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Mitten in Dachau:Schaffe, schaffe, Flößle baue

In seinem Eigenheim muss man immer mal wieder Schönheitsreparaturen vornehmen. Außer man ist eine Flussschwalbe und in Dachau daheim

Glosse von Jacqueline Lang

Keine eigenen vier Wände als Rückzugsort zu haben, ist unschön. Erst recht, wenn ein Virus wütet und gleichzeitig auch im April noch weiße Flocken vom Himmel fallen. Doch nur ein Platz zum Verweilen reicht nicht, auch gemütlich sollte es im besten Fall zu Hause sein. Schließlich soll man sich wohlfühlen, dort wo man sich niederlässt. Ab und an muss man deshalb Hand anlegen und die eigene Wohnung oder wahlweise das eigene Haus auf Vordermann bringen und ein wenig renovieren: Wände streichen, Fliesen neu verlegen, Fugen neu verspachteln, solche Dinge eben. Wer Geld hat, ruft die Handwerker. Wer keins oder wenig hat, muss selber ran.

Was für ein Menschen-Heim gilt, gilt selbstverständlich auch für Vogelnester, Fuchsbaue oder Igelbehausungen. Zahlreiche Tiere kümmern sich um ihre Wohnungsrenovierungen selbst: Fleißig werden Äste und Federn für den Nestbau gesammelt oder tatkräftig Löcher gebuddelt. Wer ganz viel Glück hat, der muss sich aber um praktisch gar nichts kümmern. So etwa im Fall der seltenen Flussseeschwalben, die sich seit ein paar Jahren auf dem Dachauer Landschaftssee tummeln. Auf der Kiesgrube neben dem Stadtweiher wurden die alten, in die Jahre gekommenen Inseln von Dachauer Mitarbeiter von Stadtgrün und Umwelt sowie des LBV gegen neu angefertigte Nistflöße ausgetauscht - wenn das mal kein Luxus ist!

Ob ihnen der Neubau gefällt oder ob sie lieber weit in ihrer etwas abgeranzten Bude genistet hätten, man kann die Flussseeschwalben leider nicht fragen, sie sind gerade ausgeflogen. Bleibt einem nur, den Hinweis der Stadt weiterzugeben: "Sind Sie am Landschaftssee unterwegs, bleiben Sie bitte auf den Wegen und nehmen Hunde an die Leine. Die Natur dankt ganz herzlich dafür!"

© SZ vom 08.04.2021
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