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Rosensiedlung Petershausen:Ein neues Viertel mitten im Ort

Der Gemeinderat Petershausen stimmt der überarbeiteten Planung für das Wohngebiet Rosenstraße am Bahnhof zu. In das neue Konzept fließen Vorschläge von Bürgern ein, die in einem Workshop erarbeitet wurden - darunter eine verkehrsberuhigte Erschließung. Die CSU lehnt die massive Bebauung ab

Jetzt ist der Startschuss gefallen für das künftige Wohngebiet Rosenstraße. "Eines der ganz großen Projekte in unserer Gemeinde", wie Bürgermeister Marcel Fath (FW) betont. Einen aktualisierten städtebaulichen Entwurf für die Entwicklung des fünf Hektar großen Areals billigte der Gemeinderat in einer Sondersitzung am Donnerstag mit großer Mehrheit. In das Konzept für ein neues, lebendiges Viertel mitten im Dorf, das nach der Idee von Bürgern nun "Rosensiedlung" heißen soll, waren vom Tübinger Planungsbüro Eble Messerschmidt Partner kurzfristig noch Änderungen eingearbeitet worden. Die hatten im Oktober engagierte Petershausener in einer gut besuchten Planungswerkstatt entwickelt. Weitere 48 Bürgerempfehlungen aus diesem Workshop sollen im weiteren Lauf der Bebauungsplanung genauer geprüft werden. Auch die nächsten Schritte wurden festgezurrt: Sofort wird auf Grundlage des vorliegenden Konzepts ein Bebauungsplanverfahren starten. Alle Entscheidungen wurden mit der deutlichen Mehrheit von Freien Wählern und SPD getroffen. Die CSU-Gemeinderäte, die am vorliegenden Konzept von Anfang an fehlende Parkplätze, zu hohe Baudichte und Gebäudehöhen kritisiert hatten, blieben bei ihrer Ablehnung und stimmten mit Nein.

Neues Quartier

Der Durchgangsverkehr soll draußen bleiben.

(Foto: Eble Messerschmidt Partner)

Nicht alle Stühle, die im großen Pfarrsaal für Besucher bereitstanden, waren besetzt. Doch gut 40 Zuhörer verfolgten die Sondersitzung zum Projekt Rosensiedlung. Dieses Interesse überrascht nicht, geht es doch um die Entwicklung von zentralen Flächen mitten im Ort, um das Gesicht eines neuen Viertels nahe am Bahnhof. Ein Mix von Wohnformen ist dort geplant, dazu Gastronomie, öffentliche Plätze, Co-Working-Einheiten und eine Mobilitätsstation am Zugang zum S-Bahnhof. Zu diesem zentralen Vorhaben haben Petershausener in einem Bürgerworkshop mehr als 300 Empfehlungen und Anregungen erarbeitet. Das Team um Workshop-Moderatorin Gisela Wachinger sortierte alle Vorschläge thematisch, Experten und Verwaltung prüften. So entstand eine "grüne" Liste mit 19 Anregungen, die nach dem Placet des Gemeinderats nun sofort ins Konzept einfließen. Darunter das klare Votum zur verkehrsberuhigten Erschließung, die eine Durchfahrt durchs neue Viertel nicht erlaubt. Eine Variante, "die Sinn macht, weil in den zentralen Lebensräumen weniger Verkehr fließen wird", so Architekt Lambrecht. Auch wurde auf Anregung der Bürger bei den geplanten vierstöckigen Gebäuden das obere Geschoss mit umlaufender Dachterrasse von der Fassade zurückgezogen. So soll die dominante Wirkung gegenüber den angrenzenden Einfamilienhäusern reduziert werden. Auf einer "gelben" Liste stehen 48 Anregungen mit teils sogar widerstreitenden Ideen, die im Laufe der Planung diskutiert und geprüft werden. Dieses Vorgehen fanden die Gemeinderäte mehrheitlich gut, die CSU stimmte jedoch mit Nein. Ein Antrag von CSU-Gemeinderat Günter Fuchs, jeden Bürger-Vorschlag separat zu beraten und abzustimmen, war zuvor mehrheitlich abgelehnt worden.

Neues Quartier

Die Ortsmitte von Petershausen bekommt mit der Rosensiedlung ein neues Gesicht.

(Foto: Eble Messerschmidt Partner)

Während bei den Freien Wählern und der SPD breiter Konsens zum Konzept herrschte, beharrt die CSU-Fraktion auf ihrer Kritik, mit der sie das Vorhaben von jeher begleitet. Vier Stockwerke seien zu viel, "trotz zurückgesetzter oberer Etage", erklärte Günter Fuchs (CSU). Sein Fraktionskollege Gerhard Weber monierte zu wenige Besucherparkplätze, die Baudichte und damit eine zu große Zahl an künftigen Bewohnern. Tatsächlich war zu Beginn der Planung von 700 Menschen die Rede, die einmal in der Rosensiedlung leben würden, nach dem durchschnittlichen Landkreiswert von 2,1 Bürgern je Wohneinheit kalkuliert sind es 520. Der Faktor drei komme aus dem Verkehrsgutachten, das den maximal denkbaren Verkehr annehme, erklärte Rathauschef Fath. Doch in eine neue Siedlung "ziehen Familien mit Kindern, da ist der Faktor drei das Minimum", sagte Weber. Mit seinen immer gleichen Argumenten versuche Weber nur "Ängste zu schüren", hielt ihm Wolfgang Stadler (SPD) entgegen, der dafür plädierte, "sachlich zu bleiben". In seiner Wohnanlage mit 14 Parteien lebten 27 Leute.

700 Bewohnerinnen und Bewohner

waren für die Rosensiedlung zunächst eingeplant. Kalkuliert wurde mit drei Bürgern je Wohneinheit. Der Wert kommt aus dem Verkehrsgutachten, das vom maximal denkbaren Verkehr ausgeht. Im Landkreisdurchschnitt leben 2,1 Bürger in einer Wohneinheit.

Überall werde die Verantwortung zur Flächensparsamkeit diskutiert, so Bürgermeister Marcel Fath (FW). Unverantwortlich und nicht mehr zeitgemäß sei es daher, "an romantisierten Einfamilienhäusern festzuhalten, weil dann weniger Menschen zu uns kommen." Mit Nein stimmte die CSU auch gegen die Übernahme der Bürgeranregungen. "Schade, dass so mit dem Ergebnis der Planungswerkstatt umgegangen wird", beklagte FW-Fraktionsvorsitzende Andrea Stang. Tatsächlich greift die CSU aber auch die Kritik von 560 Bürgern auf, die sich noch vor dem Workshop per Unterschriftenliste gegen Gebäude mit vier Etagen und die geplante Baudichte geäußert hatten. "Diesen Stimmen kommen hier zu wenig vor", beklagte Albert Kirmair (CSU).

Das Projekt an der Rosenstraße stößt bei den Bürgern auf großes Interesse.

(Foto: Toni Heigl)

Das sehen nicht alle Petershausener so. Der Rathauschef erhielt Applaus aus den Zuhörerreihen für seine Anmerkung, die Kritiker hätten zum Workshop kommen sollen, "um sich selber schlau zu machen und im Zweifel danach zu unterschreiben". Letztlich konnte sich die CSU-Fraktion mit der Kritik nicht durchsetzen. Der städtebauliche Entwurf wurde in seiner aktualisierten Form beschlossen.

Das aktuelle Konzept kann unter www.petershausen.de im Bürgermeister-Blog eingesehen werden.

© SZ vom 18.01.2020
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