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Nachhilfe in Altomünster:Rechnen mit Eva Graf

Seit 16 Jahren gibt Eva Graf bereits Nachhilfe in Mathematik. Daher kennt sie die Probleme genau.

(Foto: Privat)

Wirtschaftspädagogin zeigt, wie Nachhilfe besser funktioniert

Von Lena Krafft

Schon seit jeher war Mathematik das Schulfach, das wohl die meisten zur Verzweiflung gebracht hat. Hier sind nicht unbedingt immer zahlengeplagte Schüler gemeint, sondern auch viele Eltern, die vor den Hausaufgaben des Nachwuchses sitzen wie sonst nur vor der Steuererklärung: Irgendwie ratlos. Vor allem in Zeiten von Onlineunterricht und Homeoffice mussten Eltern aber nun öfter in die Bresche springen und erklären, warum das Ergebnis 27 und nicht 7 lautet. Kopfschütteln, Augenverdreher und vielleicht sogar Tränen sind hier an der Tagesordnung.

Diesen Situationen zu Hause soll, wenn es nach Eva Graf geht, Abhilfe geschafft werden. Graf ist Mutter und ursprünglich gelernte Wirtschaftspädagogin, auch ihre Tochter hatte in der Schule Probleme mit dem Fach. Sie engagiert sich deshalb bereits seit Jahren - inzwischen auch hauptberuflich - für die Förderung von Kindern mit Mathe- oder generellen Lernproblemen. Denn nicht nur Eltern seien bei der Vermittlung manchmal überfordert, auch Lehrer hätten hin und wieder Schwierigkeiten, wenn Kindern grundlegendes Wissen fehlt, meint Graf. Und sie muss es wissen, denn 16 Jahre arbeitete sie nebenbei als Nachhilfelehrerin in der Nachmittagsbetreuung und im Förderprogramm für vor allem Mittelstufenschüler. "Die Notwendigkeit für Matheförderung ist definitiv da", sagt sie. Seit 2017 widmet sie sich ganz ihrem Ziel, Mathe einmal auf inhaltlicher Ebene, aber auch in der Kommunikation verständlicher zu machen. Dazu hat sie im Frühjahr diesen Jahres sogar einen eigenen kleinen Verlag für Lehrmittel mit dem Namen "Rechenpraxis" gegründet. Graf hält neben dem regulärem Nachhilfeunterricht für Schüler auch regelmäßig Vorträge für Eltern, Lehrer und pädagogische Fachkräfte.

Wenn man mit ihr spricht, merkt man, dass Eva Graf für das brennt, was sie tut und wie gern sie mit Kindern zusammenarbeitet: "Es ist so schön, wenn man dann Erfolge bei den Kindern sieht, auch kleine Fortschritte. Einfach unglaublich!" Deshalb hat Graf auf wissenschaftlicher Basis ein eigenes Lernmodell entwickelt, das im Wesentlichen darauf abzielt, schon von Anfang an dem Kind ein Verständnis für Zahlen und das System Mathematik zu vermitteln. Dabei ging sie zurück zu den Anfängen, denn sie merkte, wenn die Basis aus der Grundschule fehlt, haben es Kinder später umso schwerer und finden sich nicht zurecht im Zahlengewirr.

Der Überblick über das, was man denn da gerade rechne, sei das Allerwichtigste, meint Graf. Das sei auch das Erfolgsgeheimnis hinter den von ihr für Grundschüler entwickelten Lernmaterialien mit den Themen "Rechnen bis zehn", "Rechnen bis 20" und "Rechnen mit ganzen Zahlen". Diese sollen es den Kindern erleichtern, abstrakte Schritte besser zu verstehen und so ein Grundverständnis für Zahlen und Rechnungen aufzubauen. Sie bestehen aus verschiedenen, visuell und haptisch nutzbaren Teilen wie Bausteinchen oder Umrechnungsschablonen und Arbeitsheftchen mit Erklärungen und Anleitungen.

Diese Heftchen sind derzeit das vordergründige Projekt von Eva Graf, denn deren Gestaltung und Produktion lässt sich nur mit der entsprechenden Finanzierung ermöglichen. Dazu hat sie Online ein Crowd-fundingprojekt gestartet, bei dem man im Gegenzug für eine Spende die bereits bestehenden Lehrmittel als Dankeschön erwerben kann. Das Projekt lief nun am vergangenen Wochenende an. Graf hofft damit möglichst viele "Klickmomente" zu schaffen, diese Momente, in denen einem dann endlich das Licht aufgeht, was die Zahlen auf dem Papier bedeuten sollen. Egal, ob man die Schule eigentlich schon hinter sich hat oder noch nicht.

© SZ vom 18.09.2020

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