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Mitten in Dachau:Blick hinter das Meme

Der Instagram-Account "dachaumemes" erstellt Memes zu Aufregerthemen in der Stadt. Die lustigen Bildchen offenbaren aber noch ein bisschen mehr über den Ersteller als nur seine Meinung

Kolumne von Jacqueline Lang

Mittlerweile gibt es ja eigentlich für alles ein Meme. Für alle, die es nicht wissen: Memes, das sind Bilder und Videoschnipsel, meist mit einem kurzen, humoristischen Text versehen, die oftmals tausendfach geteilt durch das Internet kursieren. Auf den ersten Blick scheinen Memes triviale oder banale Artefakte zu sein, tatsächlich aber bilden sie gesellschaftliche und kulturelle Diskussionen ab. Diese kleinen, lustigen Bildchen sind aus dem Internet nicht mehr wegzudenken. Man könnte vielleicht sogar soweit gehen und behaupten: Wo kein Meme, da kein Aufregerthema.

Was die Dachauer - oder zumindest einige von ihnen - umtreibt, das kann man auf dem Instagram-Kanal "dachaumemes" verfolgen. Denn nun ja: Der Name ist Programm. Ein vergangene Woche hochgeladenes Meme zeigt eine Grafik, der man entnehmen kann, wie laut etwa ein Motorrad (100 bis 110 Dezibel) oder der Schuss einer Schrotflinte (165 Dezibel) sind. Am oberen Ende der Grafik steht "Die halbstarken Jungs, die meinen, nachts ihre lauten Autos in der Altstadt präsentieren zu müssen". Lautstärke: 194 Dezibel. Ein anderes Meme zeigt zwei Mal den Joker, einmal überlebensgroß und einmal stark geschrumpft, jeweils mit einer dazu passend großen Shisha. Über der großen Figur steht "Karlsfelder See", über der kleinen "Eisolzrieder See" und über dem Bild "Dachauer Jugend im Sommer". Die Meinung des Erstellers erklärt sich in beiden Fällen wohl von selbst. Denn das ist ja der Sinn von Memes: die eigene Meinung in komprimierter Form darzustellen.

Allerdings offenbart der anonyme Ersteller der Memes auch etwas über sich: Er ist wohl nicht mehr Teil der Jugend, die er da kritisiert. Auch wenn er - wie sie - Memes benutzt.

© SZ vom 06.08.2020
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