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Personalmangel auf den Löschzügen:Hilferuf der Feuerwehr

Eine Werbekampagne soll für personelle Verstärkung sorgen

Wenn es brennt, kommt sie mit lautem Tatü-Tata angefahren. Aber was, wenn sie selbst Hilfe braucht, die Dachauer Feuerwehr? Dann sorgt das zwar zunächst für längere Diskussionen im Haupt- und Finanzausschuss, schlussendlich stehen aber alle hinter ihr. Denn die Situation der Freiwilligen Feuerwehr Dachau ist durchaus brenzlig: Langsam aber sicher gibt es nicht mehr genügend ehrenamtliche Einsatzkräfte.

Seit einiger Zeit gibt es in Dachau zwar auch hauptamtliche Feuerwehrleute, doch die stemmen den Dienstbetrieb längst nicht allein, sondern werden von Ehrenamtlichen unterstützt. Würden die freiwilligen Helfer wegfallen, müssten statt aktuell 18 Hauptamtlichen 30 Feuerwehrleute eingestellt werden. Die Wachbereitschaft kann somit nur durch die kombinierte Besetzung aufrecht erhalten werden. "Das funktioniert nur durch das Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtlichen" erklärt Feuerwehrreferent Peter Strauch (CSU), der selbst aktives Mitglied bei der Feuerwehr ist. Nun aber, da das Aufgabengebiet der Feuerwehr ständig wächst und immer mehr zu tun ist, wird es laut Strauch zunehmend schwieriger, einen lückenlosen Dienstplan zu erstellen. Zwar gebe es regelmäßig rund 50 Auszubildende, mit denen man in etwa den Status Quo halten könne, für die benötigte Aufstockung sei das aber nicht ausreichend. Deshalb will die Freiwillige Feuerwehr gezielt neue ehrenamtliche Einsatzkräfte anwerben. Angedacht ist ein professionelles Marketing- und Kommunikationskonzept - oder wie Strauch es nennt eine "Mitarbeitergewinnungskampagne".

Ähnliches ließ auch die Karlsfelder Feuerwehr bereits umsetzen. Die Dachauer ließen sich von der Agentur, die auch in Karlsfeld beauftragt wurde, ein Angebot erstellen, das von Gesamtkosten in Höhe von 30 000 bis 40 000 Euro ausgeht. Ein nicht unerheblicher Betrag, wenn man im Hinterkopf behält, dass im städtischen Haushalt gerade jede geplante Ausgabe zur Diskussion steht. So fragte auch Stadträtin Anke Drexler (SPD), ob es denn überhaupt sinnvoll sei, zum jetzigen Zeitpunkt eine solche Kampagne zu starten, wenn Ausbildungen bedingt durch das Coronavirus ohnehin nicht stattfinden könnten. Der Feuerwehrreferent erklärte daraufhin, dass mit Vorlaufzeiten zu rechnen sei und es bis zum eigentlichen Start der Kampagne sicher wieder Ausbildungen geben werde. Markus Erhorn (FW) plädierte deshalb inbrünstig: "Wenn die Feuerwehr ruft, dann müssen wir ihr zu Hilfe eilen." Trotz der knappen Haushaltslage stimmten darum schließlich alle Ausschussmitglieder für die Gewährung des Zuschusses in Höhe von 30 000 Euro im Jahr 2021.

© SZ vom 27.11.2020 / jupu
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