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Röhrmoos:Unvergesslicher erster Eindruck

Neun Studierende von der August Everding Theaterakademie in München bestritten das Programm mit Hits aus My fair Lady und Das Phantom Oper.

(Foto: Toni Heigl)

Die Open-Air-Musical-Gala in Schönbrunn ist ein würdiger und sehr unterhaltsamer Nachfolger der Sinfonischen Sommernacht.

Aus und vorbei ist es mit der Sinfonischen Sommernacht in Schönbrunn. Eine erste Musical-Sommernacht hingegen schlug beim Publikum ein wie ein Blitz, und sie hielt, was ihr programmatischer Titel versprach: "A Night we'll never forget". Unvergesslich war der Abend - er begann um 20 Uhr und endete erst eine halbe Stunde vor Mitternacht - tatsächlich. Er fegte alles hinweg, was je eine Schönbrunner Sommernacht ausgemacht hat. Erst nachträglich, wieder etwas zur Besinnung gekommen, stellte man fest, dass auch die Sinfonischen Sommernächte unter der Leitung von Jaroslav Opela unvergleichliche Höhepunkte hatten.

Schönbrunn wurde vom Musical erobert, obwohl es gar kein Musical zu sehen gab, sondern - viel effektvoller und mitreißender - eine von höchst talentierten Studierenden der Theaterakademie August Everding in München hoch professionell gestaltete Gala-Show aus Highlights der Musical-Produktion angefangen von Fünfzigerjahren bis ins 21. Jahrhundert. Stücke aus dem Welterfolg "My Fair Lady" waren dabei, der 1956 Premiere hatte und es dann allein am Broadway zu 2717 Vorstellungen brachte und alle Aufführungsrekorde brach, wie auch aus neueren Erfolgsmusicals wie "Les Miserables".

Modernes Gesamtkunstwerk

Das Musical ist letztlich eine auf Serienaufführungen ausgerichtete amerikanische Gattung des musikalischen Unterhaltungstheaters. Das wurde an diesem Abend mit Hits aus bekannten Musicals wie neben den genannten auch "Das Phantom der Oper" und "Elisabeth" bis zu einigen bei uns weniger bekannt gewordenen Werken, die aber alle ihren Broadway-Serienerfolg hatten, deutlich. Vieles klingt ähnlich, denn an der Musical-Masche der Musik wurde fleißig weitergestrickt - meist mit durchschlagendem Erfolg.

Das Musical ist ein modernes Gesamtkunstwerk, bei dem Sprache und Musik, Gesang und Tanz, Ausstattung und Beleuchtung ein Ganzes bilden. Der Beleuchter im Hintergrund, Andreas Köttwig, mit seinen Lichteffekten und noch mehr der Tonmeister Christian Nowas an seinen Mischpulten sind genauso wichtig wie die Akteure auf der Bühne; denn gesprochen und gesungen wird ausschließlich über Mikrofon, Verstärker und Lautsprecher. Alle Darsteller haben ein kleines Mikrofon vor den Lippen, was zwar nicht gut aussieht, aber ungemein effektvoll ist.

Ausgezeichnete Sänger

Die Kunst der Musical-Darsteller besteht, was den Gesang betrifft, in der richtigen Art ins Mikrofon zu singen, nämlich so, dass die Lautsprecher hinreißende, begeisternde Töne ausspucken können. Valerie Luksch aus Wien, Isabella Neulist (Halbfranzösin), Valentina Inzko Fink aus Klagenfurt, Laura Pfister und Lisa Rothhardt aus Nürnberg sowie Claudio Gottschalk-Schmitt aus Wiesbaden, Robert Lankester aus Freiburg, der Schweizer Nicolo Soller und der Südtiroler Johannes Osenberg beherrschen diese Kunst im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnet. Dafür spricht, dass es die meisten von ihnen beim Bundeswettbewerb in der Sparte Gesang/Musical in Berlin bis zum Finale brachten. Alle sind zwischen 21 und 25 Jahren jung und ungemein begabt.

Der Gesang ist aber nur die eine Seite ihrer Kunst. Was man sich als Musical-Darsteller an Körperbeherrschung und tänzerischem Können antrainieren muss, zeigten die Stücke mit Gesang und Tanz in den Choreografien von Gaines Hall und Michael Schmieder. Vor allem der virtuose Steptanz löste Beifallsstürme aus. Die Musik aber besorgte ganz allein der von Dim Schlichter am Schlagzeug und auch vom Tonmeister unterstützte technisch virtuose und ungemein ausdauernde Pianist Tom Bitterlich, der auch die musikalische Leitung innehatte. Perfektion und absolute Professionalität, das sind die technischen Voraussetzungen eines Musical-Erfolgs. Die in Schönbrunn begeisternden neun Studierenden der Theaterakademie August Everding in München dürften sie erreicht haben. Vielleicht haben wir bei der Musical-Nacht in Schönbrunn Stars von morgen erlebt.

© SZ vom 18.07.2016/gsl
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