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Mitten in Dachau:Jacky auf Brautschau

Einsamer Edelpapagei (grüne Federn) sucht Partnerin zum Quatschen

Glosse von Jacqueline Lang

Wie furchtbar es ist, einsam zu sein, davon dürften nach Monaten der Pandemie auch viele Menschen in Deutschland ein Lied singen können. Die psychischen Folgen der nicht enden wollenden Lockdowns, sie werden die Welt wohl auch noch beschäftigen, wenn dem Coronavirus längst der Garaus gemacht worden ist. Allerdings besteht für Artgenossen der menschlichen Spezies auch in diesen schwierigen Zeiten noch die Möglichkeit, andere Menschen etwa im Supermarkt zu sehen und zumindest kurz mit ihnen zu interagieren. Und ob man es nun macht oder nicht, theoretisch ist auch das Treffen mit einer Person außerhalb des eigenen Hausstandes erlaubt. Ganz allein muss man es also auf Dauer nicht aushalten. Anders ergeht es da Jacky.

Jacky ist ein Edelpapagei. Die grün gefiederte Vogelart ist eigentlich in den Regenwäldern Neuguineas zuhause. Mit Jacky lebt aber nun mindestens ein Exemplar auch in Europa. Das ist erst einmal nicht verwunderlich und auch gar nicht weiter schlimm, auch Menschen von überall her sind mittlerweile hier zuhause. Das Blöde ist nur: Jacky ist nicht dafür gemacht, alleine zu sein. Das zumindest ist einem Post in der Facebookgruppe "Dachauer Ratsch" zu entnehmen. Offenbar wurde er nach Österreich gebracht, lange Zeit nicht artgerecht gehalten, nun aber von dem Verein Respekt Turtle gerettet. Doch nun wird verzweifelt "ein Weiberl für ihn - oder ein Platz mit Artgenossen" gesucht, denn offenbar sind Edelpapageien wie Jacky sehr selten in Europa zu finden.

Was das alles mit dem Landkreis zutun hat? Die Userin, die den Hilferuf in der Gruppe teilt, hat von einer großen, privaten Papageienhaltung gehört und hofft nun mittels Schwarmintelligenz den Halter ausfindig zu machen. Und tatsächlich ist besagter auch schnell gefunden: Josef Zacherl heißt der gute Mann. Unter dem Post schreiben aber viele andere weitere Tipps. Beim Vogelzuchtverein Dachau könne man doch nachfragen, meinen mehrere. Ein anderer glaubt zu wissen, dass die Eigentümer der Metzgerei Helfer mehrere Papageien haben.

Ob sich in der Zwischenzeit eine Artgenossin für Jacky gefunden hat, ist nicht bekannt. Auch ob er vorhat, in den Landkreis zu ziehen, ist unklar. Deshalb bleibt ihm wohl nur eines zu wünschen: Halt' die Federn steif, Jacky!

© SZ vom 17.04.2021
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