bedeckt München 17°
vgwortpixel

Haushalt:Tausende Katzen im Landkreis ohne Zuhause: Mehr Geld für Kastrationen

Schlafende Katze

Eine Katze schläft auf den von der mittäglichen Sonne erwärmten Steinen einer Terrasse.

(Foto: dpa)

Der Freistaat will mehr Geld für die Kastration wilder Katzen ausgeben. Im Dachauer Tierheim ist man positiv überrascht. Tausende Katzen im Landkreis Dachau sind herrenlos.

Viele Landkreise haben Probleme mit herrenlosen Katzen, die sich rasant vermehren und teilweise Krankheiten verteilen. Die Freien Wähler im Landtag haben nun ein Budget von 200 000 Euro jährlich speziell für Katzenkastrationsprogramme durchgesetzt. Dieser Betrag wird noch auf die eine Million Euro draufgesetzt, die erstmalig im Doppelhaushalt 2019/2020 für den Tierschutz eingesetzt werden. "Für eine wilde Katze fühlt sich niemand verantwortlich", sagt Benno Zierer, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler. Er erklärt, dass die eine Millionen bereits ein großer Fortschritt im Tierschutz sei, die zusätzlichen 200 000 Euro ein weiterer Erfolg. "Das war mehr als überfällig."

Silvia Gruber, Leiterin des Dachauer Tierheims, ist über die Entscheidung hörbar erstaunt. "Da bin ich überrascht", sagt sie, "positiv überrascht". Sie schätzt die Zahl der herrenlosen Katzen im Landkreis auf mehrere tausend.

Mehrere tausend Katzen im Landkreis Dachau sind herrenlos

Gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern kastriert die Tierschützerin jedes Jahr viele Tiere im Landkreis. Jede Katze, die bei ihnen im Tierheim ankommt, wird sofort kastriert und manchmal gehen die Helfer auch für gezielte Aktionen auf Höfe. Doch das Kastrieren ist nicht nur ein großer Zeitaufwand, da die Tiere gefangen und narkotisiert werden müssen, sondern auch eine teure Angelegenheit. Eine Kastration kostet etwa 150 Euro, erklärt Gruber. Das seien die reinen Tierarztkosten, hinzu kommt noch das Tätowieren und Chippen der Katzen, um später erkennen zu können, welche bereits in der Behandlung war. Die Kennzeichnung kostet noch mal etwa 30 Euro.

Die zusätzlichen Mittel vom Freistaat würden den Tierschützern ihre Arbeit erleichtern, sagt Gruber. Sie würde Katzenbesitzern im Landkreis anbieten, ihre Vierbeiner im Tierheim kastrieren lassen zu können. Zumindest solange das Budget es zulässt.

"Je höher die Population, desto mehr Krankheiten werden auch übertragen"

Dass Kastrationen nötig sind, dieser Meinung ist nicht nur Zierer, der sagt: "Das Problem kennt jeder Gartenbesitzer. Kleine Vögelchen stehen auf dem Speiseplan wilder Katzen, die anderswo kein Futter bekommen." Eine Katze kann ab dem Alter von fünf Monaten selbst Junge bekommen und das bis zu dreimal im Jahr. Ein Wurf besteht im Durchschnitt aus vier Katzenbabys. Das kann kritisch werden: "Je höher die Population, desto mehr Krankheiten werden auch übertragen", sagt Gruber.

Grausam findet sie die Methoden, die einige verzweifelte Menschen dann anwenden. Immer wieder bekommt Gruber Anrufe, in denen geschildert wird, wie ein Nachbar eine Katze erschlage oder ertränke. "Das gäbe es alles nicht, wenn wir mehr Katzen kastrieren könnten", sagt Gruber. Sie sieht die Forderung der Freien Wähler als "sehr sinnvoll", um das Leid und Elend vieler Katzen zu beenden.

Mehr Geld für die Kastration von Katzen kommt bei den Tierheimen gut an

Gruber hofft, dass die Förderung auch konkret verteilt wird und jedes Tierheim ein festes Budget zur Katzenkastration erhält. Zierer versichert, dass das Geld "nicht wie eine Gießkanne über Bayern" ausgeschüttet werde, sondern gezielt eingesetzt werden soll. Förderrichtlinien würden die genaue Verteilung des Geldes regeln. Der Landtagsabgeordnete sieht dies "als einen Beitrag an die Ehrenamtlichen".

Natürlich würde dieser nicht von heute auf morgen die Welt der Katzen verbessern, das ist Gruber klar. Aber sie ist mit jedem Schritt zufrieden, der im Tierschutz gemacht wird. Dass nun mehr Geld für Katzenkastration ausgegeben werden soll, ist ihrer Meinung nach der richtige Weg. "Dauerhaft können wir so Kosten sparen, was sich entlastend auf die Tierheime auswirkt."

© SZ vom 01.04.2019