Meterhohe Flammen Großeinsatz der Feuerwehr

Großbrand auf dem ehemaligen Lagerplatz der stillgelegten MD-Papierfabrik. 55 Einsatzkräfte bekämpften am Donnerstag Abend eine Flammenmeer. Mehrere Fahrzeuge brannten lichterloh, die Retter mussten wegen des Rauches schweren Atemschutz tragen.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Auf dem ehemaligen Lagerplatz der MD-Papierfabrik brennen ein Bus, ein Lkw und mehrere Pkws lichterloh. Die Kripo ermittelt wegen Brandstiftung.

Von Jana Rickund Helmut Zeller, Dachau

Schon auf dem Weg zum Großbrand in der Ostenstraße in Dachau sehen die Retter am Donnerstag Abend von weitem die Flammen in den Abendhimmel über Dachau hochschießen. Die Anspannung der Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Dachau steigt. Als sie dann um 18.36 Uhr auf dem ehemaligen Holzlagerplatz des MD-Geländes eintreffen, stehen sie vor einem Flammeninferno.

Ein Bus und ein Lastkraftwagen brennen lichterloh, das Feuer hat in Sekundenschnelle auf vier daneben parkende Personenwagen übergegriffen. Weitere Automobile auf dem heutigen Parkplatz sind bedroht. Als Wolfgang Reichelt, Pressesprecher der Freiwilligen Feuerwehr Dachau, am Brandort eintrifft, ist ihm mit einem Blick klar: "Das ist auf jeden Fall einer der größten Brände in diesem Jahr", wird er später sagen. Das Ausmaß des Schadens ist am Abend noch unklar. Am Freitag steht fest: ungefähr 200 000 Euro.

Einer der größten Brände des Jahres

Der erfahrene Feuerwehrmann Wolfgang Reichelt hatte den richtigen Riecher: Diesen Brand muss jemand gelegt haben. "Denn grundsätzlich fängt ein Wagen nicht von selbst das Brennen an. Erst recht kein abgestellter Wagen", sagt Reichelt.

Am Freitag bestätigt die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck, die in der Brandnacht die Ermittlungen übernommen hat, seinen Verdacht. Die Brandfahnder gehen aufgrund der Befunde von einer Brandstiftung aus, wie es in der Pressemitteilung heißt. Unmittelbar vor Entdeckung des Brandes hat der Kripo Fürstenfeldbruck zufolge eine Zeugin mehrere dunkel gekleidete Personen, vermutlich Jugendliche, gesehen. Sie rannten schnell vom Brandort weg. Den Erkenntnissen der Dachauer Polizei zufolge wurde der Platz in der Ostenstraße öfters von Jugendlichen als Treffpunkt genutzt. Die Beamten ermittelten schon in der Vergangenheit wegen verschiedener Beschädigungen an Fahrzeugen, die auf dem Platz geparkt worden sind.

Anwohner geraten in Angst

Wer den Brand als erster gemeldet hat, kann nicht mehr nachvollzogen werden. Der Alarm kam über die Leitstelle Fürstenfeldbruck nach Dachau. Es gingen allerdings noch weitere Notrufe ein, wahrscheinlich von Anwohnern der umliegenden Häuser, die angesichts des Flammenmeers in Angst gerieten. Zu diesem Zeitpunkt raste das erste Löschfahrzeug der Feuerwehr Dachau bereits zur Ostenstraße. Die Integrierte Leitstelle hatte einen Lkw-Brand in der Ostenstraße gemeldet. Nach den weiteren Notrufen wurde der Alarm präzisiert: "mehrere brennende Lkws".

Daraufhin wurden, wie Wolfgang Reichelt erklärt, die Alarmstufe erhöht und für die Dachauer Feuerwehr Vollalarm ausgelöst sowie die Nachbarwehren aus Pellheim und Günding herbei gerufen. In den folgenden Minuten rücken weitere Löschfahrzeuge, eine Drehleiter und Einsatzleitwagen an, daneben zwei Rettungswagen, ein Notarztfahrzeug, der Einsatzleiter Rettungsdienst sowie mehrere Streifenbesatzungen der Polizei. 55 Feuerwehrmänner bekämpfen den Brand. Mit mehreren Wasserrohren gehen die Einsatzkräfte von drei Seiten gegen die meterhohen Flammen vor.

Lkw-Besitzer laufen im Chaos zu ihren Fahrzeugen

Die Retter können sich dem Großfeuer, das eine sengende Hitze ausstrahlt, nur unter schwerem Atemschutz nähern. Ein anderer Trupp bringt einige der auf dem Parkplatz abgestellten Lkws aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich. In dem Chaos laufen einige Lkw-Besitzer, die von dem Brand gehört haben, zu ihren Fahrzeugen. Polizei und Feuerwehrmänner müssen sie zu ihrer eigenen Sicherheit zurückhalten. Glücklicherweise wird bei dem Großfeuer kein Mensch verletzt. Ein abgestellter Bus, ein Lastkraftwagen und ein Pkw sind völlig ausgebrannt, einige Pkws beschädigt. Die verkohlten Gerippe der zerstörten Fahrzeuge bieten einen gespenstischen Anblick.

Eine knappe Stunde später, um 19.30 Uhr, können die ersten Kräfte aus dem Einsatz entlassen werden, um 20.30 Uhr sind die Löscharbeiten weitgehend abgeschlossen, und die Feuerwehren rücken nach und nach ab. Eine Fahrzeugbesatzung sichert noch während der Ermittlungen der Kriminalpolizei den Brandort und leuchtet ihn aus. Sie beenden ihren Einsatz um 21.30 Uhr.

Die Kripo Fürstenfeldbruck sucht weitere Zeugen, Telefon: 08141/6120.