Mitten in Karlsfeld Gut gekühlte Hochzeitsgäste

Keine Gemeinde möchte, dass ihr Standesamt mit der Deutschen Bahn verglichen wird. Karlsfeld weiß, was sich gehört und ergreift Maßnahmen

Von Viktoria Großmann

Hochzeiten gehören ja zum schönsten, was eine Gemeinde ihren Bürgern bieten kann. Da geht es nicht nur um die Verbindung zweier Menschen miteinander, sondern auch mit ihrem Heimatort. Ein Tag, an dem es allen Beteiligten warm ums Herz wird. Und vielleicht etwas heiß im Hirn vor lauter Anspannung. Ins Schwitzen kommen aber Karlsfelder Paare oft nicht nur vor Aufregung. Regelrecht zusammengeschweißt fühlen sich viele nach einer Trauung an einem schönen Maientag im obersten Stockwerk des zweckmäßigen Rathauses, unter dessen Dach es unerträglich heiß werden kann.

Der mitgebrachte Champagner schaukelt traurig auf geschmolzenen Kühlakkus, aufgeregte Brautmütter reißen sich die Hüte aus der Frisur, Trauzeugen verpassen ihren Einsatz, weil sie daran denken, ihre Krawatte zu lockern. Draußen steht bereits das nächste Brautpaar und versucht hektisch, nasse Flecken unter den Armen zu kaschieren. Keine Gemeinde möchte, dass ihr Standesamt den Charme eines ICE an einem späten Freitagnachmittag im Hochsommer versprüht: keine Klimaanlage, keine Getränke, keine Sitzplätze.

Für zwei dieser Dinge trägt die Gemeinde Karlsfeld nun Sorge. Heiraten soll schöner und festlicher werden. Niemand will, dass die Braut samt Kleid und Make-up dahinschmilzt wie eine Sahnetorte in der Sonne. Brautleute sollen künftig mit kühlem Kopf unterschreiben, was sie ewig aneinander bindet. Für 5500 Euro wird die Gemeinde eine Klimaanlage im Raum fest installieren. Eine mobile Anlage, die viel günstiger wäre, kommt nicht in Frage. Denn die wäre so laut, dass kein noch so frisch heraus gesprochenes "Ja!" an die Ohren des Standesbeamten klingen würde. Um den Aufenthalt noch schöner zu gestalten, wirft die ewig klamme Gemeinde noch 30 Stühle in den Ring, äh, in den Saal. 15 000 Euro lässt sie sich den Spaß kosten. Karlsfeld ist eine Gemeinde, die weiß, was sich gehört. Ein Cola-Automat soll auch geplant sein. Und dann kommt der Vorstand der Deutschen Bahn vorbei und schaut sich das Best-Practice-Beispiel an.