Ringen um  Konzept für den Prinzenpark Investor blitzt mit Plänen ab

Der Karlsfelder Gemeinderat spricht sich gegen neue Wohnungen oder ein Pflegeheim auf dem Gelände westlich des Bahnhofs aus. Stattdessen sollen sich hier Einzelhandel und Gewerbe ansiedeln

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Statt im Rathaus tagen die Karlsfelder Gemeinderäte am Donnerstag erstmals vor großem Publikum im Bürgerhaus.

(Foto: Stephan Rumpf)

Auf der großen Brache westlich des Karlsfelder Bahnhofs wird weder ein großes Parkhaus noch ein Pflegeheim oder gar 180 neue Wohnungen gebaut. Der Gemeinderat hat diesen Plänen des Investors am Donnerstagabend eine klare Absage erteilt. Alle Parteien sind sich einig: Auf diesem Areal sollen Einzelhandel, Büros und emissionsarmes Gewerbe angesiedelt werden, so wie man dies bei der Bebauungsplanänderung vor etwa sechs Jahren beschlossen hatte. Laut Gutachter ist dies auch noch immer möglich.

Erlbau & Streicher hatte Ende Januar das Gegenteil behauptet. Kein Supermarkt habe Interesse, sich westlich der Bahn anzusiedeln, wenn nicht 180 weitere Wohnungen gebaut würden, erklärten die Investoren im Gemeinderat. Und auch Büros seien nicht zu vermarkten. Überall gebe es Leerstände. Deshalb sei man gezwungen umzuplanen. Daraufhin hat die Gemeinde nun einen unabhängigen Gutachter beauftragt, das Büro Cima, das diese Aussagen untersuchen sollte.

Alle Parteien sind sich einig: Auf dem Areal sollen Einzelhandel, Büros und emissionsarmes Gewerbe angesiedelt werden.

(Foto: Toni Heigl)

Ein Lebensmittelmarkt mit einer Verkaufsfläche von 800 bis 1000 Quadratmetern, wie sie Feneberg oder die Discounter Penny, Netto und Norma haben, könnte westlich der Bahn genügend Kunden finden, so das Ergebnis. Auch für einen Bäcker oder Metzger gäbe es durchaus Bedarf. Immerhin wohnten dort knapp 3300 Personen, die voraussichtlich 30 Prozent ihres Geldes dort ausgeben würden und im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich verdienen. Hinzu kämen noch ungefähr 1500 Beschäftigte, die nahe ihrem Arbeitsplatz einkaufen. Demnächst wird noch ein Gymnasium gebaut und sofern das Gelände weiterentwickelt werde, entstünden noch Büros und damit kämen mehr Kunden in das Gebiet. 200 Wohnungen mehr würden indes laut Cima kaum einen Unterschied machen, "weil dann die Zahl der Beschäftigten sinkt". "Die Gemeinde sollte am Nahversorger festhalten", schloss Susanne André von der Cima. Er sei sinnvoll und realistisch. Der Gewinn hänge freilich vom Mietvertrag ab. André erhielt viel Beifall aus dem Publikum.

Etwa 200 Zuhörer waren zur Sitzung gekommen, die meisten wohl aus dem Gebiet westlich der Bahn. Im Vorfeld hatten sie bereits per Facebook ihrem Unmut über die neuen Pläne des Investors Luft gemacht. Im Betreuten Wohnen, wo man schon lange missmutig auf die Brachlandschaft vor der Haustür schaut und einen Supermarkt in der Nähe schmerzlich vermisst, wurden bereits Unterschriften gesammelt mit dem Ziel, dass nun endlich Bewegung in den seit Jahren währenden Stillstand kommt. Vor allem aber ein Nahversorger vor die Haustür. Die Schauspielerin Monika Baumgartner, ihr Lebensgefährte Johann Böhmer und Eckart Moj übergaben Bürgermeister Stefan Kolbe am Ende der Sitzung, die ausnahmsweise wegen des hohen Publikumsinteresses im Bürgerhaus stattfand, 236 Unterschriften von den Senioren im Betreuten Wohnen.

Die Sprecher des Betreuten Wohnens (von rechts) Eckart Moj und Monika Baumgartner, Isa Sendzek, Johann Böhmer übergeben 236 Unterschriften.

(Foto: Toni Heigl)

Für Büros und emissionsarmes produzierendes Gewerbe sei Karlsfeld laut Cima zwar nicht die erste Wahl, weil das Gelände wegen der vielen Staus mit dem Auto nicht so gut erreichbar sei. Im Münchner Norden gibt es zudem einige Konkurrenz, etwa in Unterschleißheim, Garching und Neufahrn. Doch "der Karlsfelder Westen hinkt nicht meilenweit hinterher. Büros in gewissem Umfang und emissionsarmes Gewerbe ist grundsätzlich realistisch", sagte Jan Vorhold von der Cima. In München und Umgebung sei die Nachfrage nach Büros groß, besonders seit die Landeshauptstadt ihre Politik geändert habe und mit Erbbaurecht künftig anders umgehen will, so Vorhold. Noch dazu lägen die Preise unter denen in München.

"Wir rutschen in eine exorbitante Verschuldung mit diesem Haushalt, die wir nicht so einfach beseitigen können", gab Bernd Wanka (CSU) zu bedenken. Karlsfeld brauche dringend Gewerbesteuer und deshalb müsse das Ziel sein, an dieser Stelle Gewerbe anzusiedeln. Davon könne die Gemeinde nicht einfach abrücken. Auch die SPD sagte deutlich: "Wir wollen nicht, dass das, was wir beschlossen haben, bis zur Unkenntlichkeit verschwindet", so Venera Sanasone. "Wir erwarten mehr Bemühungen seitens des Investors. Ein Pflegeheim sei im Grunde auch Wohnen, bringe jedenfalls keine Gewerbesteuer, so Adrian Heim (Bündnis). Und das Parkhaus verstärke nur den ohnehin schon dichten Verkehr. Er kritisierte die "Salamitaktik" von Erlbau & Streicher, die Pläne der Gemeinde nach und nach umzuwandeln. "Es ist Zeit, dass der Investor einen Schritt auf uns zugeht und die möglichen Planungen vorantreibt", forderte Anton Flügel (Freie Wähler). Man sei ihm oft genug entgegen gekommen.

Kolbe soll nun mit dem Investor Gespräche führen, um Lösungsmöglichkeiten zu finden.