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Wohnungsbaukonferenz:Das große Gedränge

Teurer, höher, dichter: Auf der regionalen Wohnungsbaukonferenz für die Metropolregion in München suchen Bürgermeister und Landräte nach Lösungen für den Siedlungsdruck. Wenigstens für eine Gemeinde im Landkreis gibt es eine gute Nachricht.

Stefan Löwl ist zufrieden. Im Alten Rathaussaal München ist an diesem Tag zwar nur Symbolpolitik gemacht worden, aber zu einem wichtigen Thema: Wohnungsbau in der Metropolregion. Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat eingeladen, 400 Menschen sind gekommen: Bürgermeister, Landräte, Vertreter der Industrie- und Handelskammer, von den Verkehrsbetrieben Bahn, MVV und MVG, von Wohnungsbaugesellschaften, Naturschutzvereinen, Kirchen. Das sei ein starkes Symbol dafür, wie dringlich am Thema Siedlungsdruck gearbeitet werde, sagt Löwl. Der Dachauer Landrat (CSU) hielt einen Vortrag zum interkommunalen Verkehrskonzept Münchner Norden. Auf ein weiteres heißes Thema im Landkreis kamen andere Referenten von selbst zu sprechen: ein Gymnasium für Karlsfeld. Löwl ist darüber bereits im Gespräch mit Münchens Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD), die auch für den Bildungsausschuss zuständig ist. "Das Thema wird jetzt angegangen", sagt Löwl.

Etwas enttäuscht gibt sich Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) zur Halbzeit der mehr als vierstündigen Konferenz, die ohne Pause verlief. Er habe sich vorgestellt, dass die Bürgermeister an einem Tisch zusammenkommen und wirklich diskutieren können. Nur Vorträgen zuzuhören, findet Hartmann nicht hilfreich. Da werde doch vieles wiederholt, was bereits bekannt sei. Ein grundlegendes Problem sieht Hartmann darin, "dass zu viele Menschen unabhängig voneinander dieselben Themen bearbeiten".

Mit dieser Ungeduld wiederum ist Hartmann nicht allein. Sie ist es wohl auch, die diese 400 Menschen zusammengebracht hat - doppelt so viele wie das Planungsreferat erwartet hatte. Eine halbe Stunde vor Beginn drängen sie sich am Morgen vor dem Eingang am Münchner Marienplatz - und geben das typische Großraum-München-Bild ab: Überfüllung wohin man schaut. Darunter sind die Bürgermeister von Schwabhausen, Vierkirchen, Haimhausen, Dachau, Altomünster, Röhrmoos, Markt Indersdorf, Erdweg, Petershausen und Karlsfeld und weitere Vertreter von Stadt und Landratsamt Dachau.

Stefan Löwl

Landrat Stefan Löwl unterstützt im Alten Rathaussaal in München die Planungen für ein von Stadt und Landkreis finanziertes Gymnasium Karlsfeld.

(Foto: Michael Nagy/oh)

Viele Redner - allen voran Dieter Reiter - geben zu erkennen, dass sie konkrete Lösungen wollen: "Zwischen den Visionen muss es auch zählbare Ergebnisse geben", sagte er. Mit den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr hat es vielerorts eine sichtbare Verjüngung gegeben, nicht nur in Dachau. Diesen Generationenwechsel sieht Löwl als Motor für Veränderungen. "Wir sind pragmatischer, wir wollen die Probleme angehen und uns keine Denkmäler setzen", sagt der Landrat. Gemeinsamkeiten werden parteiübergreifend gefunden, unterschiedliche Meinungen auch parteiintern vertreten. So steht der Fürstenfeldbrucker Landrat Thomas Karmasin (CSU) ziemlich alleine da, wenn er es ablehnt, als Bauträger aufzutreten. Karmasin stellt den Reflex zur Bedarfsdeckung in Frage und versucht sich an Bedarfsverhinderung. Mit so etwas möchte sich OB Reiter nicht aufhalten: "Die Menschen stimmen mit den Füßen ab und dem muss ich mich stellen."

Auf eine Lösung können sich alle einigen: Es braucht mehr Geld. Die Frage ist, wer soll es geben? Umlandgemeinden und Landkreise wollen mehr Unterstützung von der gewerbesteuerreichen Stadt München. Diese wiederum will mehr Geld von Freistaat und Bund.

Wohnortnahe Arbeitsplätze will Marcel Fath (FW), Bürgermeister von Petershausen. Durch seinen Park-and-Ride-Platz ist Petershausen ein Durchgangsort für Pendler in die Landeshauptstadt. Wenn mehr Menschen dort arbeiten könnten, wo sie auch wohnen, gäbe es weniger Verkehr, so der fromme Wunsch Faths. Landrat Löwl setzt ganz praktisch auf den Ausbau von Nahverkehr und Autobahnen. Das Gesamtverkehrskonzept im Landkreis Dachau, in das alle Gemeinden ihre Verkehrsdaten und Bedürfnisse einbringen, sieht er als Vorbild für die Zusammenarbeit mit der Stadt München. Beteiligt werden müssten außerdem die Verkehrsbetriebe und die großen Unternehmen.

Das gemeinschaftliche Handeln ist der am häufigsten geäußerte Wunsch auf der Konferenz - zum Teil ist er schon erfüllt. Wo nicht, hat die Konferenz immerhin Anknüpfungspunkte geschaffen. Denn das wichtigste ist schließlich immer das Gespräch am Brezn-Buffet danach.

© SZ vom 19.03.2015
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