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Schönbrunn:Prozess gegen Pfleger beginnt

Ein Mitarbeiter soll eine behinderte Frau im Franziskuswerk vergewaltigt haben. Nun droht ihm eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren

Ein 52-jähriger ehemaliger Mitarbeiter des Franziskuswerks muss sich am Donnerstag nächster Woche wegen des Vorwurfs des schweren sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Person vor dem Landgericht II verantworten. Laut der Staatsanwaltschaft soll sich der frühere Pfleger des Franziskuswerks in Schönbrunn während eines Nachtdiensts im August 2014 an einer 28-jährigen Bewohnerin vergangen und sie geschwängert haben. Die Frau ist schwer behindert. Sie kann sich nicht verständlich äußern und benötigt Hilfe in allen Lebenslagen, so etwa auch beim An- und Ausziehen. Durch ihre Behinderung ist sie auch nicht in der Lage, sich körperlich gegen Übergriffe zu wehren. Der Pfleger muss sich dessen bewusst gewesen sein, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München II der SZ  sagte.

Da die behinderte Frau von einem Vergehen gegen sie nicht berichten kann, wäre die mutmaßliche Vergewaltigung ohne die Schwangerschaft wohl nicht ans Licht gekommen. Doch im Februar 2015 bemerkten Angestellte des Franziskuswerks den Zustand der Frau. Daraufhin schaltete die Einrichtung die Polizei ein. Im Mai dieses Jahres brachte die Frau das Kind zur Welt. Ein DNA-Test bestätigte, dass der nun angeklagte Mann aus dem Landkreis Pfaffenhofen der Vater ist. Seit Juni 2015 sitzt er in Untersuchungshaft. Zu den Vorwürfen schweigt er. Im Fall einer Verurteilung muss der mutmaßliche Täter mit einer Haftstrafe von zwei bis 15 Jahren rechnen.

Der Missbrauchsfall löste Entsetzen und Verunsicherung unter den 1500 Mitarbeitern des Franziskuswerks ebenso wie unter den 850 betreuten Bewohnern aus. Als Reaktion auf den Vorfall hat die Einrichtung die Stelle einer Missbrauchsbeauftragten geschaffen, die nun als Ansprechpartnerin dient. Zudem wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die Abläufe im Franziskuswerk unter die Lupe nimmt, um sexuelle Gewalt künftig zu verhindern, und mögliche frühere Übergriffe zutage zu fördern. Es seien jedoch keine weiteren Missbräuche entdeckt worden, teilte Tobias Utters, Sprecher des Franziskuswerks, mit. Nächste Woche legt die Arbeitsgruppe der Geschäftsleitung ihren Bericht vor, der auch Vorschläge zur Prävention von Übergriffen enthalten soll. "Anschließend werden wir über konkrete Maßnahmen entscheiden, um das Vertrauen von Mitarbeitern, Betreuten und Angehörigen wieder herzustellen", erklärt Utters.

© SZ vom 19.11.2015 / SJAN

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