Mitten in Dachau Ewiger Ruhm den Seilbahn-Pionieren

Dachau kam zuerst auf die Idee mit der Seilbahn für den öffentlichen Nahverkehr. Das sollte für die Geschichtsbücher festgehalten werden

Von Viktoria Großmann

Dachau hatte zuerst die Idee mit der Seilbahn. Das muss in aller Deutlichkeit für die Geschichtsbücher festgehalten werden. Die Stadträte hatten längst einen Grundsatzbeschluss gefasst, als München erst anfing, Überlegungen anzukündigen. Allerdings - typisch München - mit Ministerin, Privatunternehmer, Oberbürgermeister, Pressetermin und Tschingderassabum. Und deshalb wird nun München Pilot- und Vorzeigestadt einer möglichen ersten Seilbahntrasse für den Nahverkehr sein und nicht Dachau. So sieht das in all seiner Bescheidenheit zumindest Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD). Vielleicht hätte Landrat Stefan Löwl (CSU), auch ein Seilbahn-Fan, eine irgendwie krachledernere Ansage gefunden.

Denn natürlich ist die Große Kreisstadt das wahre Referenzprojekt, da zeitlich weiterhin vorne dran. Im Umweltausschuss in dieser Woche wurde verkündet, dass aus mehreren Angebotsabgebern bereits der passende ausgesucht werde, der dann eine Potenzialanalyse erstellt. Also berechnet, wie viele Leute an welchen Orten in die Seilbahn einsteigen und dafür ihr Auto stehen lassen könnten und ähnliche Daten. Die CSU erklärte stirnrunzelnd, über Privatgrund dürfe die Bahn aber auf keinen Fall führen.

Lirumlarum, alle Wege führen nach München, wozu eine Potenzialanalyse und wozu eine Abstimmung mit der Landeshauptstadt, es handle sich doch um ein Dachauer Projekt, dröhnte Sparfuchs Edgar Forster (Freie Wähler Dachau), der sich nicht so einfach den Ruhm des Pioniers nehmen lassen will. Nun ja, Dachau ist eben Teil des MVV, bemerkte Hartmann. "Das hat sicher Zukunft", sagte Forster noch. Steckt da in den amtlichen Skeptikern und routinierten Haushaltsablehnern von den Freien Wählern etwa doch noch ein Hang zur Träumerei? Oder sollte das gar der endgültige Beweis sein, dass eine MVV-Seilbahn total vernünftig ist? Erster Ideengeber in Dachau war natürlich die Utopisten-Fraktion vom Bündnis für Dachau. Deren Vertreter staunte nur und freute sich still.