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Saga zwischen Fantasie und Realität:Große Gefühle

Der vierte Band der Kashmir-Saga von Ingrid Zellner und Simone Dorra

Sieben Bände soll die Kashmir-Saga der Dachauer Schriftstellerin Ingrid Zellner und ihrer Co-Autorin Simone Dorra am Ende umfassen. Und die Fans erwarten mit Ungeduld jeden Fortsetzungsband. Mit dem jüngst erschienen "Band aus Stahl" sind die Autoren nun sozusagen in der Mitte ihres Epos angelangt. Fans der Kashmir-Saga werden von diesem neuen Band ganz bestimmt nicht enttäuscht sein. Es finden sich darin die altbewährten Ingredienzien wieder: kannenweise Chai, große Gefühle zwischen seliger Harmonie und abgrundtiefer Verzweiflung, exotischer Zauber und schockierende Gewalt, mit denen der Leser wie bei einem Kneippbad abwechselnd übergossen wird und die ihm in einigen Passagen fast den Atem nehmen.

Ingrid Zellner und Simone Dorra, ein bewährtes Autorinnenduo, haben wieder mal einen Page-Turner vorgelegt, der trotz seines Umfangs von stolzen 520 Seiten recht flott zu lesen ist. Den Hauptfiguren - der Ex-Agent Vikram Sandeep und der zu Unrecht verurteilte Ex-Sträfling Raja Sharma und nicht zu vergessen ihre patenten Frauen - mangelt es nicht an Feinden in diesem Weltmix aus Fantasie und Realität; die Feinde haben sie schon in den vergangenen Bänden des Werks in Armeestärke gesammelt. Die Handlung ist eingebettet in den politisch-religiösen Großkonflikt zwischen Indien und Pakistan, in einem Klima von Korruption und Gewalt, vor allem gegen Kinder und Frauen.

Diesmal ist der Gegenspieler ein ruchloser Apparatschik des Polizeiapparates, der die Freundschaft der Romanhelden auf eine Probe stellt, die kaum zu bestehen ist. Außer die Freundschaft hält wie ein "Band aus Stahl" - um diese Frage dreht sich der Roman.

Über die Handlung soll aber an dieser Stelle noch nicht zu viel verraten werden, aber wer die vorangegangenen Bände gelesen hat, weiß, wie virtuos die beiden Autorinnen Konflikte aufbauen und geschickt miteinander verknüpfen und schließlich auflösen. Das ist dieses Mal nicht anders, allerdings findet man im vierten Band eben viele Zwickmühlen, die man so oder so ähnlich auch schon in vorangegangenen Bänden gelesen hat. Dem Lesespaß tut das keinen Abbruch, wirklich große Überraschungen darf man sich aber auch nicht erwarten.

Der Schreibstil ist gefällig und angenehm zu lesen, den Autorinnen merkt man an, dass sie sich wirklich für den Schauplatz und die Menschen ihrer Geschichte interessieren. Kritische Leser werden manche Szene und Charaktere dennoch etwas platt und klischeehaft finden. Wer seinen Lieblingshelden zusehen will, wie sie ein weiteres Mal dem Bösen die Stirn bieten, wird sich daran aber wohl kaum stören.

Simone Dorra / Ingrid Zellner: Ein Band aus Stahl: Band IV der Kashmir-Saga, tredition, 520 Seiten, 19,99 Euro, auf Kindle 4,99 Euro.

© SZ vom 20.12.2019
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