhielt den Zuschlag und stellte im Haupt- und Finanzausschuss den 81 seitigen Bericht vor. Interessant sein dürfte das definitiv für jene 23 Prozent der Dachauer, die Mitglied in einem Sportverein sind. Heinz Tibbe, der Autor der Studie, stellte zweierlei fest: Derzeit liegt die Stadt bei den Flächen jeweils unter dem Soll, durch ihre Planungen zur Ausdehnung von Sportflächen kann sie aber fast das richtige Maß erreichen. Rechnerisch liegt der Bedarf an Innenraumflächen bei 20 500 Quadratmetern - es fehlen 3000 Quadratmeter. Wenn nun die Stadt tatsächlich alle geplanten Gebäude realisiert, ist sie für eine Einwohnerzahl bis mindestens 50 000 gut gerüstet. Dafür braucht es: die neue Georg-Scherer-Sporthalle am ASV in Dachau Süd, die neuen Hallen für den TSV auf der Ostseite der Theodor-Heuss-Straße, zwei neue Schulturnhallen und eine neue Eissportfläche. Insgesamt Investitionen in mehrstelliger Millionenhöhe.

Gut sieht es bei den Außensportanlagen aus. Im Bestand hat Dachau 162 000 Quadratmeter, damit könnte die Stadt schon jetzt mehr als 50 000 Einwohner zufrieden stellen. Allerdings zieht der Experte von dieser Zahl etliche Quadratmeter ab, weil sich darunter viele Naturrasenplätze befinden, die nur eingeschränkt nutzbar sind. Nötig sind mehr Kunstrasenplätze, so die fachmännische Einschätzung - Wasser auf die Mühlen der Sportvereine.

Die meisten Sportler in Dachau betreiben Gymnastik, Turnen und Gesundheitssport

Insgesamt an 35 Dachauer Sportvereine, darunter zehn Schützenvereine, hat das Büro Fragebögen versandt, um herauszufinden, was die Sportler brauchen oder sich wünschen. 25 Vereine haben geantwortet. Laut Angaben der Vereine sind 86 Prozent der insgesamt 10 187 Mitglieder auch aktive Sportler. Eine Angabe, die der Autor der Studie in leichte Zweifel zog, weil etwa der ASV mit seinen 3719 Mitgliedern eine hundertprozentige Aktivenquote angegeben hatte. Die meisten Mitglieder, mehr als 40 Prozent, sind unter 18 Jahren alt. Weitaus am meisten, etwa 2800 Menschen, betreiben Gymnastik, Turnen und Gesundheitssport. Man darf annehmen, dass hier viele Sportlerinnen aktiv sind. Die Teilnehmerzahl nimmt zu. Fußball liegt mit etwa 1600 Aktiven auf dem zweiten Platz. Laut Sportreferent Günter Dietz (CSU), der aktuelle Zahlen vom bayerischen Landessportverband BLSV verlas, ist die Zahl der Fußballer in den vergangenen Jahren etwa gleich geblieben. Leicht verringert haben sich die Zahlen beim Tennis, der Radsport konnte ein paar Fans gewinnen.

Die Nachfrage nach Sportangeboten, die laut ASV in allen Bereichen und laut TSV vor allem beim Kindersport und Parkour zunimmt, macht den Ehrenamtlichen zu schaffen. Acht Vereine klagten über eine Überlastung der Ehrenamtlichen, 13 gaben an, Schwierigkeiten zu haben, Freiwillige zu finden. Auch qualifizierte Trainer und Übungsleiter ausfindig zu machen ist nicht einfach, sieben Vereine tun sich schwer. Insgesamt meldeten 18 der 25 Vereine, die sich an der Befragung beteiligten, Personalprobleme. Dazu zählten sie auch den steigenden Verwaltungsaufwand etwa in der Jugendbetreuung und zu wenig passende, oft zu aufwendige Ausbildungsangebote.

Der Platz ist knapp

Immerhin schätzten elf Vereine ihre finanzielle Situation als gut ein, einer sogar als sehr gut. Nur jeweils drei als ausreichend oder gar schlecht. Welche das waren, wurde nicht offenbart. Zwölf Vereine kooperieren mit anderen Einrichtungen und zwar in sehr viele Richtungen, zuallererst mit anderen Sportvereinen, vor allem aber mit Schulen und Kindergärten. Das betrifft häufig die gemeinsame Nutzung von Sportflächen. Fachmann Tibbe sieht bei der Nutzung der Sportflächen noch ein paar Möglichkeiten der besseren Organisation. So sollten Senioren möglichst in die Nachmittagsstunden ausweichen, wenn am wenigsten los ist. Hallen könnten bis abends 23 Uhr geöffnet sein und Schulen und Vereine könnten sich noch besser abstimmen.

Wie knapp allerdings der Platz ist, zeigt die Feststellung, dass von allen erhobenen Räumen, eigentlich nur der Gymnastikraum der Sporthalle der Grundschule Augustenfeld noch echte Kapazitäten hat. Eine Bemerkung dürfte die SPD freuen, die kürzlich einen Antrag für Calisthenics-Flächen gestellt hat. Diese Sportart - eine Art rhythmische Gymnastik, für die es eigentlich keine Geräte braucht - sagte Heinz Tibbe, stoße landauf landab auf "reißende Nachfrage".