Mitten in Dachau Amen, äh, Prost!

Halleluja! Die Beschäftigten in der Bierbranche fordern mehr Geld. Aber wer braut dann das Helle, wenn es zum Arbeitskampf kommt. Etwa der Heilige Geist?

Kolumne von Thomas Radlmaier

Heuer fiel der Tag des Bieres passenderweise auf den Dienstag, den ersten Tag nach Ostern. Passend deshalb, weil Bier hierzulande für viele Menschen fast so heilig ist wie der Herrgott im Himmel. Fundamentaltrinker haben zum Beispiel das gotteslästerliche Gebet namens "Bier Unser" erfunden: "Mein Rausch komme, mein Filmriss geschehe, wie im Bierzelt so auch in der Kneipe ..." Amen, äh, Prost!

Die Auferstehung des Bieres datiert auf den 23. April 1516. Damals verkündete der Vertreter Gottes auf Erden, der bayerische Herzog Wilhelm IV., auf einem Landständetag in Ingolstadt: Bier darf nur aus Wasser, Hopfen und Gerste bestehen. Das Reinheitsgebot. Heute, genau 503 Jahre später, dürften die Brauereibosse zufrieden sein mit ihren Jüngern. Der Bayerische Brauerbund beziffert den Pro-Kopf-Verbrauch im Freistaat auf 135 Liter pro Jahr. Die Einwohner des Landkreises Dachau - statistisch gesehen vom Säugling bis zum Greis - vernichten im Jahr 206 000 Hektoliter des flüssigen Goldes. Diese Zahl hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten errechnet.

Doch es wird gesündigt in der irdischen Bierwelt. Zumindest findet die Gewerkschaft, dass die Mitarbeiter der 147 oberbayerischen Brauereien von den "steigenden Umsätzen in der Branche" zu wenig abgekommen. Sie fordert ein Lohn-Plus von 6,5 Prozent für alle Beschäftigten. "Wo die Kassen klingeln, muss für die Mitarbeiter mehr drin sein", wird Gewerkschafter Mustafa Öz in einer Pressemitteilung zitiert. Denn auch in der Bier-Branche steige die Arbeitsbelastung. Für Braumeister werde es zunehmend schwerer, Azubis zu finden.

Man kann nur hoffen, dass sich Gewerkschafter und Arbeitgeber einigen. Nicht, dass es zum Streik kommt. Wer soll dann das Bier brauen? Der Heilige Geist sicher nicht.