Musik und bildende Kunst verschmelzen:Tanz im Turm

Lesezeit: 3 min

Beim Blues Tower bringen drei Bands den Wasserturm zum Beben. Ihre Musik wird in Bildprojektionen übersetzt. Sie schaffen die Verbindung zu den Werken Dachauer Künstlern, die auf den vier Stockwerken zu sehen sind

Von Andreas Förster, Dachau

Musikalisch war beim dritten Blues Tower am Freitagabend fast alles dabei, was die U-Musik zu bieten hat: Der Blues sowieso, der war ja schon im Titel angekündigt. Akustik-Rock und -Pop, feinster Rock'n' Roll, eine Stimme mit viel Soul, funkige Rhythmen, eine Prise Country & Western mit einer Mandoline, die eher wie ein Banjo klang. Dazu Ausflüge in Hardrock- und Grunge-Gefilde mit wilden E-Gitarren und zum Schluss noch unglaubliche Bass und Drum-Soli. Dachaus Partyszene war entzückt. Das war ehrliche, handgemachte Musik, keine Elektronik, kein Techno aus der Konserve, trotzdem tanzbar.

Musik und bildende Kunst verschmelzen: Gastgeberin Petra Leu hatte mit mit ihrer Combo Dame Bube Krass ein Heimspiel.

Gastgeberin Petra Leu hatte mit mit ihrer Combo Dame Bube Krass ein Heimspiel.

(Foto: Toni Heigl)

Drei Bands waren am Start: Im ersten Stock ließen Dame Bube Krass mit Petra The Machine Leu an den Vocals, begleitet von Wolfgang Twelvefinger Schur an der Gitarre, Andy Groovin Kristall am Bass und Menning Clockwork Liebethal am Schlagzeug mit eigeninterpretierten Songs von Janis Joplin, Amy Winehouse oder ZZ Top die Puppen tanzen. KVD-Vorstand Johannes Karl hatte tanzende Figuren als Videoprojektion an die Wand geworfen. Die Kombination aus wummernden Beats, Petra Leus kraftvoller Stimme, die zwischen Blues und Soul changierte, und den animierten Tänzern, die nicht zufällig an die Figuren aus Saturday Night Fever erinnerten, versetzte das Publikum in Tanzstimmung.

Musik und bildende Kunst verschmelzen: Die Band Muddy What? ließ den Blues von Muddy Waters aufleben.

Die Band Muddy What? ließ den Blues von Muddy Waters aufleben.

(Foto: Toni Heigl)

Jede Band spielte, so will es das Blues-Tower-Konzept, abwechselnd je 30 Minuten, und das zweimal. Nach dem ersten Set von Dame Bube Krass, die als Band der Gastgeberin Petra Leu ein Heimspiel hat und auch schon die vergangenen zwei Jahre aufgetreten ist, absolvierten Muddy What? ihr erstes Set zwei Stockwerke drüber, danach Bowmen ganz oben. Die Gäste-Karawane pilgerte zweimal von unten nach oben und zwischendrin zur Gastronomie, die wie immer im zweiten Stock untergebracht war. Bewegung war somit garantiert, auch bei den Songs von Muddy What?, drei Musiker, Mitte 20, aus dem fränkischen Schwabach. Wer Fabian Spang (Gitarre), Ina Spang (Mandoline) und Michi Lang (Bass) hört, fühlt sich in den Bible Belt der USA versetzt, irgendwo zwischen Texas und Mississippi, wo man Cowboy-Stiefel trägt und den Blues von Muddy Waters oder Son House im Blut hat. Die drei sind gerade auf Tour, perfekt eingespielt und lassen keinen Zweifel daran, dass sie unbedingt wieder nach Dachau eingeladen werden wollen.

Musik und bildende Kunst verschmelzen: Johannes Karl und Michael Braun, Vertreter der Dachauer Künstlervereinigung, stellten ihre Werke aus.

Johannes Karl und Michael Braun, Vertreter der Dachauer Künstlervereinigung, stellten ihre Werke aus.

(Foto: Toni Heigl)

In Sachen Lautstärke hatten allerdings Bowmen aus München die Nase vorn. Markus Escher (Gitarre, Vocals), Stefan Pfaffinger (Bass, Vocals) und Christian Tilly Klaus (Drums, Vocals) machten schon rein optisch ZZ Top alle Ehre, mit langen Bärten, schrägem Hut und Sonnenbrille und ließen alsbald keinen Zweifel daran, dass sie auch akustisch aus ihren Instrumenten so viel Dampf wie möglich rausholen wollten. Zeitweilig durfte man um das Dach des Wasserturms fürchten, zum Glück hielt es der druckvollen Mischung aus Hard- und Blues-Rock stand.

Musik und Groove, das allein hätte den Veranstaltern, Kreativ-Duo Florian Marschall und Petra Leu, für ihr Format aber nicht gereicht. So präsentierten einige Dachauer Künstler ihre neuesten Werke auf den vier Stockwerken im Wasserturm: Darunter die Vertreter der KVD, Michael Braun (Siebdruck und Collagen), Johannes Karl (Ölbilder) und Florian Marschall selbst (Tusche-Zeichnungen), sowie die Nachwuchskünstler Kristina Seeholzer, Robin Modjesch (Sound-Visualisierungen mit Nitrofrottage auf Holz gedruckt) und Alexander Rihhi (Objektkunst). Es gab auch eine Liste mit den Namen der Aussteller, den Titeln und Preisen. Verkauft wurde aber nichts, bedauerte Petra Leu: "Der Fokus der Gäste lag auf der Musik. Viele haben sich die Exponate interessiert angesehen, aber wenigen war wohl bewusst, dass sie sie auch kaufen konnten." Dennoch war es insbesondere für Kristina Seeholzer, die vor Kurzem ihr Studium zur Grafikdesignerin abgeschlossen hat, und für den Fotografen Alexander Ullrich, der sich Rihhi nennt, eine gute Gelegenheit, ihre Kreationen der Öffentlichkeit vorzustellen.

Die eingangs erwähnten Live-Visuals gehörten als drittes Element zum Konzept des Abends. Sie stellten den "missing link", die Brücke zwischen den bildenden Künstlern und den Musikern dar. Jede der drei Bands bekam einen Visual-DJ an die Seite gestellt, der ihre Musik direkt in Bild-, -Licht- und Laser-Projektionen übersetzte. Das kam Kristina Seeholzer gerade recht, denn zu ihrer Bachelor-Arbeit gehörte ein Soundcube, in dem ein Membran, ein Spiegel und ein Laser befestigt sind, die sich zum Takt der Musik, in diesem Fall von der Band Bowmen, bewegen und Ellipsen in allen Variationen an die Wand über der Bühne projizieren. Florian Marschall gelang es, mithilfe von klassischen Overheadprojektoren und einem Gemisch aus Farbe und Babyöl, verteilt auf Glasteller, die wie Plattenteller auf der Leuchtfläche der Projektoren standen und gedreht werden konnten, den Songs von Muddy What? eine schillernde Ästhetik zu verleihen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB