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Ortsentwicklung:Fit für die Zukunft

Altomünster stößt als dritte Gemeinde im Landkreis ein staatlich finanziertes Ortsentwicklungsprojekt an. Die Bürger sollen miteinbezogen werden

Von Horst Kramer, Altomünster

Der Marktgemeinderat hat bei seinem Septembertreffen den Startschuss für eines der wichtigsten Zukunftsprojekte Altomünsters gegeben. Dieser Meinung ist jedenfalls Bürgermeister Michael Reiter (FWG): "Es geht um unsere Entwicklung in den kommenden 15 Jahren bis 20 Jahren. Wir wollen uns fit machen für die Zukunft." Das Schlüsselwort dafür heißt "ISEK", die Abkürzung für "Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept", ein Programm der Bundesregierung zur Bündelung von Maßnahmen und Fördermitteln. Immerhin achtzig Prozent der förderfähigen Kosten schießt der Staat zu.

Altomünster ist die dritte Kommune im Dachauer Land, die ihre Entwicklung mithilfe eines ISEK-Projekts für die Herausforderungen der Zukunft fit machen will. Die Nachbargemeinde Erdweg war Vorreiter in Sachen ISEK. Sie hat zwischen 2016 und 2019 ein 97 Seiten starkes Papier erarbeitet, in dem sowohl Entwicklungsziele als auch Maßnahmen für den Hauptort Erdweg und seine Ortsteile detailliert beschrieben sind. Es folgte die Gemeinde Hebertshausen, die ihren 109-seitigen Masterplan im September des vergangenen Jahres verabschiedete, 17 Monate nach dem Startschuss. Dabei geht es um Wohnungsbau, die Nahversorgung, Infrastrukturprojekte, die Verkehrsströme oder auch um eine Art Kulturzentrum in der Alten Holzschleiferei. Schon in den kommenden Wochen sollen erste Projekte ausgeschrieben werden, Corona-Krise zum Trotz. "ISEK ist das Beste, was uns passieren konnte", betont Hebertshausens Rathauschef Richard Reischl (CSU).

"Wir stehen mit den Kollegen in allen Rathäusern im Austausch", berichtet sein Altomünsterer Kollege Michael Reiter. Insbesondere mit Hebertshausen, weil es einige Parallelen zwischen beiden Kommunen gibt: Da wie dort drehen sich die angedachten Maßnahmen um ein verträgliches Wachstum des Hauptorts samt einem eng benachbarten Nachbarort, einschließlich der dafür nötigen Infrastruktur. Die weiteren Ortsteile sind bei beiden Kommunen vorerst kein ISEK-Thema - im Gegensatz zu Erdweg.

Eines will Reiter sofort klar stellen: "Das heißt nicht, dass wir unsere anderen Ortsteile vernachlässigen! Im Gegenteil." Er verweist auf die jüngsten Bauausschusssitzungen, in der das Gremium Nachverdichtungs-Bauvorhaben in einigen Dörfern ausdrücklich begrüßt hatte. Altomünsters Amtsleiter Christian Richter ergänzt: "Ortsentwicklung bedeutet nicht nur die Verabschiedung von Flächennutzungsplänen." Ein Folgeprojekt könnte sich zum Beispiel um das "Leben im Dorf des 21. Jahrhunderts" drehen, so Richter.

Eine zweite Botschaft ist dem Altomünsterer Rathauschef genauso wichtig: "Von uns wird es keine Vorgaben geben!" Vielmehr seien der Gemeinderat und die Bürgerschaft gefordert, gemeinsame Ziele zu erarbeiten. Mit Betonung auf "gemeinsam". "Sehr oft wird Bürgerbeteiligung als Betroffenenbeteiligung missverstanden", merkt Amtsleiter Richter an. Bei dem ISEK-Prozess stünden indes nicht Partikularinteressen, sondern die Gesamtentwicklung im Vordergrund.

In Hebertshausen wäre diese positive Dynamik zu spüren gewesen, soReischl. Die Bürgerbeteiligungsrunden nannten sich "Wirtshausgespräche", der Gemeinderat zog sich mehrfach zu Klausuren zurück - generell zeichnet sich das Hebertshausener Ortsparlament durch einen fraktionsübergreifenden Kooperationswillen aus. Mitentscheidend war die professionelle Steuerung der Projektschritte durch ein kompetentes Planungsbüro, erzählt Reischl. Aber auch die wohlwollende Begleitung durch die Behörden. Im Sommer waren zu diesem Zweck zwei Experten der Regierung von Oberbayern im Altomünsterer Gremium zu Gast: Professor Christian Schiebel vom Ressort Städtebau sowie dessen Kollegin Franziska Klepper, die Vorhaben im Landkreis Dachau betreut. Die zwei Regierungsvertreter beantworteten ausführlich die Fragen der Rätinnen und Räte. "Bei den beiden fühlen wir uns gut aufgehoben", zieht Reiter ein positives Fazit.

Der nächste Schritt ist die Findung eines einschlägig erfahrenen Planungsbüros. Dafür ist eine Ausschreibung notwendig, für die eine Kommune wie Altomünster ebenfalls externe Hilfe benötigt. Der Gemeinderat setzte daher eine überparteiliche Findungskommission ein, bestehend aus dem ersten Bürgermeister Michael Reiter, dem dritten Bürgermeister Josef Riedlberger (CSU), der Gemeinderätin Elisabeth Glas (FWG) sowie einem "Vertreter der Verwaltung", wie es im Beschluss heißt - de facto wird es dabei wohl auf Amtslieter Christian Richter hinauslaufen.

Schon am Dienstag, 6. Oktober, bei der ersten gemeinsamen Sitzung des Gemeindeentwicklungsausschusses und des neu gebildeten Umweltausschusses soll dieses Expertenbüro präsentiert werden. Gleichzeitig müssen die Anträge für die staatlichen Fördermittel ausgefüllt werden.

Reiter drückt aufs Tempo: Er schätzt, dass die Erarbeitung eines Ortsentwicklungsplans für Altomünster und Stumpfenbach vermutlich zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen wird. Anschließend geht es an die Umsetzung. Frühestens zu diesem Zeitpunkt könnte er ein weiteres ISEK-Projekt anstoßen, das sich mit der Fortentwicklung der Dörfer und Weiler im Altoland beschäftigt. Ein Konzept für das "Dorf des 21. Jahrhunderts" würde dann 2025 oder 2026 auf dem Tisch liegen - pünktlich zur Kommunalwahl 2026. Ein Problem ist freilich noch ungelöst: Wie kann eine substanzielle Bürgerbeteiligung in Corona-Zeiten organisiert werden? "Darauf fehlt uns allen noch die Antwort", räumt Reiter ein.

© SZ vom 01.10.2020

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