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Münchner Unternehmen zieht in die Glonntalgemeinde:Hohe Belastung für die Kläranlage

Die Kläranlage in Petershausen muss möglicherweise mit einem Pufferbauwerk nachgerüstet werden.

(Foto: Niels Jørgensen)

In Petershausen siedelt sich eine Tierfutterfirma an, die jährlich 10 000 Kubikmeter Abwasser in den Kanal spülen wird

Von Petra Schafflik, Petershausen

Das Wohl ihrer vierbeinigen Freunde liegt Tierbesitzern sehr am Herzen. Gerade auch auf eine gesunde Ernährung achten Hunde- und Katzenhalter. Der florierende Markt ist für das Tierfutterunternehmen Terra Canis wohl ein Grund, jetzt seinen Standort von München nach Petershausen zu verlagern, dort Produktion, Lager, Auslieferung und Verwaltung anzusiedeln. Das Bauprojekt, das auf einem 11 000 Quadratmeter großen Areal zentral im neuen Gewerbegebiet Eheäcker entstehen soll, beschäftigte jetzt den Bauausschuss. Denn die geplanten Gebäude halten zwar alle Vorgaben des Bebauungsplans ein. Weil die Abwässer der Futterproduktion die Kläranlage überlasten könnten, wird derzeit noch ein Gutachten erstellt. Aktuell zu klären war aber noch, wie viele Stellplätze der Betrieb bauen muss. Darüber diskutierten die Räte in einer Sondersitzung, weil der Zeitplan für das Bauprojekt eng getaktet ist. "Die Produktion in Petershausen soll im Januar 2019 starten", erklärte Bürgermeister Marcel Fath (FW).

Auch wenn es dazu noch nichts zu entscheiden gab, interessierten sich die Räte zunächst für die Abwasser-Thematik. Denn das Unternehmen, das bis zu 10 000 Tonnen Hunde- und Katzenfutter jährlich herstellen will, wird jährlich 15 000 Kubikmeter Frischwasser benötigen, zwei Drittel davon wieder als Abwasser in den Kanal spülen. Weil ein großer Teil nach dem täglichen Reinigungslauf der Produktionsanlagen "in einem Stoß" abgelassen wird, könnte ein Pufferbauwerk notwendig werden. "Dieses Wasser wird wegen der Reinigungsmittel auch sehr phosphathaltig sein", erklärte der Bürgermeister. Unklar ist dagegen die Qualität des übrigen Abwassers. "Vergleichswerte gibt es nicht", so Fath, weil das Unternehmen anders als andere Tierfutterproduzenten keine Fleischabfälle, sondern ausschließlich Frischfleisch verarbeite. Ein Gutachter berechnet jetzt auf Basis der bestehenden Produktion in München die sogenannten Einwohnergleichwerte als entscheidende Kennzahl für die Klärung der Abwässer. Auf dieser Basis wird die Gemeinde dann per Sondervereinbarung regeln, ob das Unternehmen das Abwasser selber vorreinigt oder sich finanziell an einer möglicherweise notwendigen Aufrüstung der gemeindlichen Kläranlage beteiligt. Sobald das Gutachten vorliegt, wird der Werkausschuss beraten und entscheiden. "Das sollten wir sorgfältig prüfen", riet Gerhard Weber (CSU) und erinnerte an das Debakel, das die Gemeinde Odelzhausen mit ihrer Kläranlage erlebt habe.

Aktuell zu entscheiden hatte der Bauausschuss jetzt aber nur, wie viele Firmen-Parkplätze notwendig sind. Die Stellplatzsatzung legt Büro- oder Fabrikflächen der Berechnung zugrunde. Danach müsste das Unternehmen mit seinen weitläufigen Produktions- und Lagerhallen 239 Stellplätze bauen - für geplant 108 Mitarbeiter. Bei so einem "offensichtlichen Missverhältnis" reicht laut Satzung "ein Platz pro Mitarbeiter", sofern der Bauausschuss dies genehmigt. Das Unternehmen will mit 34 Mitarbeitern im Zwei-Schicht-Betrieb starten, nach der Errichtung des zweiten Bauabschnitts sollen in Produktion und Verwaltung 108 Leute tätig sein. Deshalb würden 110 geplante Parkplätze reichen, so die Verwaltung. Für Irritation sorgte aber die Zahl von "42 Frauen und 86 Männern", die Gerhard Weber einer Betriebsbeschreibung im Bauantrag entnahm. "Das sind mehr als 108, dann bräuchte es doch mehr Stellplätze." Denn ein Parkplatz pro Mitarbeiter, das gelte "günstigstenfalls", dürfe also nicht unterschritten werden. Aber einige Beschäftige werden mit der Bahn kommen, schließlich liege das Gewerbegebiet in Bahnhofsnähe, merkte Ernst Nold (FW) an. Andrea Stang verwies auf 30 geplante Radlständer. Auch suche das Unternehmen im Ort schon nach Appartements für Mitarbeiter, die "betriebsnah wohnen sollen", so der Bürgermeister. Doch Weber forderte vehement eine Festlegung, "dass Stellplätze nachgebaut werden, sobald sich die Zahl der Mitarbeiter erhöht". Diese Quote will Weber nicht nur zum Betriebsstart, sondern auf Dauer kontrolliert sehen. Das müsste dann für alle, auch bestehende Betriebe gelten, so Stang. Grundsätzlicher wurde Wolfgang Stadler (SPD). "Da werden große Töne gespuckt von wegen Nachhaltigkeit, Krokodilstränen vergossen wegen der Versiegelung der Landschaft - und dann planen wird doch autogerecht. Das ist das falsche Signal". Ein Stellplatz pro Mitarbeiter sei "das Optimum". In Petershausen gebe es zig Betriebe, die nicht für jeden Beschäftigen einen Parkplatz vorweisen könnten, schimpfte Stadler. Niemand in der Gemeinde errichte einen Parkplatz, wenn ein zusätzlicher Mitarbeiter eingestellt wird, bestätigte Bauamtsleiter Thomas Schleicher. Die von der CSU geforderte Überwachung auch in der Zukunft halte er für rechtlich wie praktisch schwierig, "das kenne ich von nirgendwo", erklärte der Bürgermeister. Schließlich billigte das Gremium einstimmig, dass 110 Stellplätze, jedoch mindestens ein Parkplatz pro Mitarbeiter, errichtet werden. Damit von Anfang an alle Fahrzeuge gut unterkommen, soll bereits im ersten Bauabschnitt Platz für 54 Autos geschaffen werden.

© SZ vom 11.08.2017
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