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Sport verbindet:Fairness gewinnt

Ob die Indersdorf Saints der Realschule Indersdorf (weiß) gewinnen oder das Team Banger der Mittelschule Karlsfeld (blau), ist gar nicht so wichtig.

(Foto: Toni Heigl)

Beim Streetball-Turnier an der Mittelschule Karlsfeld messen sich Mädchen und Jungs aus verschiedenen Schulen. Organisator Christian Steinberger will so Vorurteile abbauen und bei den Jugendlichen Begeisterung für Sport wecken

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Für die Karlsfelder Mittelschüler ist es das Highlight des Jahres - zumindest für die Sportbegeisterten. Seit Wochen fiebern sie schon auf das alljährliche Streetball-Turnier hin. Nicht alle werden daran teilnehmen können, denn nur eine begrenzte Zahl von Mannschaften ist zugelassen. Damit die Auswahl gerecht ist, richtet Organisator und Sportlehrer Christian Steinberger jetzt einen Ausscheidungswettkampf an seiner Schule aus. Vor allem die Buben brennen für Streetball. Aber auch immer mehr Mädchen zeigen Interesse an der Sportart. Das freut Steinberger, denn das Turnier steht unter dem Motto "Sport verbindet" - und zwar in jeder Hinsicht. So muss in jeder Mannschaft mindestens ein Mädchen mitspielen.

Aber mit dem Turnier sollen auch andere Brücken geschlagen werden. Steinberger hofft, dass auch Gymnasiasten und Realschüler mitmachen sowie die Elisabeth-Bamberger-Schule. Auch die Teilnahme von Gehörlosen von der Samuel-Heinicke-Realschule sei 2014 und 2015 eine gute Erfahrung gewesen. "Es schadet den Schülern nicht, wenn sie über den Tellerrand hinausschauen", sagt der Sportlehrer. Für ihn steht Fairplay und Inklusion im Mittelpunkt, nicht das Gewinnen. Umso mehr freut er sich, wenn die Schüler am Ende eines Turniertags plötzlich feststellen: "Die vom Gymnasium sind ja voll nett." "Es ist gut, wenn sie an den Klischees arbeiten", sagt Steinberger schmunzelnd. Auch das Spiel mit Gehörlosen ist für die meisten eine völlig neue Erfahrung - und keine schlechte. Noch bis zum Mittwoch, 11. Juli, können sich Interessenten anmelden. Fest zugesagt haben bislang die Mittelschulen Markt Indersdorf und Dachau-Süd sowie die Realschule Dachau. Doch die Veranstalter hoffen auf noch mehr Teams. Insgesamt können 64 Aktive teilnehmen.

Brücken schlagen will dieses zwölfte Streetball-Turnier auch mit seinem Rahmenprogramm. So erwartet die Mittelschule Karlsfeld die Vizeweltmeisterin und Paralympics-Teilnehmerin Laura Fürst. Ihre Sportart ist Rollstuhlbasketball. Zusammen mit ihren Vereinskameraden vom RBB Iguanas München wird sie am 18. Juli im Rahmen des Turniers einen Workshop anbieten, indem sie ihren Sport vorstellt. Wer will, kann dann probieren, vom Rollstuhl aus Körbe zu werfen, zu passen oder auch einfach mal damit herumzufahren. Für die Schüler wird es sicher eine völlig neue Erfahrung sein, mal Sport aus diesem Blickwinkel zu machen.

Spannend dürfte auch der Auftritt des Trial-Mountainbike-Fahrers Andreas Strasser werden. Er ist seit Kurzem Deutscher Meister in dieser Trendsportart und wird den Streetballern eine Kostprobe seines Könnens geben.

Steinberger ist für seine Schüler immer wieder auf der Suche nach neuen Sportarten. Sie sollen möglichst viel kennenlernen, damit sie sich vielleicht für das ein oder andere begeistern. "Unsere Kinder bräuchten eigentlich viel mehr Bewegung als sie kriegen", sagt der Sportlehrer. Das war auch der Grund, weshalb er 2006 zusammen mit seinem Kollegen Andreas Bauer das Streetball-Turnier initiierte. Die Jugendlichen waren sofort Feuer und Flamme. Streetball kommt aus Amerika und ist cool - "und den Korb zu treffen macht glücklich", weiß Steinberger. Um das zu schaffen, müsse man schon etwas Biss haben. Motivieren kann man die Jugendlichen aber nur, wenn man den Nerv der Schüler trifft. Beim Streetball ist das gelungen.

Das Turnier war innerhalb weniger Jahre weit über die Schule hinaus bekannt und hat inzwischen viele Anhänger. "Das Gute an der Sportart ist einfach, dass man nicht viel dafür braucht. Man kann im Pausenhof vor der Garage oder im Hinterhof spielen", sagt Steinberger, und das sei bei seinen Schülern wichtig. Inzwischen habe das Turnier auch schon ein relativ hohes Niveau erreicht.

Seit einiger Zeit geht Steinberger mit einer Gruppe von Schülern auch klettern. Seit Herbst hat er mit einer Mountainbike-AG angefangen. Dafür hat die Schule 15 Mountainbikes und dazugehörige Helme in einheitlichen Farben bekommen. Allein für diese AG steht er mit der Soli Dachau in engem Austausch. Steinberger hofft, dass sich einige Schüler bei der Show von Andreas Strasser begeistern lassen. Der Sportler will zeigen, wie er mit dem Mountainbike über Hindernisse springt, dass er auf einem Rad stehen kann oder allein auf dem Vorderrad fährt. Manche Manöver scheinen geradezu waghalsig, etwa wenn er über Geländer gleitet. "Es ist alles eine Frage der Geschicklichkeit, der Kondition und von Kraft", sagt Steinberger grinsend. Er freut sich schon auf die Show.

© SZ vom 05.07.2018
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