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Mehr Kontrollen in Karlsfeld:Harte Zeiten für Parksünder

Diese Autos in der Münchner Straße wurden korrekt geparkt - aber die Gemeinde Karlsfeld tut sich schwer mit den vielen Falschparkern.

(Foto: Toni Heigl)

In Karlsfeld wird die Kommunale Verkehrsüberwachung Südost Bayern die Falschparker aufs Korn nehmen

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Karlsfeld will den Parksündern an den Kragen gehen. Verstellte Feuerwehrzufahrten sind vor allem rund um den Bahnhof oder in der Nähe des Rathauses der Gemeinde längst keine Seltenheit mehr. CSU-Gemeinderat Bernd Wanka, der gelegentlich auch ehrenamtlich im Rettungswagen mitfährt, berichtet sogar, dass die Sanitäter im Notfall häufig große Umwege machen müssten, um zu einem Hilfebedürftigen kommen zu können, weil sie mit dem Sanka nicht durchkommen. Das können für den Betroffenen entscheidende Minuten sein. Um dies zu ändern, soll die Kommunale Verkehrsüberwachung Südost Bayern künftig die Falschparker zur Räson bringen. Karlsfeld will als 172. Gemeinde Mitglied in dem Verband werden. Das haben die Kommunalpolitiker jetzt einstimmig beschlossen.

Marion Demberger, die stellvertretende Geschäftsführerin des Verbands, der in Töging seinen Sitz hat, warb bereits im Bauausschuss für eine Mitgliedschaft. Viele Gemeinden aus dem Landkreis Dachau sowie der Landkreis selbst sind bereits beigetreten. Von 2016 bis 2019 habe sich die Zahl der Mitglieder von 118 auf 164 erhöht. Dementsprechend fleißig seien die Mitarbeiter gewesen. Hatten sie 2016 noch 77 000 Parkverstöße geahndet, so waren es drei Jahre später bereits 126 000. Die Gemeinde brauche kein eigenes Personal mehr für die Parksünder, ihre Behörde arbeite vom Strafzettel bis zur Zwangsvollstreckung alles ab, sagte Demberger. Die Mitglieder müssten nur sagen, "wo es brennt". Zusammen mit der Polizei werde man dann festlegen, wo und in welchem Umfang die Straßen überwacht werden sollen. Pro Stunde koste dies 34 Euro, wenn es nur um den ruhenden Verkehr geht, plus zwei Euro pro Verwarnung. Anhand von Bilder zeigte sie den Gemeinderäten stolz die Ausrüstung. Fahrzeuge mit Lasern ausgerüstet, die die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Autos aus zwei Richtungen messen können, sowie kabellose Lichtschranken. "Die Sicherheit der Bürger ist unser Credo", betonte Demberger.

"Für den fließenden Verkehr haben wir bereits einen Vertrag mit einem anderen Dienstleister zusammen mit der Stadt Dachau", erklärte Günther Rustler, der in der Verwaltung für öffentliche Sicherheit und Ordnung, speziell für den Verkehr, zuständig ist. "Der Vertrag läuft noch drei Jahre. In der Zeit können wir schauen, wie es mit dem Zweckverband läuft. Eventuell wechseln wir beim nächsten Vertrag", stellte er in Aussicht. Frühestens beginnen könne die Parküberwachung voraussichtlich im Januar, erklärte Demberger. Auf der Verbandsversammlung am 19. November werde man über die Aufnahme Karlsfelds als Mitglied befinden.

Franz Trinkl (SPD) stellte unterdessen klar: "Es geht der Gemeinde nicht darum, etwas zu verdienen." Das was man durch die Strafzettel einnehme, werde ohnehin gleich wieder ausgegeben. Einige Bedenken hatte er hinsichtlich der Klagefreudigkeit mancher Autofahrer. Doch Demberger beruhigte ihn: "Viele Einsprüche werden wieder zurückgenommen." Wenn die Gemeinde es wünsche, würden die Mitarbeiter der Kommunalen Verkehrsüberwachung sogar sonntags, an Feiertagen und nachts auf die Straße gehen - zum Beispiel bei Veranstaltungen, sagte Demberger. Und das ganz ohne Aufpreis für die Gemeinde.

© SZ vom 09.10.2020
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